Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 741
Barockstadt Fulda

Fulda: Dom, Hauptportal

Auch wenn sich der Dom von Fulda heute als Meisterwerk des Barocks präsentiert, sind seine Wurzeln uralt. Die erste Kirche und das zugehörige Kloster wurde schon 744 von Abt Sturmius im Auftrag des Hl. Bonifatius erbaut. Als Bonifatius 754 ermordet wurde, fand er hier seine letzte Ruhestätte, und das Heiligengrab wurde zum Zentrum der Verehrung und Quell des Wohlstandes durch Wallfahrten. Eine neue Kirche wurde über dem Bonifatiusgrab errichtet, die sog. Ratgerbasilika. Es war eine doppelchörige basilikale Anlage von für die Zeit beachtlichen Ausmaßen. Der Bau wurde 791 unter Abt Baugulf durch den Mönch und Baumeister Ratger begonnen und 819 vollendet und lehnte sich architektonisch an das Vorbild über dem Petrusgrab in Rom an, kein geringer Anspruch, diesen Vergleich mit Alt-St. Peter zu suchen. Ratger wurde daraufhin selbst Abt. Lange Zeit war es die größte Kirche diesseits der Alpen, größer als die zeitgenössischen Dombauten in Köln und Mainz. Im Jahre 819 wurden die Gebeine des Bonifatius in den Westchor überführt. Im Westen war das zugehörige Kloster angebaut, und im Osten erhielt die Kirche in karolingischer Zeit (Vergrößerung 970) ein großzügig bemessenes Atrium bzw. Paradies, so daß die Anlage auf eine West-Ost-Ausdehnung von insgesamt 219 m kam. Von diesem karolingischen Bau ist noch viel im Grundriß wiederzuerkennen, so sind die Türme eine Ummantelung der alten Türme, auch die gerade Durchführung der Seitenschiffe über die Vierung hinaus entstammt dem alten Baukonzept aus karolingischer Zeit, auch die breiten Anbauten der Sakristei und der Marienkapelle im Westen haben ihre Wurzeln im alten Grundriß (die alte Ostwand des westlichen Querschiffes von 77 m Breite ist im heutigen Bau erhalten), und natürlich auch die ungewöhnliche Westausrichtung, die übrigens auch das Vorbild Alt-St. Peter in Rom hatte. Von dem alten Atrium (ebenfalls genau wie bei St. Peter) ist dagegen nichts mehr vorhanden, dort erstreckt sich heute der weitläufige Domplatz.

Die Äbte von Fulda hatten eine Sonderstellung im Reich inne:

Im Laufe des Mittelalters verblaßte dieser Glanz Fuldas immer mehr, an bauliche Erneuerung dachte man nicht. Reparaturen wurden natürlich ausgeführt, so z. B. 1123-57 der Neubau der Ostkrypta, der Ostapsis und der beiden Türme, als der südliche Turm 1120 einstürzte und Teile der Ostkrypta zerstörte. Kriege, Notzeiten, innerer Verfall, schließlich die Reformation führten zu einem kontinuierlichen Niedergang des Klosters. Im 15. Jh. wurde die alte Kirche eingewölbt. So blieb es aber bis ins Jahr 1700. Teilweise war die Kirche da aber schon sehr baufällig geworden, die Seitenschiffarkaden wurden im 17. Jh. wegen Einsturzgefahr vermauert. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg kam es zu einem gewaltigen, alles und alle mitreißenden Aufschwung. Insbesondere im Barock unter Fürstabt Adalbert I. von Schleifras (1700–1714) kam es zu einer gigantischen Entfaltung der Bautätigkeit, die die ganze Stadt erfaßte und umgestaltete. Kaum im Amt, schloß Adalbert I. von Schleifras schon am 4.9.1700 einen Vertrag mit Dientzenhofer, dem Architekten aus Bamberg. Jener brachte von einer Studienreise nach Rom gerade die neuesten Eindrücke aus der ewigen Stadt mit, und das Ergebnis zeigt auch deutliche Anlehnungen an die römische Variante des Barocks, der anders als der typisch überschwängliche süddeutsche Barock mehr von klaren Gliederungen und ruhigeren Kompositionen lebt. Die alte karolingische Basilika wurde bis auf wenige weiterverwendbare Teile niedergerissen. Der Architekt Johann Dientzenhofer hatte zwar ein alternatives Konzept erstellt, um den alten Bau instand zu setzen, aber die Lust auf Neues war so stark, daß man sich für tabula rasa entschied und neu baute. Die neue Kirche ist ein Meisterwerk des Fuldaer Barocks geworden. Zur Bauzeit war Fulda übrigens noch nicht Bistum, somit war die neue Kirche "nur" Klosterkirche und wurde erst 1752 in den Rang eines Domes erhoben. Im Jahre 1704 wurde der Bauvertrag abgeschlossen, und bereits am 14.8.1712 konnte die neue Stiftskirche geweiht werden. Es war der größte barocke Kirchenneubau nördlich der Donau geworden. Die Innenausstattung wurde 1720 abgeschlossen.

