Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 84
Mespelbrunn - Inbegriff der Spessart-Romantik

Schloß Mespelbrunn (Teil 1)

Schloß Mespelbrunn - einer der romantischsten Orte im Spessart, wenn man im Herbstnebel unter der Woche das sich im trüben Burgteich spiegelnde Schloß aufsucht, und einer der touristischsten Orte zwischen Aschaffenburg und Würzburg zugleich, wenn an einem sonnigen Sommerwochenende sich Busladungen voll Rentner über das kleine Schlößchen ergießen. Frappierend ist der Gegensatz zwischen den wehrhaften alten Mauern, dem riesigen Bergfried, neben dem sich der breite Bogen zum Wasser öffnet, zwischen Burg und Schloß, zwischen feuchten Mauern und prunkvoll ausgestatteten Innenräumen. Der Stammsitz der Familie Echter von Mespelbrunn kam erst 1412 in die Familie, als Schenkung eines Mainzer Kurfürsten. 1419 wurde die erste Wasserburg erbaut. Davon hat sich nicht viel erhalten, lediglich der Unterbau des Bergfriedes stammt von 1430 und ist der älteste Teil der heutigen Burg. Das heutige Aussehen ist das Ergebnis eines weitreichenden Umbaues der mittlerweile als unwohnlich empfundenen alten Burg in den Jahren 1551-1569, vorgenommen von Peter III. Echter von Mespelbrunn und seiner Frau Gertraud von Adelsheim. Sie stockten den Rundturm auf und errichteten den heutigen Hauptbau. Die Bauherren bleiben dem Besucher nicht lange unbekannt, denn sie sind beide in einem wunderschönen Renaissanceportal von 1564 am Turm des Nordflügels bildlich dargestellt.

Begleitet werden ihre Abbilder von dem Hausspruch: "Ehelich Lieb in Gott und stete Trew, Bringt Glück und Segen ohn alle Rew. Mit Ernst und Fleis haben wir Gott vertraut, Den Unseren zu Gut dies Haus gebaut."

Der Sohn dieser Beiden ist uns aus Würzburg wohlvertraut, es ist kein Geringerer als Julius Echter von Mespelbrunn, Fürstbischof von Würzburg, Bauherr des Würzburger Juliusspitals, Gründer und Erbauer der alten Universität, der Erweiterer der Festung Marienberg - Würzburg trägt architektonisch, kulturell und heraldisch seinen Stempel.

Bleiben wir doch noch bei diesem Renaissance-Portal. Es ist eines der schönsten in Franken, denn neben den Bildnissen des Bauherrenpaares zeigt es uns natürlich deren Wappen:

Wappen der Echter von Mespelbrunn: In Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen, Helmzier zwei wie der Schild bez. Büffelhörner, Balken einander zugeneigt, Helmdecken blau-silbern.

Dank der regen Bautätigkeit und der langen Regierungszeit (44 Jahre) gehört das Echter-Wappen zu den häufigsten in Mainfranken. In der Tat verdankt das Hochstift Würzburg ihm und seiner Regierung sehr viel (Bauwerke, Universität zu Würzburg, Spitäler etc.). Die Familie stammt ursprünglich aus dem Odenwald, wo sie in Diensten der Schenken von Erbach stand. Der Zweig im Spessart ist seit 1334 urkundlich erwähnt. Die dortigen Echter standen als "Wald- und Bachförster" im Dienste von Mainz. Sie hatten im Spessart Besitz an umfangreichen Waldgebieten. Mit dem Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn schaffte die Familie den Sprung nach Würzburg, und in der Folgezeit erwarb die Familie Besitzungen im Steigerwald (Gaibach, Oettershausen, Gochsheim, Schallfeld, Traustadt, Weisbrunn). Weiterhin hatte die Familie Besitzungen im Württembergischen: Neckarsulm, Crailsheim, Künzelsau. Beide Linien starben aber schon bald aus. Der letzte Echter war Johann Philipp Freiherr Echter von Mespelbrunn, der 1665 im 19. Lebensjahr verstarb. Das Erbe ging über Ottilia Echterin von Mespelbrunn an die von Ingelheim, die 1648 Philipp Ludwig von Ingelheim geheiratet hatte, Oberstleutnant und Amtmann zu Miltenberg im Dienste von Mainz. 1698 vereinigte die Familie mit Genehmigung des Kaisers beide Wappen zu "von Ingelheim genannt Echter von Mespelbrunn" und vierte ihr Wappen aus Ingelheim und Echter von Mespelbrunn. Schloß Mespelbrunn ist heute noch in Familienbesitz.

