Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 827
Burgen und Schlösser in Franken: Rimpar

Schloß Rimpar

Das Schloß in Rimpar geht auf eine Burg der Herren von Grumbach aus dem 14. Jh. zurück. Cave: Es gibt zwei Familien dieses Namens: Es gab früher eine Familie von Grumbach, ein fränkisches Dynastengeschlecht, das aber 1243 mit Albert von Grumbach ausstarb. Ihr Besitz kam an die Grafen von Rieneck, die 1328 den Besitz an die Herren von Wolfskeel verkauften. Der Zweig der Familie Wolfskeel, der jetzt in Rimpar auf ehemals Grumbach'schem Besitz wohnt, benennt sich nun nach diesen und nimmt den Namen "von Grumbach" an. Beide Familien sind wappengleich, sie führen in Gold einen schwarz gewandeten oder je nach Darstellung auch unbekleideten Mohren, der in seiner ausgestreckten rechten Hand drei rote Rosen hält. Die linke Hand ist in die Hüfte gestützt. Die Helmzier ist ein flacher roter Turnierhut, silbern oder mit Hermelin gestulpt, darin ein geschlossener Flug, meist schräg von schwarz und gold geteilt, aber auch ganz schwarz möglich. Die Helmdecken sind schwarz-golden. Die Wolfskeel führten zur Unterscheidung von den von Grumbach auch zwischen den Flügeln ein Fähnlein, schwarz-golden geteilt, mit einem Reichsapfel belegt.

Hans von Grumbach war der Begründer der Rimparer Linie und Erbauer der 1347 errichteten Burg. Die von Grumbach hatten die Vogtei über Rimpar und auch das Forstmeisteramt im Gramschatzer Wald. 1525 wird die Burg im Bauernkrieg zerstört und wieder aufgebaut. In der Grumbachzeit entstand der spätgotische Südflügel mit den zeittypischen Vorhangbogenfenstern und den vorgezogenen Halbtürmen (erste Hälfte des 16. Jh.). Die berühmteste Grumbach-Geschichte ist die der "Grumbachschen Händel", in deren Folge Wilhelm von Grumbach in Opposition zum Hochstift Würzburg geriet und 1567 hingerichtet wurde. Diese Affäre ruinierte die von Grumbach politisch und wirtschaftlich. Sein Sohn Konrad vollendete die Mißwirtschaft, und der Verkauf wurde unumgänglich.

1603 starb die Familie von Grumbach in Rimpar aus, 1612 in Burggrumbach. Die Estenfelder Linie erlosch 1682 als letzte im Mannesstamm. 1593 hatte der Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn (1573-1617) die Burg Rimpar vom verschuldeten Konrad von Grumbach käuflich erworben und ab 1603 zur fürstbischöflichen Sommerresidenz und zu seinem Jagdschloß ausbauen lassen. Im 18. Jh. folgte dann ein Wechsel, Rimpar wurde als Sommerresidenz uninteressant für die Fürstbischöfe, die Werneck hatten erbauten lassen und diesem nun den Vorzug gaben.

Heutiger Hauptbau ist der Südtrakt, an den im Südosten, wo der Ostflügel anstößt, der gewaltige Turm mit seiner steinernen Galerie im obersten Stockwerk angebaut ist. Der Turm ist aber kein mittelalterlicher Bergfried, sondern wurde erst unter Bischof Julius Echter von Mespelbrunn erbaut. Der Eingang liegt im schmäleren Ostflügel, einem Anbau, der ebenfalls unter Julius Echter von Mespelbrunn entstand. Im Norden und Westen ist der Bereich des ehemaligen Berings heute unbebaut, Mauerreste zeugen von ehemals dort vorhandenen Rundtürmen und Bauten. Einst hatte auch ein Westflügel bestanden, der aber aufgrund von Vernachlässigung verfiel und ab 1780 abgebrochen wurde.

Heute ist im Schloß ein Museum (Archäologischem Museum und Bäckereimuseum) untergebracht, es kann öffentlich besichtigt werden, weiterhin Gastronomie.

Im Innenhof sind zwei große Wappen des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn zu finden, eines innen über der Tordurchfahrt, ein anderes seitlich.

Das Wappen ist geviert:

Zum Wappen gehören drei Helme:

Das Wappen über der inneren Tordurchfahrt wird von zwei Inschriften begleitet, die eine in Deutsch, die andere in Latein. Die vier Statuen, zwei direkt daneben, zwei weiter abgesetzt, sind Darstellungen der Kardinaltugenden: Gerechtigkeit, Mäßigung, Weisheit, Tapferkeit.

Daneben gibt es noch einen schildhaltenden Löwen, es ist das Stammwappen der Grafen von Dernbach, in Blau drei deichselförmig zusammengestellte goldene Seeblätter, begleitet von goldenen Schindeln.

Im Inneren ist der Wappensaal besonders sehenswert. Es ist der größte der drei Säle im Obergeschoß des Südflügels, ausgestattet mit einer kassettenartigen stuckdecke und einem umlaufen Fries von 32 Vollwappen fränkischer, bayrischer und schwäbischer Adelsfamilien (Zobel von Giebelstadt, Waldenfels, Sickingen, Rotenhan, Franckenstein, Stein vom Altenstein, Schwarzenberg etc.). Es handelt sich um die Ahnenprobe von Konrad von Grumbach und seiner Frau Salome, die 1552 heirateten.

Literatur, Quellen und Links:
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Rahrbach, Schöffl, Schramm: Schlösser und Burgen in Unterfranken. Nürnberg 2002, ISBN 3-87191-309-X.
Geschichte:
http://www.schloss-rimpar.de und http://www.schloss-grumbach.de/ (Freundeskreis Schloß Grumbach e.V.)
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Schlösser und Burgen in Unterfranken, von Anton Rahrbach, Jörg Schöffl, Otto Schramm. Hofmann Verlag Nürnberg 2002, ISBN 3-87191-309-X

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