Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 844
Kronach (Oberfranken): Bamberger Bischofsfestung

Kronach: Festung Rosenberg
Teil (7): Fürstenbau und Spitaltor

Das Spitaltor, eingelassen in den Ostflügel (Fürstenbau), war früher der einzige Zugang zur Kernburg, die sich hier nach Osten öffnete. Der älteste Bau an dieser Stelle gehörte wohl noch zur allerersten Burg. Viele baulich aktiven Fürstbischöfe haben hier ihre Spuren hinterlassen, entsprechend hat dieses Tor die drei Wappen der Fürstbischöfe Georg I. von Schaumberg (1459-1475, Wappen von 1468), Weigand von Redwitz (1522-1556, Wappen datiert auf 1532) und Veit II. von Würtzburg (1561-1577, Wappen datiert auf 1564, zusätzlich mit den vier Wappenschilden der Vorfahren).

Rechts neben dem Spitaltor, das durch eine dicke Bohlentür, eine Zugbrücke und einen Graben gesichert war, befindet sich eine vorspringende polygonal geformte Streichwehr mit Ziegeldach, von der aus man Tor, Zugbrückenwiderlager und Graben aus T-förmigen Scharten beschießen konnte. Innerhalb des Torhauses befand sich früher noch eine weitere Verteidigungseinrichtung, eine sog. Wolfsgrube, eine Falle für Eindringlinge. Erst 1746 wurde die alte hölzerne Zugbrücke, deren Falze und Anschlag man noch im Mauerwerk sehen kann, abgerissen und durch die heute benutzte Steinbrücke mit zwei Bögen ersetzt.

Das Tor aus schweren Eichenholzbohlen ist noch original und hat damit das ehrwürdige Alter von über 600 Jahren.

Abb. links: Wappen des Fürstbischofs Georg I. von Schaumberg (1459-1475), datiert auf 1468. Mit der Datierung auf 1468 befindet sich hier das älteste Wappen der ganzen Festung (Inschrift: "do man zalt m cccc in lxviii jar i regim bischof jörg vo schaumb geborn ist diser stein gemacht wor" - Dieser Stein ist gefertigt worden, als man das 1468 Jahr zählte während der Regierung von Georg von Schaumberg.

Abb. rechts: Wappen des Fürstbischofs Weigand von Redwitz (1522-1556), Wappen datiert auf 1532, oben die Initialen H.C. im Falz. Bemerkenswert die Schildform, die in fünf Lappen mit jeweils eingerolltem Rand ausläuft und die tatsächlich von Kämpfern verwendeten Formen in ihrer Gestaltung deutlich hinter sich läßt. Weiterhin niedlich die vier kleinen Engelsgestalten in den Ecken der Bildhauerarbeit. Ein Ring oben mit zwei verzierten Trossen suggeriert die Aufhängung des Wappens (Wappen 19). Der Schild ist geviert:

Dazu gehören folgende zwei Helmkleinode:

Doch der prächtigste Wappenstein am Spitaltor ist der des Fürstbischofs Veit II. von Würtzburg (1561-1577). Sein Wappen ist in dem stark gebogenen und mit einer kleinen Schlaufe aufgehängten Schriftband unten in der Mitte auf 1564 datiert und ist mit dem Meisterzeichen von Daniel Engelhardt im vom Schriftband eingeschlossenen Feld versehen. Ein identisches Wappen findet sich am Schieferturm.

Das Wappen des Fürstbischofs Veit II. von Würtzburg von 1564 besteht aus zwei einander zugeneigten zusammengestellten Wappenschilden unter einer Krone.

Außenherum ist das zentrale Vollwappen von vier Wappenschilden der Ahnenprobe umgeben:

Der weite Platz vor dem Ostflügel, dem Fürstenbau, wird als Geschützhof oder auch Reitschule bezeichnet. Das früher als Geschützplattform und Exerzierplatz von der Festungsbesatzung genutzte Gelände wird im Süden begrenzt vom im 18./19. Jh. erbauten Provianthaus (links im Schatten) und dem in den 7 Tonnengewölben aus dem 16. Jh. darunter befindlichen Kriegspulvermagazin. Hier auf dem Platz davor hatten in Kriegszeiten auch die Pferde der Festung ihren Auslauf, wenn man die Festung nicht verlassen konnte.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere die Bände Bayern und Bistümer
Festung Rosenberg:
http://www.festung-kronach.de/
Bernd Wollner, Die Festung Rosenberg, ein Führer und Begleiter durch Kronachs berühmte Wehranlage, Hrsg.: Tourismus- und Veranstaltungsbetrieb der Stadt Kronach, Kronach 2002, ISBN 3-00-009879-8
Vor Ort aufgestellte Informationstafeln
750 Jahre Festung Rosenberg. Kunst, Kultur und Geschichte in und um Kronachs Wahrzeichen. Hrsg.: Verein "1000 Jahre Kronach". Kronach 1999.
Faltblatt der Tourist-Information Kronach "Rundgang durch die Festungsanlagen"
Tillmann Breuer: Festung Rosenberg über Kronach. München 1990.
Hans Kremer, Festung Rosenberg, Kronach 1974.
Hans Kremer, Helmut Wenig: Wappensteine - Steininschriften in Kronach und auf der Festung Rosenberg, Kronach 1976
Heinz Müller: Die Festung Rosenberg in Kronach. Kurze Einführung in Geschichte und Rundgang. Kronach 1985.

Kronach (Oberfranken): Festung Rosenberg, bis zu G. v. Schaumberg - Ausbau unter P. v. Henneberg - Ausbau unter W. v. Redwitz - Nordostturm - Schmiedsturm - Dicker Turm - Fürstenbau und Spitaltor- Ausbau unter V. v. Würtzburg - Zeughäuser - Südflügel - Zeughaustorbau - Festungstor - Bastion St. Valentin - Bastion St. Kunigunde - Bastion St. Heinrich - Bastion St. Philipp - innere Mauer der Bastion - Bastion St. Lothar - innere Mauer Südkurtine - Artilleriekaserne - Vorwerke

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