Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 726
Barockstadt Fulda

Fulda: Schloßgarten, Orangerie

Die Orangerie bildet den nördlichen Abschluß des Schloßgartens. 1719-1738, also im wesentlichen unter Fürstabt Konstantin von Buttlar und dessen Nachfolger Adolf von Dalberg, wurden die barocken Gartenanlagen nach einem Entwurf von Maximilian von Welsch (kurmainzischer Baudirektor) geplant und ausgeführt. Unter Fürstabt Konstantin von Buttlar entstand die Orangerie 1721 - 1724, ebenfalls nach Plänen von Maximilian von Welsch, entworfen um 1719/20. Die örtliche Bauleitung hatte Andreas Gallasini inne, seit 1720 fürstäbtlicher Bauinspektor. Die Fertigstellung des Außenbaues gelang noch zu Lebzeiten von Konstantin von Buttlar, denn sein Wappen ist im Giebel. Innendrin wurde die Orangerie aber erst 1737 fertig. Im Innern der Orangerie sind hervorzuheben der Weiße Saal mit Ornamenten von 1734 und das Deckenfresko von 1730, das in der Mitte des Spiegelgewölbes den Sonnengott Apoll mit seinem Sonnenwagen zeigt (Apollosaal). Die Orangerie ist eine der großartigsten Schöpfungen des deutschen Barocks, neben der das Stadtschloß blaß aussieht. Wesentlich kleiner als dieses und dennoch wesentlich wirkungsvoller, zeigt die Orangerie, zu welch theatralischen Effekten barocke Architektur in der Lage ist.

Das Wappen im Dreiecksgiebel ist das des Fürstabtes Konstantin von Buttlar (1714–1726) und ist geviert:

Auf Helme und Helmkleinode wird verzichtet. Auf der barocken Kartusche ruht der Fürstenhut. Hinter dem Schild stecken rechts das Schwert und links der Krummstab. Zwei hingekauerte weibliche Engelsfiguren mit Blasinstrumenten im Arm fungieren als Schildhalter.

Die Funktion der Orangerie war eine doppelte. Zum einen war sie, wie der Name schon besagt, im Winter Aufbewahrungsort für kälteempfindliche Zitrusgewächse, die als Kübelpflanzen beliebte Elemente barocker Gärten waren. Daneben wurde die Orangerie als Ort und Kulisse für Sommerfeste der Fürstäbte genutzt. Heute wird der Bau vom benachbarten Hotel Maritim für Veranstaltungen genutzt. Man achte auf den besonderen vergoldeten Dachschmuck der Orangerie, der ohne Vergleich ist und an Pinienzapfen oder an Ananasfrüchte erinnert, in den zeitgenössischen Baurechnungen jedoch als „Artischocke“ gelistet wird.

Das Gelände ist geschickt in ein theatralisch gestuftes Gesamtkonzept integriert: Vor der parkseitigen Längsseite des Schlosses befindet sich ein erhöhtes Parterre, dann gelangt man über eine Treppenanlage in den tiefer gelegenen Park, um auf der anderen Seite an der Floravase vorbei wieder auf das Niveau der Orangerie hinaufzusteigen. So wird der Park zu einer Art „Gartengraben“ zwischen den beiden baulichen Pendants, und von beiden Terrassen kann man die verbindenden geometrischen Achsen und das geometrische Konzept des barocken Gartens gut wahrnehmen. Die zur Orangerie hinaufführende Treppenanlage ist ebenfalls eine Besonderheit, weil sie mit konvexen und konkaven Stufen rings um das Rondell mit der Floravase einen einzigartigen Effekt erzielt, der die solchermaßen betone Skulptur zum optischen Mittelpunkt einer Zwischenebene macht und zugleich zum Nadelöhr auf dem Weg hinauf zur Ebene der Orangerie.

Blick vom Schloß auf die Orangerie. Treppenanlagen, Neptunsbrunnen, Große Fontäne und Floravase ergeben eine optische Achse, begleitet von den Nebenachsen der Rabatten, Wege und pyramidenförmig geschnittenen Bäume, und von der erhöhten Terrasse kann man die Wirkung der Zentralperspektive im Vordergrund und den bühnenartigen Aufbau des gestaffelten Hintergrundes genießen: Eine wahrhaft barocke Inszenierung des Gartenraumes. Das Pendant im Stadtschloß ist die Sala terrena, die 1727-30 zum Kaisersaal umgestaltet wurde, und von der aus die Achse beginnt. Hinter der Orangerie, die eigentlich nur ein schmaler Querriegel als Abschluß des Gartens ist, schließt sich ein 1898-1900 erbauter Stadtsaal an, der aber zum Glück durch die Verwendung gleicher Bauformen unauffällig ist.

Position des beschriebenen Wappens an der Orangerie

Übersicht: Die Äbte und Fürstäbte von Fulda
Philipp Georg Schenk zu Schweinsberg (1567–1568), Fürstabt
Wilhelm Hartmann von Klauer zu Wohra (1568–1570), Fürstabt
Balthasar von Dernbach (genannt Grauel) (1570–1576 und 1602–1606), Fürstabt
Johann Friedrich von Schwalbach (1606–1622), Fürstabt
Johann Bernhard Schenk zu Schweinsberg (1623–1632), Fürstabt
Johann Adolf von Hoheneck (1633–1635), Fürstabt
Hermann Georg von Neuhof (genannt Ley) (1635–1644), Fürstabt
Joachim Graf von Gravenegg (1644–1671), Fürstabt
Kardinal Bernhard Gustav Markgraf von Baden-Durlach (1671–1677), Fürstabt
Placidus von Droste (1678–1700), Fürstabt
Adalbert I. von Schleifras (1700–1714), Fürstabt
Konstantin von Buttlar (1714–1726), Fürstabt
Adolf von Dalberg (1726–1737), Fürstabt
Amand von Buseck, (1737–1756), Fürstabt 1737-1752, Fürstbischof ab 1752, am 5.10.1752 wurde die Fürstabtei durch Papst Benedikt XIV. in den Rang eines Bistums erhoben.
Adalbert II. von Walderdorff (1757–1759), Fürstbischof 
Heinrich VIII. von Bibra, (1759–1788), Fürstbischof 
Adalbert III. von Harstall, (1789–1814), Fürstbischof bis 1802, danach Bischof. Im Jahre 1803 wurde mit dem Reichsdeputationshauptschluß das geistliche Fürstentum mit seinen Klöstern aufgelöst.

Literatur:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer.
Kulturamt der Stadt Fulda: http://www.museum-fulda.de
http://www.tourismus-fulda.de/, www.fulda.de, http://www.tourismus-fulda.de/sehenswertes/sehenswuerdigkeiten/index.php
Michael Imhof, Fulda - Ein Führer durch die Barockstadt, Michael Imhof Verlag, 3. Auflage 2006, ISBN 3-935590-03-2 und 978-3-935590-03-7

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