Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 797
Im Banne der Weser-Renaissance: Schwöbber

Rittergut Schwöbber, Münchhausen-Schloß - Teil 2

Wappen am Torflügel
Der als zweites erbaute Flügel ist der leicht abgesetzte Südflügel, nur zweigeschossig und damit niedriger als das Haupthaus, als Torbau und Stallflügel erbaut. Ganz im Süden ist die Durchfahrt in den Schloßhof, von einem dreiteiligen Fenster überhöht. Bauherr war der Sohn Hilmars, Hilmar von Münchhausen der Jüngere (1558-1617). Ab 1588 wurde der Südflügel errichtet, mit Volutengiebeln an den Schmalseiten und Auflockerung der traufseitigen Längsseite durch zwei Zwerchhäuser zum Hof, desgleichen zur Außenseite.

Unter dem dreiteiligen Fenster befindet sich das Allianzwappen mit identischem Schildmotiv, beschriftet mit "Hilmar von Munnichuse" und "Dorothea von Munnichusen", datiert auf 1588.

Das Wappen der Schwarzen Linie: In Gold ein schreitender, halbrechts gekehrter Mönch in schwarzer Kutte, mit silbernem Scapulier und Kragen und silberner hinten herabhängender Kapuze, in der Rechten einen oben gekrümmten schwarzen oder roten Stab (Hirtenstab) haltend, in der Linken an rotem Riemen ein Brevier haltend in rotem Futteral mit goldenen Verzierungen. Auf dem schwarz-golden bewulsteten Helm wiederholt sich der Mönch. Helmdecken schwarz-golden. Weitere Erläuterungen siehe Teil 1.

Detailvergrößerung Hilmar von Münchhausen 1588

Detailvergrößerung Dorothea von Münchhausen 1588

Abb.: Blick vom Innenhof nach Westen auf den Torflügel und den südwestlichen Treppenturm.

Am südwestlichen Zufahrtsweg befindet sich ein weiterer Wappenstein in einer Bruchsteinmauer. Im Gegensatz zu den Renaissance-Wappen fällt hier auf, wie die Proportionen "aus dem Ruder" laufen. Der Gitterhelm hat einen zu kleinen Kopf, zu engen Hals, zu weiten Kragen, der wie ein Latz in den Schild fällt; gemessen an dem, was wir als guten heraldischen Stil empfinden, sind die Helmdecken viel zu lang, denn sie schließen unten nicht mit dem Schild ab, sondern hängen bis darüber hinaus, oben am Helm stehen die mickrigen Fransen in keinerlei Gleichgewicht zu den ausufernden Teilen seitlich des Schildes. Die Hauptteile der Helmdecke scheinen aus dem Nacken des Helmes zu kommen und nicht vom Helmdach. Sicherlich mag man dem Bildhauer zugute halten, daß er als Ausgangsmaterial zwei Steine benutzte, die ein weiteres Ausgreifen der Helmdecke nach oben nicht zuließen, aber dennoch ist dieses Wappen alles andere als ein wohlproportioniertes Werk, schade eigentlich an dieser exponierten Stelle.

Geschichte des Schlosses (2)
Der dritte Flügel, der das Ensemble vollendete, war der Teichflügel, ebenfalls wie sein Gegenüber nur zwei Stockwerke hoch. Er heißt so, weil er direkt an den nördlich gelegenen Teich grenzt. Ursprünglich war natürlich das gesamte Schloß von Wassergräben umgeben. Die Erbauungszeit ist 1602-1604. Auch dieser dritte und jüngste Flügel hat an den Traufseiten jeweils Zwerchhäuser, zwei zum Innenhof und vier zum Teich hin.

Abb.: Blick auf den Teichflügel und den nördlichen Treppenturm

1668 ging das Rittergut Schwöbber an Otto I. von Münchhausen und seinen Bruder Burchard über. Was wir heute sehen, ist aber 1908 durch Brand infolge eines Blitzschlages zerstört worden und 1920-1922 originalgetreu durch Eduard Meyer wiederhergestellt worden. Eduard Meyer war Besitzer eines Saatgutbetriebs in Friedrichswerth und hatte das Schloß im Jahre 1919 erworben.

Abb.: hofseitiges Zwerchhaus vom Teichflügel

Die beiden Seitenflügel stehen nicht genau parallel, sondern sind leicht trapezoid gespreizt, was den Eindruck des sich zur Landschaft hin öffnenden Hofes unterstreicht. Alle drei Flügel sind ohne eigentliche Wandgliederung, dafür konzentriert sich der Schmuck auf die Zwerchgiebel mit Giebelbekrönungen und Bossenquadern, die zweite gerne genutzte Schmuckzone sind die Flächen und Ränder der insgesamt 6 Hauptgiebel; an den Giebeln finden wir auch horizontale und vertikale Gliederungen.

