Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 730
Barockstadt Fulda

Fulda: Stadtschloß, südwestlicher Ehrenhof (1)

Das Erscheinungsbild des Fuldaer Stadtschlosses, ehemalige Prunkresidenz der Fuldaer Fürstäbte und Fürstbischöfe, ist zwar weitestgehend barock, doch der Kern ist wesentlich älter. Unter dem Fürstabt Heinrich von Weilnau (1288-1313) wurde die Abtswohnung von der Burg südlich der Klosterkirche in die nördliche Ecke der Stadtbefestigung verlegt, also außerhalb des Klosterbereiches und eine neue Burg gebaut. Dies ist die Keimzelle des heutigen Stadtschlosses, zu datieren vor 1312. Das einzig sichtbare Detail, welches noch an die alte Abtsburg erinnert, ist der Turm in der Mitte der nordwestlichen Längsseite, dessen untere Geschosse die ältesten Teile der Residenz sind und eigentlich zur Stadtbefestigung gehörten, die beim Neubau der Burg in diese integriert wurden.

Die nächste größere Bauphase fand in der Renaissance statt, als die alte Abtsburg in den Jahren 1607-1612 unter Fürstabt Johann Friedrich von Schwalbach (1606-1622) in ein Schloß um- und ausgebaut wurde. Die oberen, achteckigen Geschosse des Turmes stammen aus dieser Umbauphase; ursprünglich war der Turm mit einer geschweiften Haube gedeckt.

Im Barock wurden dann im wesentlichen die Teile erbaut, die das heutige Gesicht des Stadtschlosses prägen: 1681-1685 wurde die Anlage um einen nordwestlichen Vorhofflügel erweitert, das war unter Fürstabt Placidus von Droste (1678-1700). Die größte Bauphase fand jedoch 1706-1714 unter Fürstabt Adalbert von Schleifras (1700-1714) statt, der als ausführenden Architekten Johann Dientzenhofer beauftragte, der auch den barocken Dom erbaut hat. Der Marstall, der den nordöstlichen Abschluß des zentralen Vierflügelhofes bildet, wurde 1706-1708 erbaut. 1708-1711 wurden die südlichen Schloßflügel neu errichtet, und der große Saal wurde gebaut. Mittel- und Nordtrakt wurden 1711-1714 umgebaut, um sie dem Vorhandenen und dem neuen Zeitgeschmack anzugleichen. Aus dieser Zeit (1712) stammen auch die mythologischen Fresken des Malers Melchior Steidl aus Tirol. Aus dem letzten Jahr der Regierung von Adalbert von Schleifras (1700-1714) stammt das Treppenhaus im dreigeschossigen Hauptflügel, eine gewaltige dreiläufige Stiege um ein offenes Treppenauge.

Unter seinem Nachfolger, Fürstabt Konstantin von Buttlar, wurde der nordwestliche Flügel des Ehrenhofes fertiggestellt, wovon dort die drei abweichenden Wappen über den Portalen künden, zwei auf der Seite des Ehrenhofes, eines auf der Parkseite.

Insgesamt zeigt die gewaltige und kostspielige Anlage, daß aus den ehemaligen Äbten eines Klosters inzwischen mächtige Landesfürsten geworden waren, die Territorialherren waren und hinsichtlich Repräsentation mit Gleichgestellten mitziehen wollten und konnten.

So entstand ein komplexes, langgezogenes Gebilde um mehrere Höfe gruppierter Trakte, das sich am Rand der Altstadt von Nordosten nach Südwesten erstreckt. Zum Dom hin öffnet sich die Anlage in einem großen Ehrenhof, dessen Seitenflügel zweigeschossig sind und sich zum dreigeschossigen Haupttrakt hin steigern, nach Nordosten folgt der rundum bebaute zentrale Hof, der in der Mitte einen Bruch in der Art der Bebauung hat, denn seine südwestliche Seite ist dreiseitig dreigeschossig bebaut, weil sich hier der Kernbau des Schlosses befindet, während der angrenzende ebenfalls dreiseitige Bereich nur zweigeschossig ist. Somit ist in der Mitte des länglichen Hofes ein Sprung, sowohl in der Dachlinie als auch in der Grundrißlinie, weil die Nebengebäude zurückspringen. Hieran grenzt nach Nordosten ein weiterer, dreiseitig bebauter Hof an, der sich zum Park hin öffnet und dessen Querriegel vom Schloßtheater gebildet wird, woran sich entlang der Schloßstraße noch weitere Gebäudetrakte anschließen.

