Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 748
Barockstadt Fulda

Fulda: Schloß Fasanerie in Eichenzell - Teil 1

Das Barockschloß Fasanerie in Eichenzell wenige Kilometer südlich von Fulda ist das Lustschloß der Fürstäbte und Fürstbischöfe und ihre Sommerresidenz. Die Lage ist idyllisch inmitten von Wiesen, Feldern und Wäldern abseits des städtischen Geschehens, auf einer leichten Anhöhe, zu erreichen durch einen riesigen Schloßpark von ca. 100 Hektar. Im wesentlichen wurde es unter zwei Herrschern auf dem Fuldaer Stuhl erbaut: Adolf von Dalberg und Amand von Buseck. Nach dem ersten Bauherrn trägt das Schloß auch den Namen Lustschloß Adolphseck. Er ließ schon um 1710 hier ein Landschlößchen errichten, noch klein und zurückhaltend, welches sich heute zwischen den beiden hohen Zwiebeltürmen wiederfinden läßt. Schon 30 Jahre später ließ Amand von Buseck das Schloß beträchtlich erweitern und zu seinen heutigen Dimensionen finden. Der Architekt war Hofbaumeister Andreas Gallasini. Aus einem kleinen Schlößchen wurde eine hochherrschaftliche Anlage mit Wachhäuschen, Kavaliershäusern, doppelten Gittersperren und angrenzenden Wirtschaftsgebäude, eine Anlage, die den internationalen Vergleich mit zeitgenössischen barocken Residenzen nicht scheuen muß. Der Schloßerweiterung ging noch vor 1738 die Anlage eines einfachen Jagdparks voraus, der später zu einem bedeutenden Barockgarten ausgestaltet wurde.

Im Gegensatz zu dem Fuldaer Stadtschloß ist dieses Schloß viel schöner und harmonischer, weil es zum einen niedriger ist und eine dynamischere Höhengestaltung hat, und weil es zum andern in weitläufige Höfe und pavillonartige Einzelelemente aufgelöst ist und bei weitem nicht so wuchtig wirkt wie das Stadtschloß, sondern idyllischer, lieblicher, sich in die Landschaft einpassend und mit seinen ausgreifenden Pavillons mit ihr verwoben. Schloß und Landschaft zeigen ein gelungenes Zusammenspiel. Die Landschaft ist quasi von architektonischer Gestaltung durchdrungen. Wenn man sich von der Parkseite her nähert, passiert man zuerst zwei vorgeschobene einstöckige Wach-Pavillons mit Arkaden in relativ enger Stellung zueinander, durch die man aber schon bis auf den Mittelrisalit in der Hauptachse blickt. Danach weitet sich ein Vorplatz, durch den die Achse der seitlichen Zufahrten verläuft. Hinter einem weiteren Gitter, wie das erste zwischen vier steinernen Pfeilern aufgespannt, gelangt man in den Ehrenhof, der von drei Gebäudeflügeln umgeben ist. Diese bestehen aus fünf aus dem Zusammenhang herausragenden Pavillons mit Mansarddach, die sich deutlich über die niedrigeren Zwischentrakte erheben, die nur als verbindendes Element wahrgenommen werden. Diese aus dem baulichen Zusammenhang ragenden Pavillons sind das bestimmende Element der lockeren Architektur des Schlosses. Die Eckpavillons am Ende der Längsflügel sind dreistöckig, dagegen ist im Mittelrisalit ein Saal, der den gesamten Oberteil in Höhe zweier Stockwerke einnimmt. Zu beiden Seiten des dreiflügelig umgebenen Ehrenhofes befinden sich noch zwei niedrigere Pavillons. Durchschreitet man die Durchfahrt im Mittelrisalit des Hauptgebäudes, gelangt man in einen allseitig geschlossenen Hof, dessen Seitenflügel ganz analog zu den Ehrenhofflügeln wiederum einen Pavillon besitzen, der über die niedrigeren Verbindungstrakte hinausragt, nur hört die Bebauung nicht mit diesen auf, sondern setzt sich fort und knickt ab, um den Hof auch hinten zu schließen. Durchschreitet man in der Hauptachse auch den Torweg durch diesen zweiten Quertrakt, gelangt man in einen dritten Hof, wie der zweite rundum bebaut, aber schmaler und länger im Grundriß, auch besteht die Bebauung nicht aus herrschaftlichen Repräsentationsbauten, sondern aus Wirtschaftsbauten, Scheunen, Pferde-Ställen, und in der Hofmitte, nach Westen verschoben, befindet sich eine kreisrunde, große Pferdeschwemme mit geneigtem Boden. Durchschreitet man den dritten und letzten Querbau, öffnet sich der Bau wieder in einen dreiflügelig bebauten letzten Hof, ebenfalls mit Wirtschaftsgebäuden umstanden, diesmal der klaren Symmetrie des baulichen Konzeptes nicht mehr streng folgend.