Park und Garten
Die Anlage des Gartens und Parks geht auf die Zeit um 1700 zurück. Es wurde ein berühmter und bekannter Garten, der sogar 1714 im Kupferstichwerk „Nürnbergische Hesperides“ des Kaufmanns Johann Christoph Volkamer beschrieben und abgebildet wurde. Landdrost Otto II. Freiherr von Münchhausen (1716 - 1774) beschäftigte sich wissenschaftlich mit Obst- und Gartenbau, verfaßte das Lehrbuch „Der Hausvater“ (1764 bis 1773 entstanden 6 Bände) und gilt deswegen als der Begründer der wissenschaftlichen Agrarwirtschaft. Unter ihm erfolgte 1750 die Umwandlung in einen Landschaftsgarten nach englischem Vorbild, dem ersten dieser Art in Deutschland. Er kultivierte eine eigene, überregional bekannte und bedeutende Baumschule für rare Gehölze und Bäume. Auch heute noch können im Park seltene Bäume bewundert werden, darunter Tulpenbaum, Cercidiphyllum japonicum, Gingko-Baum, Silberahorn, Korkulme, Photinia villosa, Tupelobaum, Geschlitztblättrige Buche, Urweltmammutbaum, Ajanfichte, Weißeiche, Sumpfzypresse etc.

Dort, wo sich heute der formale Garten nach Südosten erstreckt, befand sich früher der Wirtschaftshof. Erst 1922 wurde diese Gartenanlage geschaffen. Die Sandsteinfiguren, die dem Garten ein barockes Flair geben, sind Kopien nach Originalen im Stadtschloß von Kassel, desgleichen sind die Puttenensembles Kopien. Hier im Garten herrscht dadurch eine barocke Stimmung, die stilistisch deutlich nach der Entstehung des Schloßgebäudes selbst einzuordnen ist.

Schloßkapelle
Die im Westen des Schlosses befindliche Schloßkapelle wurde erst 1840 errichtet. Der Stil der Ausstattung des außen schlichten Gebäudes ist Neorenaissance. Das Äußere ist schmucklos bis auf ein auf 1840 datiertes Allianzwappen mit besonders üppig gestalteten Helmdecken:

Die Freiherren von Münchhausen
Die von Münchhausen sind eine uradelige Familie aus Niedersachsen, die schon 1183 urkundlich erwähnt wird. Das Stammhaus ist Monckhusen bei Loccum im ehem. Fürstentum Calenberg, und sie gehören zur eingeborenen Calenberg-Göttingen'schen Ritterschaft. Die Herren von Münchhausen waren Erbmarschälle des Fürstentums Minden 1433-1618. Mehreren Linien ist der freiherrliche Titel verliehen worden, anderen die Führung desselben anerkannt worden. Die weiße Linie ist bzw. war zu Hessisch-Oldendorf, Remeringhausen etc. ansässig, die schwarze Linie zu Schwöbber, Leitzkau, Bevern etc. Berühmte und bekannte Familienmitglieder der Freiherren von Münchhausen:

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher (Lippe, Hannover, Braunschweig, Anhalt, Mecklenburg, Thüringen, Preußen etc. )
G. Ulrich Großmann, Renaissance entlang der Weser, Du Mont Buchverlag Köln, 1989, ISBN 3-7701-2226-7
Meiner Mutter Ursula Peter ein herzliches Dankeschön für umfangreiche Vorarbeit
Erholung mit Kunst und Kultur: Die Weserrenaissance 1-3, herausgegeben vom Fremdenverkehrsverband Teutoburger Wald e.V. in Detmold, Bielefeld 1988, ISBN 3-926843-16-0
Hans Joachim Tute, herausgegeben von F. Popken: Schloß Schwöbber: Geschichte und Gegenwart. Hildesheim u. Lamspringe: Quensen, 2005. ISBN 3-922805-89-2
Claus Bieger: Schloß Schwöbber: Aus der Geschichte eines Kulturdenkmals. In: Niedersächsische Denkmalpflege
Ernst Andreas Friedrich: Wenn Steine reden könnten. Band IV, Landbuch-Verlag, Hannover 1998, ISBN 3-7842-0558-5
Schloß Schwöbber:
http://www.schlosshotel-muenchhausen.com/, http://www.schlosshotel-muenchhausen.com/schloss/schloss_cont.htm und http://www.schlosshotel-muenchhausen.com/home/index_fs.htm
Ein herzliches Dankeschön an Herrn
Günter Deigmüller für wertvolle Hinweise

Aerzen (Landkreis Hameln-Pyrmont): Schloß Schwöbber (1) - Schloß Schwöbber (2)

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