Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 776
Königstein / Taunus

Königstein (Taunus) - Stadtmuseum
Das Gebäude, in dem heute das Stadtmuseum der Stadt Königstein untergebracht ist, ist im Unterbau das massiv gemauerte untere Burgtor der Festung Königstein mit spitzbogigem gotischen Tordurchlaß. Das Fachwerk-Obergeschoß, sich vorderseitig auf das Tor stützend und rückseitig auf Holzpfeilern ruhend, diente den Bürgern ca. zwei Jahrhunderte bis 1909 als Rathaus.

Abb.: Altes Rathaus im Dezember, links von außen, rechts von innen.

Wappentafel Wied-Runkel
Am Treppenaufgang zum Obergeschoß ist eine Wappentafel angebracht, die 1970 auf Burg Königstein gefunden wurde und hier ausgestellt wird. Die Platte wurde bei Ausgrabungsarbeiten auf der Burg gefunden, sie hatte einen Luftschacht auf der Österreichischen Bastion abgedeckt. Die Inschrift ist nur zum Teil lesbar: "GOTT(?)......GENEDIG SEIN ERHALTEN MICH .....SCHENCK MIR HERR DAS EWIG LEBEN". Der Text, wenn auch nur in Teilen erhalten, spricht für eine Gedenkinschrift. Ein Name wird nicht genannt, so daß die Zuordnung noch getroffen werden muß. Thematisch und stilistisch ist die Tafel in die stolbergische Zeit 1535-1581 zu datieren. Die Tafel zeigt das Wappen Wied-Runkel in geviertem Schild:

Zwei Helme zieren das Wappen:

Ein Wappen diesen Types findet sich auch auf Burg Wertheim (siehe dort).

Abb.: Auf Burg Königstein gefundener Wappenstein Wied-Runkel (die Reflexe rechts oben kommen dadurch, daß von der Straße durch die Glasfassade hindurch photographiert wurde).

Wie sind nun die genealogischen Verbindungen zwischen Stolberg und Wied? Zwei Brüder, Söhne von Bodo VIII Graf zu Stolberg (1467 - 1538, Stolberg) und Anna Gräfin v. Eppstein-Königstein-Rochefort (1481/1482 - 1538, Stolberg) ehelichten beide eine Frau aus dem Hause Wied, beides wiederum Schwestern und beide Töchter von Johann III. Graf v. Wied (vor 1485 - 1533) und Elisabeth Gräfin v. Nassau-Dillenburg (1488 - 1559):

Wem die Gedenktafel zuzuordnen ist, ist noch offen. Tatsache ist, daß enge Verbindungen zwischen den Häusern Stolberg und Wied bestanden. Ferner, daß die Wirren des ausgehenden 16. Jh., die Mainzer Inbesitznahme der Burg 1581, die anschließende militärische Nutzung und schließlich die halb mißlungene Sprengung derselben durch französische Truppen dazu führten, daß diese Gedenktafel ein vergessenes Dasein als Abdeckplatte eines Luftschachtes führte, bis man die angeschlagene Schönheit des Reliefs wiederentdeckte.

Genealogische Zusammenhänge:

Eppsteiner Wappen am Torbogen
Im Scheitel des spitzbogigen Tores befindet sich der Wappenschild der Herren von Eppstein: Geviert, Feld 1 und 4: In Silber drei rote Sparren oder fünf sparrenweise Teilungen silber-rot (wie hier zu sehen), Stammwappen Eppstein. Der oberste Sparren ist abgestumpft, so daß der mittlere Sparren höher als üblich reicht. Früher war offensichtlich nicht festgelegt, ob es sich um drei Sparren oder fünf sparrenweise Teilungen handelt, beide Varianten lassen sich auf Siegeln des 13. und 14. Jh. sowie an Gebäuden finden, und im Königsteiner Beispiel ist die Teilungsvariante zu sehen. Feld 2 und 3: Münzenberg, rot-golden geteilt. 1418 kamen die Eppsteiner mit dem Falkensteiner Erbe an Münzenberg. Genauer: Münzenberg fiel 1255 zu 40/48 an Falkenstein und zu 8/48 an Hanau. Der Falkensteiner Teil wurde 1418 zwischen Solms und Eppstein aufgeteilt, jeder erhielt 20/48 der ehemaligen Herrschaft Münzenberg. 1581 wurde der Eppsteiner Teil an Münzenberg wiederum zwischen Mainz und Stolberg aufgeteilt, jeder erhielt 10/48.

Das Wappen der Herren von Eppstein wie hier abgelichtet ist zwar schon ein vermehrtes, aber danach entwickelte es sich noch weiter. Als nächster Schritt kam ein Herzschild Königstein (in Gold ein schwarzer Löwe) hinzu. Dazu sei angemerkt, daß es davor keine Grafen von Königstein gab und daß die früheren Herren von Königstein (Niederadel) ein ganz anderes Wappen führten, offensichtlich ist der Königsteiner Löwe eigens zu dem Zwecke der Wappenverbesserung angenommen worden und zentral im Herzschild platziert worden. Später wurde der Herzschild noch gespalten, vorne der Königsteiner Löwe, hinten Grafschaft Dietz.

1418 kamen die Herren von Eppstein an Königstein (Erbschaft von den Falkensteinern). 1433 hatten sich die Herren von Eppstein in die Linien Eppstein-Münzenberg und Eppstein Königstein aufgespalten. 1505 wurde ihnen der Grafentitel zugestanden. Das Geschlecht der Grafen von Eppstein-Königstein erlosch im Jahre 1535. Die Herren von Eppstein-Münzenberg waren schon 1522 mit Gottfried XII im Mannesstamm ausgestorben. Das Erbe fiel an Stolberg und 1581 an Mainz, andere Teile an Hessen.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
http://www.koenigstein.de/sis/zubesuch/geschichte/index.html
Territorialgeschichte: Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Regina Schäfer: Die Herren von Eppstein. Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 2000, ISBN 3-930221-08-X
Frau Ellengard Jung aus Königstein ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise und Erläuterungen.
Stadtmuseum Königstein:
http://www.museum-koenigstein.de/

Königstein (Taunus): Kurmainzisches Renteigebäude - Burg - altes Rathaus/Stadtmuseum

Das gräfliche und fürstliche Haus Wied und seine Wappen
Das Feld für Münzenberg und seine Verbreitung in deutschen Adelswappen

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