Im runden Segmentbogengiebel über zwei Pilasterpaaren des Mittelrisalites des den Ehrenhof abschließenden Mitteltraktes befindet sich das Wappen des zweiten Bauherrn, der Schloß Fasanerie beträchtlich erweitern und ausbauen ließ, das von Amand von Buseck.

Das Wappen des Fürstabtes und Fürstbischofs Amand von Buseck ist geviert:

Hier blicken wir auf den Giebel des zweiten Querbaues, der den zweiten Hof abschließt und Duchgang zum langgestreckten Wirtschaftshof gewährt. Zwischen zwei den verkröpften Segmentbogengiebel tragenden Pilasterpaaren befindet sich das Wappen von Amand von Buseck.

Das Wappen des Fürstabtes und Fürstbischofs Amand von Buseck ist geviert:

Übersicht: Die Äbte und Fürstäbte von Fulda
Philipp Georg Schenk zu Schweinsberg (1567–1568), Fürstabt
Wilhelm Hartmann von Klauer zu Wohra (1568–1570), Fürstabt
Balthasar von Dernbach (genannt Grauel) (1570–1576 und 1602–1606), Fürstabt
Johann Friedrich von Schwalbach (1606–1622), Fürstabt
Johann Bernhard Schenk zu Schweinsberg (1623–1632), Fürstabt
Johann Adolf von Hoheneck (1633–1635), Fürstabt
Hermann Georg von Neuhof (genannt Ley) (1635–1644), Fürstabt
Joachim Graf von Gravenegg (1644–1671), Fürstabt
Kardinal Bernhard Gustav Markgraf von Baden-Durlach (1671–1677), Fürstabt
Placidus von Droste (1678–1700), Fürstabt
Adalbert I. von Schleifras (1700–1714), Fürstabt
Konstantin von Buttlar (1714–1726), Fürstabt
Adolf von Dalberg (1726–1737), Fürstabt
Amand von Buseck, (1737–1756), Fürstabt 1737-1752, Fürstbischof ab 1752
, am 5.10.1752 wurde die Fürstabtei durch Papst Benedikt XIV. in den Rang eines Bistums erhoben.
Adalbert II. von Walderdorff (1757–1759), Fürstbischof 
Heinrich VIII. von Bibra, (1759–1788), Fürstbischof 
Adalbert III. von Harstall, (1789–1814), Fürstbischof bis 1802, danach Bischof. Im Jahre 1803 wurde mit dem Reichsdeputationshauptschluß das geistliche Fürstentum mit seinen Klöstern aufgelöst.

Literatur:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer.
Kulturamt der Stadt Fulda: http://www.museum-fulda.de
http://www.tourismus-fulda.de/, www.fulda.de, http://www.tourismus-fulda.de/sehenswertes/sehenswuerdigkeiten/index.php
Michael Imhof, Fulda - Ein Führer durch die Barockstadt, Michael Imhof Verlag, 3. Auflage 2006, ISBN 3-935590-03-2 und 978-3-935590-03-7
http://www.schloss-fasanerie.de/, http://www.schloss-fasanerie.de/schloss/index.php

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