Wappen derer von Adelsheim: In Silber ein silbern-schwarz geteiltes gewundenes Widderhorn (Steinbockshorn). Helmzier ein schwarz oder silbern-schwarz geteilt gewandeter Frauenrumpf mit goldenem abstehenden Haarzopf und goldener Krone zwischen zwei silbern-schwarz geteilten wie im Schild bez. Hörnern. Helmdecken schwarz-silbern.

Das Geschlecht derer von Adelsheim ist fränkischer Uradel. Der erste nachgewiesene Namensträger ist Hans von Adelsheim, 1324 erwähnt. Sie führen mit dem Steinbockshorn das gleiche Wappenmotiv wie die von Fechenbach und die Kottwitz von Aulenbach. Die Herren von Adelsheim trugen ihre Eigengüter im Jahre 1347 dem Fürstbischof von Würzburg zu Lehen auf. Die Familie gehörte zur fränkischen Reichsritterschaft, Kanton Odenwald, und im 16. Jh. waren ihre Mitglieder auch im Kanton Rhön-Werra immatrikuliert. Nach 1803 wurden die Herren von Adelsheim Freiherren im Großherzogtum Baden. Die Stammgüter umfaßten Besitzungen in Adelsheim, Hergenstadt, Sennfeld (Kreis Buchen) und Wachbach (Kreis Mergentheim). Die sog. 2. Linie starb am 8.4.1884 mit Adolf Frhr. v. Adelsheim aus und wurde von der sog. 1. Linie beerbt. Die heutige Linie entstand 1951 durch Adoption und nennt sich Freiherren von Adelsheim von Ernest; sie führen ein von den Stammwappen v. Ernest und v. Adelsheim gevierten Schild mit zwei Helmen. Adelsheim befand sich bis 1803 unter der Herrschaft der reichsunmittelbaren Ritterfamilie. Die Verhältnisse wurden erst durch den Reichsdeputationshauptschluß geändert. Danach kam Adelsheim an Baden. Das Stadtwappen von Adelsheim heute zeigt in Erinnerung an diese Familie in Silber das schwarze Steinbockshorn.

Jeder der beiden hat seitlich noch seine Ahnenprobe mit jeweils vier Wappen veranschaulicht: Heraldisch links die Ehefrau (rechte Abb.):

Heraldisch links der Ehemann (linke Abb.):

Gesamtansicht des Renaissance-Portales

Zum Verständnis der Ahnenprobe werden hier die Mitglieder der verschiedenen Generationen aufgelistet:

Ehepaar:

Die jeweiligen Eltern:

Die jeweiligen Großeltern:

Übrigens begegnen uns genau die gleichen acht Wappenschilde an einer Wappendarstellung für Julius Echter von Mespelbrunn, den Sohn des Paares, auf der Festung Marienberg wieder. Und noch schöner, nämlich nicht nur in Form von Schilden, sondern als richtige Vollwappen, sehen wir die gleiche Ahnenprobe auf dem Epitaph des Fürstbischofs im Würzburger Kiliansdom.

Literatur:
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Siebmachers Wappenbücher
Schlösser und Burgen in Unterfranken, von Anton Rahrbach, Jörg Schöffl, Otto Schramm. Hofmann Verlag Nürnberg 2002, ISBN 3-87191-309-X
Ein herzliches Dankeschön an Frhr. v. Recum für wertvolle Hinweise
Adelsheim: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band I, Band 53 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag Limburg, 1972.
Adelsheim: Otto Hupp, Münchener Kalender 1922, Verlagsanstalt München/Regensburg
Adelsheim:
http://de.wikipedia.org/wiki/Adelsheim_%28Adelsgeschlecht%29
Genealogie Echter von Mespelbrunn: Biedermann, Geschlechts-Register der Reichs-Frey unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Francken, löblichen Orts Steigerwald
http://books.google.de/books?id=5tJDAAAAcAAJ
Genealogie von Adelsheim, Biedermann, Geschlechts-Register Der Reichs Frey unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Francken Löblichen Orts Ottenwald (Odenwald)
http://books.google.de/books?id=g9JDAAAAcAAJ

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