Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 833
Wappenkunst in Schwäbisch Hall

Heraldische Denkmäler an St. Michael zu Schwäbisch Hall - Teil (6)

Grabplatte Nr. 14: Michael Senft
Ein weiterer Stein der Nordseite, im dritten Joch außen seitlich links angebracht. Die Inschrift lautet: "Anno d(omi)ni MCCCCLXXI starb der erbar und vest Michel Senft am nechsten dinstag nach heilig kreuztag Michel Senft der alt anno d(omi)ni MCCCCLXXI"

Der Heiligkreuztag ist der 14. September im Kirchenjahr und erinnert an die sog. Auffindung des Kreuzes Christi im Jahre 326 durch Helena, des Kaisers Konstantin Mutter. Der 14.9.1471 ist zwar gregorianisch ein Donnerstag, im julianischen Kalender, der damals noch galt, aber ein Samstag, wenn wir zurückrechnen. Damit ist der Dienstag nach dem Heiligkreuztag 1471 der 17.9.1471, an dem er verschieden ist.

Mich(a)el Senft ist ab 1430 urkundlich nachweisbar. Er war 1440 Ratsherr, wenn nicht schon früher. Er war zweimal verheiratet, das erste Mal mit Barbara Berlin aus Heilbronn, das zweite Mal mit Anna Nenninger, ebenfalls aus Heilbronn.

Der Stein wird fast vollständig vom Wappen Senft eingenommen, das die Fläche in sehr guten, heute als ideal empfundenen Proportionen füllt. Trotz der starken Beschädigungen des Steines ist es ein herausragendes Denkmal, wegen der Plastizität der Darstellung und wegen der guten Proportionen, die genau dem entsprechen, was heute als vorbildlich anerkannt ist (3:2:3). Das Wappen der Senft von Sulburg ist in Blau ein goldener Schrägrechtsbalken, Helmzier wachsend Kopf und Hals eines blauen Einhornes mit goldenem Horn, Hals mit dem goldenen Schrägbalken belegt. Helmdecken blau-golden. Siebmacher WüA, S. 26, T. 24. Die Eltern des Mich(a)el Senft waren Konrad Senft und Gret Egen.

In den vier Ecken befinden sich vier weitere Wappenschilde, die aber sehr verwittert sind. Heraldisch oben rechts befindet sich das Wappen der Senft von Sulburg, in Blau ein goldener Schrägrechtsbalken. Der Vater des Mich(a)el Senft war Konrad Senft, der Großvater der Ritter Walter Senft.

Für dieses Wappen gibt es in Schwäbisch Hall mehrere Vergleichswappen, einerseits ein Wappen auf einem auf 1494 datierten Stein an dem Haus in der Oberen Herrngasse 5, welches durch Gilg Senft erbaut wurde, andererseits einen Wappenschild im gewölbten Dach des Ölbergs an der Nordseite von St. Michael als Stifterwappen, und weiterhin gibt es eine hervorragend erhaltene Darstellung auf einem Epitaph für Agnes Adler, geb. Senft von Sulburg, in der Kirche St. Urban.

Heraldisch links oben ist der Wappenschild leider total zerstört. Von der Logik her müßte hier das mütterliche Wappen sein, das Wappen Egen, im Kreuzzinnenschnitt von Silber und Rot geteilt. Die Mutter des Mich(a)el Senft war Gret Egen, Frau von Konrad Senft, Tochter von Volkhard Egen (der auch mit einem Stein in dieser Sammlung vertreten ist) und Gute Eberhart.

Heraldisch unten rechts ist der Wappenschild noch zu erkennen, es handelt sich um das Wappen der Familie Neuenstein, in Silber ein roter Hammer an goldenem Stiel. Helmzier ein Flug wie der Schild, Helmdecken rot-silbern. Guta von Neuenstein war die Frau des Ritters Walter Senft und damit Großmutter des Mich(a)el Senft. Vgl. Siebmacher WüA, Seite 59, Tafel 39, Rumohrsches Wappenbuch, Ingerams Wappenbuch.

Für dieses Wappen gibt es in Schwäbisch Hall mehrere Vergleichswappen, einerseits einen aus dem 14. Jh. stammenden Wappenstein für Konrad von Neuenstein (-1371), innen an der Nordwand der ehemaligen Johanniterkirche, andererseits ein Grabdenkmal außen an der Nordseite von St. Michael für Hermann von Neuenstein (-1379).

