Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 789
Rings um Trier: Schweich

Maximiner Amtshaus in Schweich

In Schweich an der Mosel ist das einzige heraldisch interessante Bauwerk das sog. Fährhaus (erinnert an die Fährgerechtigkeit), das ehemalige Amtshaus der Abtei St. Maximin in der Brückenstraße 2. Der barocke Bau hat heute nicht mehr die ursprüngliche Größe. Die 5 Achsen der Straßenseite sind zwar noch korrekt, nicht aber die Längenausdehnung. Einst hatte das Amtshaus 10 Fensterachsen nach hinten, es wurde aber 1945 teilzerstört und verkürzt wieder aufgebaut. Die straßenseitige Gebäudehälfte ist im Außenbau erhalten geblieben.

Am Torbogen ist der schiefergedeckte Mansarddachbau auf 1758 datiert. Der Bau ist zweigeschossig, beide Geschosse sind durch ein Gesims getrennt und haben regelmäßig gereihte stichbogige Fensterrahmen. Der Gebäudeschmuck konzentriert sich auf das straßenseitige, geohrt profilierte Sandsteinportal mit Oberlicht und großartigem Wappen darüber, dessen Kartusche genau auf der Höhe des die Fassade teilenden Gesimses liegt.

Es ist das Wappen des Abtes Willibrord Scheffer (amtierte 1738-1762) von St. Maximin, einer der einst bedeutendsten, mächtigsten und reichsten Abteien Triers, deren Grundherrschaft hier an den Schweicher Bann anstieß. Er wurde als Henri Scheffer am 1.3.1697 geboren, trat am 15.8.1720 in das Benediktinerkloster St. Maximin zu Trier ein, legte am 14.9.1721 seine Gelübde ab und nahm den Namen Pater Willibrord an. Zum Priester wurde er am 23.9.1724 ordiniert, am 21.4.1738 wurde er vom Kapitel zum 79. Abt des Klosters gewählt, am 9.11.1738 wurde er von Lothar von Nalbach inthronisiert. Dieses Amt versah er bis zu seinem Tode am 29.10.1762.

Die Inful kennzeichnet den Wappenträger als kirchlichen Würdenträger, desgleichen der Krummstab. Das Schwert hingegen steht für die weltliche Herrschaft, denn St. Maximin war eine Reichsabtei mit entsprechenden Privilegien. Es muß aber angemerkt werden, daß die Reichsunmittelbarkeit von St. Maximin lange umstritten war und aus naheliegenden Interessenskonflikten von Kurtrier in Frage gestellt wurde. 1669 unterwarfen sich Abt und Konvent endgültig unter Verzicht auf die Reichsunmittelbarkeit der kurtrierischen Landeshoheit. Die Insignien eines Kirchenfürsten blieben. Den doppelköpfigen Adler finden wir in allen Wappen der Reichsabtei wieder, unten finden wir in dem geteilten Schild in Blau ein goldenes, von einem goldenen Stern überhöhtes Kirchengefäß (Pokal) mit Deckel, beseitet von zwei weiteren goldenen Sternen.

Von diesem Abt gibt es in der Umgebung noch weitere Wappen, eines in Kenn (alter Maximiner Besitz) am ehemaligen Maximiner Hof in einer Fassade, sowie an Schloß Grünhaus an einem Türsturz (Privatbesitz).

Liste der Äbte von St. Maximin vom 15. Jh. bis zur Auflösung (hervorgehoben der hier mit Wappen vertretene Abt):

Literatur, Quellen und Links:
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschand, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 12.2, Hrsg. im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur vom Landesamt für Denkmalpflege: Kreis Trier-Saarburg, Verbandsgemeinden Ruwer, Schweich, Trier-Land, bearbeitet von Ewald Wegner, Wernersche Verlagsgesellschaft Worms, 1994, ISBN 3-88462-110-6
Refuge de St. Maximin à Luxembourg: http://www.mae.lu/mae.taf?IdNav=1137 - http://www.mae.lu/fr/Site-MAE/Bienvenue-au-Ministere-des-Affaires-etrangeres/Apercu-historique
http://bwpc08.fh-trier.de:8080/kuDb/servlet/ortObj?aktSchluessel=10166
Friedhelm Jürgensmeier,
die Männer- und Frauenklöster der Benediktiner in Rheinland-Pfalz und Saarland, in Verbindung mit Regina Elisabeth Schwerdtfeger (= Germania Benedictina IX: Rheinland-Pfalz und Saarland, hrsg. von der Bayerischen Benediktinerakademie München in Verbindung mit dem Abt-Herwegen-Institut Maria Laach), St. Ottilien 1999.

Äbte der Abtei St. Maximin in Trier

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