Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 764
Corvey (bei Höxter, Westfalen)

Corvey: Klosterkirche (2)

An der Nordwand der ehemaligen Klosterkirche finden wir eine besonders exquisit gearbeitete, aus Holz geschnitzte, bemalte und vergoldete plastische Darstellung des Wappens des Fürstabtes Florenz von dem Velde (reg. 1696–1714, alternative Schreibweisen des Namens: von Welden, von Velde, von Velden).

Das Wappen ist geviert:

Über dem Wappen stehen drei Helme:

Abb.: Blick auf den Gesamtkontext des besprochenen Wappens. Nordwand der Kirche.

Das Wappen seines Vorgängers begegnet uns an dem Orgelgehäuse: Es gehört zu Christoph von Bellinghausen (Fürstabt 1678–1696):

Das Wappen ist geviert:

Über dem Wappen stehen drei Helme:

Abb.: Blick auf die von besonders hervorzuhebenden vier Tragefiguren gestützten Orgelempore im Westen der ehem. Klosterkirche Corvey. Das beschriebene Wappen befindet sich ganz oben am Orgelgehäuse zwischen den beiden weißen Engeln. Die Orgel wurde 1681 von Andreas Schneider erbaut.

Ein weiteres plastisch geschnitztes Prunkwappen befindet sich am Hochaltar. Es ist das Wappen des Münsteraner Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen, hier in einer Form, wie sie nur nach 1661 geführt worden ist, als er zu seinem Bistum Münster noch Administrator von Corvey wurde.

Aufbau des Wappens des Münsteraner Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen:

Wie man sieht, kommen im Hauptschild alle Elemente doppelt vor. Das liegt an der Vereinigung mehrerer Einzelwappen zu einem Gesamtwappen. Hatte man vier verschiedene Wappen, ergab sich ein Problem: Man konnte einen gevierten Schild nehmen o. ä. Dabei würde der Herzschild aber einen Teil jedes Feldes verdecken. Einen guten Erhalt der einzelnen Teilwappen, aus denen sich das neue Wappen nun zusammensetzte, konnte man aber nur erreichen, indem man 9 Felder schuf und die Einzelwappen doppelt abbildete, sodaß der Herzschild nur das mittlere, unbelegte Feld verdeckt. Ein weiterer Grund für die Verdoppelung mag ein psychologischer sein - hatte das vorherige Wappen sechs Felder mit 3 verdoppelt dargestellten Komponenten, konnte man in dieser repräsentationsbedürftigen Zeit schlecht ein weiteres Element - Corvey - hinzufügen und am Ende weniger Felder als vorher haben. Interessanterweise ist dieser Wappenschild mit 2x 4 Komponenten im Gegensatz zu dem 2x 3 Vorgängerwappen nicht streng punktsymmetrisch aufgebaut.

Zu dem Wappen gehören hier vier Helme:

Stromberg gehörte zu den sog. „vier Burggrafen“ des Heiligen Römischen Reiches (in Quaternionen-Darstellungen). Erstmalige urkundliche Erwähnung der Burggrafen von Stromberg im Jahre 1177. In einer Urkunde des Münsterschen Bischofs Hermann taucht der Burgraf Othalrich und seine Frau Gisla auf. In dieser Urkunde wird, nach dem Tode ihres Sohnes Gottfried I. die Burg Stromberg ihren Enkeln, den Kindern ihrer Tochter Gisla, Hermann I. und Heinrich I. zu Lehen gegeben. Die Burg Stromberg gehörte dem Bischof von Münster und diente zum Schutz der Grenzen des Bistums Münster nach Südosten. Vom Jahr 1177 bis 1463 wurde die Burg Stromberg von den Burggrafen von Stromberg geführt. 1463 starben die Burggrafen von Stromberg im Mannesstamme aus, und die Burg Stromberg fällt dem Stift Münster zu. Das Wappen der Burggrafen von Stromberg kam unter Bischof von Galen ins Wappen der Bischöfe von Münster. Bischof Christoph Bernhard von Galen nahm 1652 Titel und Wappen eines Burggrafen von Stromberg an.

Das Wappen von Borckelo kam ebenfalls unter Bischof von Galen ins Wappen der Bischöfe von Münster, als er diesen Titel annahm. Borckelo oder Borculo war seit dem 12. Jh. im Besitz der Herren von Borculo, wurde 1375 zur Stadt, wurde 1665 und 1672 vom Bischof von Münster erobert und schließlich 1777 von Prinz Wilhelm V. gekauft. Der regierende Fürst aus dem Hause von Oranien trägt seitdem auch den Titel "Herr zu Borculo". Heute Berkelland.

Abb.: Blick auf den Hochaltar der Klosterkirche Corvey. Das beschriebene Wappen befindet sich zwischen den beiden Engeln im Gebälk über dem Altarbild, teilweise verdeckt durch die Lampenkette.

Position der Wappen im Grundriß

Zur Übersicht: Die Fürstäbte und Bischöfe von Corvey (Ausschnitt)
Arnold III von der Malsburg (Fürstabt 1435–1463)
Hermann II von Stockhausen (Fürstabt 1463–1479)
Hermann III von Bömelberg (Fürstabt 1479–1504)
Franz Ketteler (Fürstabt 1504–1547)
Kaspar I von Hörsel (Fürstabt 1547–1555)
Reinhard II von Buchholz (Fürstabt 1555–1585)
Dietrich IV von Beringhausen (Fürstabt 1585–1616)
Heinrich V von Aschenbrock (Fürstabt 1616–1624)
Johann Christoph von Brambach (Fürstabt 1624–1638)
Arnold IV de Valdois (Fürstabt 1638–1661)
Christoph Bernhard von Galen (Fürstabt 1661–1678)
Christoph von Bellinghausen (Fürstabt 1678–1696)
Florenz von dem Velde (Fürstabt 1696–1714)
Maximilian von Horrich (Fürstabt 1714–1721)
Karl von Plittersdorf (Fürstabt 1722–1737)
Kaspar II von Böselager-Hohneburg (Fürstabt 1737–1758)
Philipp von Spiegel zum Desenberg (Fürstabt 1758–1776)
Johann Karl Theodor von Brabeck (Fürstabt, Bischof, reg. 1776–1794)
Ferdinand von Lüninck (Bischof 1794–1802)

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Schloß Corvey
http://www.schloss-corvey.de/ - http://www.schloss-corvey.de/frm_index.php
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, erstellt von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9
Günter Tiggesbäumker, Das Herzogliche Haus Ratibor und Corvey, Börde-Verlag Werl 2004, Deutsche Fürstenhäuser Heft 5, 3. Auflage, ISBN 3-9807740-0-7

Corvey (Westfalen): Klosterkirche (1) - Klosterkirche (2) - Wirtschaftsgebäude - Schloß - Ostportal - Toreinfahrt - Kirchvorplatz

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Veröffentlichung der Photos aus dem Innenraum der Kirche mit freundlicher Genehmigung vom 19.12.2007 von Pfarrdechant Andreas Kurte, katholisches Pfarramt St. Stephanus und Vitus Corvey, Marktstraße 21, 37671 Höxter. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön!

© Copyright Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2008
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