Heraldisch unten links finden wir den Wappenschild der Familie Eberhart/Eberhardt. Es steht für Guta Eberhart, das Wappen der Ehefrau von Volkart Egen, Großmutter mütterlicherseits des Mich(a)el Senft. Es ist eine Schneckenvierung. Die Richtung der Schnecke kann wechseln. Nach der Stiftertafel Reichalmosen innen in St. Michael für den Tucher und Ratsherrn Paulus Eberhart (-1505) sowie für Dr. jur. Johann Eberhart sind die zugehörigen Farben rot-silbern, und die Helmzier ist ein roter, rot gestulpter hoher Hut, oben mit schwarzen Hahnenfedern besteckt, zwischen zwei silbernen Büffelhörnern. Helmdecken rot-silbern.

Grabplatte Nr. 15: Johann Nicolaus Schragmüller
Gegenüber den vorherigen Platten machen wir jetzt einen großen Zeitsprung, der zugleich die heraldische Entwicklung, oder sagen wir besser den heraldischen Verfall schmerzlich spüren läßt im Vergleich zu den hervorragenden und richtungsweisenden Denkmälern der Spätgotik.

Die Inschrift dieser auf der Nordseite von St. Michael befindlichen Platte lautet: " Hier ruhet in Gott selig der weyl(and) Hoch Edle Gestrenge u.(nd) Hochgelehrte Herr Johann Nicolaus Schragmüller J(uris) U(triusque) L(icentiatus) u.(nd) hochverdienter Stättmeister Steuer Herr Consistorialis u.(nd) Scholarcha alhier seel(igen) andenckens. Dieser ist 1643 d(en) 11. Aug(ust)e vor 68 Jahr(en) gebohren, in Liebreicher Ehe mit der Hochedlen J(un)gfr(au) Maria Euphrosina geboh(r)e(nen) Osianderin erzeuget 5 Söhn(e) u(nd) 6 Töchter, von welchen er mit 18 lieben Enckelein erfreuet worden. A(nn)o 1669 wurde er in (den) Inner(e)n Rath erwehlet, zu einem Kayßer(lichen) Lehen(s)träger, Ambtmann zu Iltzhoffen, Gericht(s)-Schultheiß u(nd) Bühler Amtmann, darauf folgte die hohe geheime Stell(e) sambt dem Consist(orialat) u(nd) Scholarchat, Steuer H(e)r(r), wurde 1703 regierender Stättmeister, Bayrischer u(nd) Hochfürstl(icher) Württembe(rgischer) Lehen(s)träger 1711 Gott verleyhe ihm eine fröhliche Auferstehung"

Das Wappen der Familie Schragmüller zeigt ein liegendes halbes Rad, evtl am Spalt eines geteilten Schildes. Die Helmzier sind zwei Büffelhörner. Im Siebmacher sind zwei Wappen Schragmüller zu finden, eines des Tübinger Stadtvogtes Valentin Andreas Schragmüller, in Blau ein silbernes halbes Rad, aber senkrecht stehend. Helmzier zwei Büffelhörner, rechts silbern, links blau. Helmdecken blau-silbern. Vgl. Siebmacher, Bg1, Seite 31, Tafel 38. Das andere ist das Wappen des Johann Philipp Schragmüller aus Regensburg: Geteilt, oben leer, unten ein halbes Mühlrad am Spalt. Helmzier zwei Büffelhörner. Ohne Angaben zur Tingierung. Vgl. Siebmacher Bg3, Seite 32, Tafel 37. Die Farben und Details des hier vorliegenden Wappens müssen also offen bleiben.

Johann Nicolaus Schragmüller wurde in Strasbourg geboren. Sein Vater, Johann Philipp Schragmüller, wurde vom Stättmeister Georg Friedrich Seiferheld als Syndicus nach Schwäbisch Hall geholt. Johnn Nicolaus Schragmüller studierte in Strasbourg, Tübingen und Heidelberg. 1666 wurde er Lizentiat beider Rechte, 1669 wurde er Ratsherr in Hall. 1702 wurde er Stättmeister.

Das Wappen der Tübinger Familie Osiander ist von Silber und Blau geteilt, oben eine rote Rose, unten ein goldener Mond, die Spitzen aufwärtsgekehrt. Helmzier ein beiderseits wie der Schild bez. Adlerflug. Helmdecken rechts rot-silbern, links blau-golden. Vgl. Siebmacher Bg1, Seite 12, Tafel 9.

Maria Euphrosina Osiander war die Tochter von Dr. Johann Christof Osiander, Arzt der Stadt Hall.