1711 kehrte Dientzenhofer (geb. 1663) als Hofbaumeister nach Bamberg zurück, wo er 1726 starb. Weitere Werke dieses Architekten sind die Klosterkirche Banz, das Schloß Kleinheubach, das Schloß Bieberstein (Rhön), das Schloß Weißenstein in Pommersfelden, der Palast Concordia in Bamberg und Schloß Reichmannsdorf nördlich von Bamberg. Er wr auch an Umbauarbeiten an der Bamberger St.-Michaels-Kirche und unter Balthasar Neumann an der Würzburger Residenz beteiligt. Und in Fulda gestaltete er als fürstäbtlicher Stiftsbaumeister das Stadtschloß für den gleichen Auftraggeber um.

Blick auf die Domfassade von Osten: Die enge Stellung der Türme resultiert aus der Verwendung der alten karolingischen Türme. Die Breite wird durch die angebauten seitlichen Kapellen mit separater Kuppel erreicht. Sie Seitenbauten geben dem Gesamtkonzept wieder Ausgewogenheit und Harmonie und erzeugen ein optisches Gegengewicht zu den westlichen Anbauten. Die Fassade ist von einer klaren und ruhigen Gliederung durch vertikale und horizontale Elemente. Der risalitartig geformte Mittelteil besitzt vier vertikale Linien in Form von Säulen sowohl im unteren als auch im oberen Teil, die sich nach oben in Blumenvasen auf dem Giebel optisch fortsetzen. Im unteren Bereich haben die Säulen toskanische Kapitelle, im oberen Bereich Kompositkapitelle. Die Türme sind im ganzen unteren Bereich viereckig im Querschnitt, werden ganz oben aber achteckig, um dann in zwei eleganten Helmen mit Laterne auszulaufen. Die Fassade wird zudem von zwei Dreieckskompositionen beherrscht: Das eine gleichschenklige Dreieck wird aufgespannt vom Giebel des Mittelteils, die Bezugslinien setzen sich in der Kuppelspitze der Seitenbauten und in den Obeliskenspitzen (außerhalb des Bildes) fort. Ein zweites Dreieck wird von den zwar wenigen, aber wirkungsvoll eingesetzten Statuen aufgespannt: Im unteren Teil in den Turmnischen befinden sich zwei Figuren (links Bonifatius, rechts Gründungs-Abt Sturmius), im Obergeschoß rechts und links des zentralen Fensters weitere zwei (Simplicius und Faustinus, die beiden als Ritter dargestellten Märtyrer), diesmal enger gestellt, und die Spitze des Dreiecks bildet auf dem Mittelgiebel die Statue des Weltenerlösers (denn der Dom ist eine Salvatorkirche). Der Aufbau der Fassade hat Vorbilder im römischen Barock, vgl. S. Andrea della Valle. daneben hat die Fassade böhmische Einflüsse, denn neben Rom war Prag bestimmend in der Stilfindung Dientzenhofers. Der Bruder des Architekten, Christoph Dientzenhofer, und dessen Sohn Kilian Ignaz Dientzenhofer waren zudem die führenden Barockarchitekten in Böhmen.