Die Abtswohnung im ersten Obergeschoß des stadtseitigen Ehrenhofflügels wurde 1732-1734 ausgestattet und eingerichtet. 1758 erfolgten einige Veränderungen im Innern, aus diesem Jahr stammt z. B. das zierliche Spiegelkabinett. In den Jahren 1817-1831 wurden die Innenräume des barocken Schlosses unter Konrad Bromeis aus Kassel dem neuen Zeitgeschmack entsprechend umgestaltet. 1894 wurde das Stadtschloß von der Stadt Fulda käuflich erworben, die es seitdem als Rathaus und Stadtverwaltung nutzt.

Auf dieser Seite soll der parkseitige Flügel des Ehrenhofes vorgestellt werden. Zum Ehrenhof hin haben die beiden ihn einrahmenden Flügel symmetrisch je zwei doppelläufige Freitreppen mit einem in das erste Obergeschoß führenden Portal, über dem sich jeweils ein Wappen befindet. Beide Wappen auf der für den Ankommenden linken Seite sind die des Fürstabtes Konstantin von Buttlar (1714–1726) und wie folgt geviert:

Über dem Wappen stehen drei Helme:

Hinter dem Schild stecken links das Schwert und rechts der Krummstab.

Ehrenhof, Parkflügel, Detailaufnahme des ersten Wappens

Ehrenhof, Parkflügel, Detailaufnahme des wappengeschmückten Türsturzes mit komplex gestaltetem Giebel (zweites Portal)

Ehrenhof, Parkflügel, Detailaufnahme des zweiten Wappens

Ehrenhof, Parkflügel, Detailaufnahme des ersten Wappens von der Seite

Position der beschriebenen Wappen am Stadtschloß Fulda

Übersicht: Die Äbte und Fürstäbte von Fulda
Philipp Georg Schenk zu Schweinsberg (1567–1568), Fürstabt
Wilhelm Hartmann von Klauer zu Wohra (1568–1570), Fürstabt
Balthasar von Dernbach (genannt Grauel) (1570–1576 und 1602–1606), Fürstabt
Johann Friedrich von Schwalbach (1606–1622), Fürstabt
Johann Bernhard Schenk zu Schweinsberg (1623–1632), Fürstabt
Johann Adolf von Hoheneck (1633–1635), Fürstabt
Hermann Georg von Neuhof (genannt Ley) (1635–1644), Fürstabt
Joachim Graf von Gravenegg (1644–1671), Fürstabt
Kardinal Bernhard Gustav Markgraf von Baden-Durlach (1671–1677), Fürstabt
Placidus von Droste (1678–1700), Fürstabt
Adalbert I. von Schleifras (1700–1714), Fürstabt
Konstantin von Buttlar (1714–1726), Fürstabt
Adolf von Dalberg (1726–1737), Fürstabt
Amand von Buseck, (1737–1756), Fürstabt 1737-1752, Fürstbischof ab 1752, am 5.10.1752 wurde die Fürstabtei durch Papst Benedikt XIV. in den Rang eines Bistums erhoben.
Adalbert II. von Walderdorff (1757–1759), Fürstbischof 
Heinrich VIII. von Bibra, (1759–1788), Fürstbischof 
Adalbert III. von Harstall, (1789–1814), Fürstbischof bis 1802, danach Bischof. Im Jahre 1803 wurde mit dem Reichsdeputationshauptschluß das geistliche Fürstentum mit seinen Klöstern aufgelöst.

Literatur:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer.
Kulturamt der Stadt Fulda: http://www.museum-fulda.de
http://www.tourismus-fulda.de/, www.fulda.de, http://www.tourismus-fulda.de/sehenswertes/sehenswuerdigkeiten/index.php
Michael Imhof, Fulda - Ein Führer durch die Barockstadt, Michael Imhof Verlag, 3. Auflage 2006, ISBN 3-935590-03-2 und 978-3-935590-03-7

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