Grabplatte Nr. 16: Johann Lorenz Drechsler
Diese Platte auf der Nordseite der St. Michaels-Kirche trägt folgende Inschrift: "Hier ruhen die Gebeine des weyl(and)e Hoch Edelgebohrenen He(rrn) Joh(ann) Lorentz Drechsler ältern Stättmeisters Steuerherrn des Consitorii u(nd) Collegii Scholarcharum Directoris etc. so allhier a(nno) 1664 d(en) 18. April gebohren u(nd) wegen seiner in Kriegs und Friedens Zeiten gemeiner Stadt geleisteten getreuen Dienste von einer Ehrenstelle zur andern und endlich a(nno) 1712 zur Höchsten Stättmeisters würde erhoben worden, welche er auch in die 13 Jahr mit sonderbahrem Ruhm und Patriotischem Eyffer verwaltet. Hat in einer 3fachen Ehe 11 Kinder erzeugt, von denen 8 in die Ewigkeit vorangegangen. Entschlieff in dem Herrn A(nno) 1725 d(en) 6. April seines Alters 61 Jahr. Sein leben war ein Beyspiel eines christlichen u(nd) tapffern Regenten und verursachet, daß, obschon Sein Leib in Staub u(nd) Asche zerfällt, sein Gedächtnis doch im Seegen u(nd) sein Ruhm unsterblich bleibet"

Das Wappen der Familie Drechsler: In Schwarz ein goldener Schrägrechtsbalken, belegt mit drei roten Rosen mit goldenem Butzen. Helmzier ein beiderseits wie der Schild bez. offener Flug, die Schrägbalken zur Mitte hin (nach vorne) geführt. Helmdecken schwarz-golden. Vgl. Siebmacher Bg5, Seite 11, Tafel 14, sowie Bg4, Seite 5, Tafel 6. Im Innern von St. Michael befinden sich zwei Drechsler-Wappen auf der Stiftertafel Reichalmosen in korrekter Tingierung, ebenfalls für Stättmeister Johann Lorenz Drechsler (1664-1725).

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Gerd Wunder: Personendenkmale der Michaelskirche in Schwäbisch Hall, Verlag Haller Tagblatt 1987
Gerd Wunder, Die Bürger von Hall. Sozialgeschichte einer Reichsstadt 1216-1802 (Forschungen aus Württembergisch Franken, Bd. 16), Sigmaringen, Jan Thorbecke, 1980
Gerd Wunder u. Georg Lenckner: Die Bürgerschaft der Reichsstadt Hall von 1395 - 1600 (Württembergische Geschichtsquellen, Bd. 25), Stuttgart (Kohlhammer) 1956
Eduard Krüger: Schwäbisch Hall - Ein Gang durch Geschichte und Kunst, Eppinger-Verlag Schwäbisch Hall 1990
Die Michaelskirche in Schwäbisch Hall, ein Begleiter durch die mittelalterlichen Kirchen St. Michael, St. Katharina und Urbanskirche, hrsg. von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Schwäbisch Hall, 2. Auflage 2004
Berechnung von Kalenderdaten:
http://www.ortelius.de/kalender/forme_de.php und http://emr.cs.iit.edu/home/reingold/calendar-book/Calendrica.html
Der freundlichen Dame am Bücherstand von St. Michael ein herzliches Dankeschön für Literatur-Einsichtnahme.
Wappen Drechsler:
http://www.schwaebischhall.de/buergerstadt/geschichte/stadtarchiv/familienwappen/wappen-d-f.html
Wappen Drechsler:
http://www.schwaebischhall.de/fileadm...T04-R01-P02.jpg
Wappen Drechsler:
http://www.schwaebischhall.de/fileadmin/user_upl....-P09.jpg
Wappen Schragmüller:
http://www.schwaebischhall.de/buergerstadt/geschichte/stadtarchiv/familienwappen/wappen-r-sc.html
Wappen Osiander:
http://www.schwaebischhall.de/buergerstadt/geschichte/stadtarchiv/familienwappen/wappen-n-q.html
Wappen Eberhart:
http://www.schwaebischhall.de/buergerstadt/geschichte/stadtarchiv/familienwappen/wappen-d-f.html
Wappen Eberhart:
http://www.schwaebischhall.de/fileadmin/...R01-P03.jpg
Wappen Eberhart:
http://www.schwaebischhall.de/fileadmin/user_up...._um_1580.jpg
Wappen Eberhart:
http://www.schwaebischhall.de/fileadmin/...-R01-P10.jpg
Wappen Neuenstein:
http://www.schwaebischhall.de/buergerstadt/geschichte/stadtarchiv/familienwappen/wappen-n-q.html
Wappen Senft:
http://www.schwaebischhall.de/buergerstadt/geschichte/stadtarchiv/familienwappen/wappen-se-su.html
Wappen Senft:
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Wappen Senft:
www.schwaebischhall.de/fileadmin/user_uplo....hronik_um_1580.jpg
Wappen Senft:
http://www.schwaebischhall.de/fileadmin/us...._Bl_027_RS.jpg
Der Stadt Schwäbisch Hall und dem Stadtarchiv ein herzliches Dankeschön für mustergültige und vorbildliche Präsentation der Häuser und Wappen der Stadt im Internet.

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