Über dem Hauptportal befindet sich das Prunkwappen des Bauherrn. Es wurde vom Bildhauer Balthasar Esterbauer (geb. 1672, gest. 1728) gefertigt, der eine bedeutende Bildhauerwerkstatt in Würzburg hatte und der, geprägt durch Studienaufenthalte in Italien, maßgeblich an der Einführung italienischer Stilelemente in der barocken Bauplastik beteiligt war. Zwei auf dem gesprengten Bogen lagernde Engel dienen als Schildhalter. Weitere Werke Esterbauers sind der Langhausaltar im Würzburger Dom (heute in der Pfarrkirche Kleinochsenfurt), der Hochaltar der Pfarrkirche in Randersacker, der Hochaltar der Kirche in Gereuth sowie der Hochaltar in Großkomburg.

Das Wappen des Fuldaer Fürstabtes Adalbert I. von Schleifras (1700–1714) ist geviert und wäre wie folgt tingiert:

Das Oberwappen hat drei Helme, hinter dem Schild Schwert (heraldisch links) und Abts-Pedum (heraldisch rechts):

Ansichten des Domes zu Fulda vom angrenzenden Garten, links die Osttürme, rechts die Vierungskuppel, 55 m hoch. Gerade diese Betonung der Vierung und die gewaltige Kuppel hat Vorbilder im römischen Barock. Für die Fuldaer Planung beschaffte man sich eigens ein Modell der Kuppel von Neu-St. Peter in Rom.

Übersicht: Die Äbte und Fürstäbte von Fulda
Philipp Georg Schenk zu Schweinsberg (1567–1568), Fürstabt
Wilhelm Hartmann von Klauer zu Wohra (1568–1570), Fürstabt
Balthasar von Dernbach (genannt Grauel) (1570–1576 und 1602–1606), Fürstabt
Johann Friedrich von Schwalbach (1606–1622), Fürstabt
Johann Bernhard Schenk zu Schweinsberg (1623–1632), Fürstabt
Johann Adolf von Hoheneck (1633–1635), Fürstabt
Hermann Georg von Neuhof (genannt Ley) (1635–1644), Fürstabt
Joachim Graf von Gravenegg (1644–1671), Fürstabt
Kardinal Bernhard Gustav Markgraf von Baden-Durlach (1671–1677), Fürstabt
Placidus von Droste (1678–1700), Fürstabt
Adalbert I. von Schleifras (1700–1714), Fürstabt
Konstantin von Buttlar (1714–1726), Fürstabt
Adolf von Dalberg (1726–1737), Fürstabt
Amand von Buseck, (1737–1756), Fürstabt 1737-1752, Fürstbischof ab 1752, am 5.10.1752 wurde die Fürstabtei durch Papst Benedikt XIV. in den Rang eines Bistums erhoben.
Adalbert II. von Walderdorff (1757–1759), Fürstbischof 
Heinrich VIII. von Bibra, (1759–1788), Fürstbischof 
Adalbert III. von Harstall, (1789–1814), Fürstbischof bis 1802, danach Bischof. Im Jahre 1803 wurde mit dem Reichsdeputationshauptschluß das geistliche Fürstentum mit seinen Klöstern aufgelöst.

Literatur:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer.
Kulturamt der Stadt Fulda: http://www.museum-fulda.de
http://www.tourismus-fulda.de/, www.fulda.de, http://www.tourismus-fulda.de/sehenswertes/sehenswuerdigkeiten/index.php
Michael Imhof, Fulda - Ein Führer durch die Barockstadt, Michael Imhof Verlag, 3. Auflage 2006, ISBN 3-935590-03-2 und 978-3-935590-03-7
Erwin Sturm, Die Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Fulda, Fulda 1984
Anton Schmitt, Thomas Schmitt, Der Dom zu Fulda, Verlag Parzeller Fulda, 26. Auflage 2005, ISBN 3-7900-0247-X

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