Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 724
Barockstadt Fulda

Fulda - Stadtschloß: Historischer Fürstensaal

Der historische Fürstensaal im zweiten Obergeschoß des zentralen Querbaues des Stadtschlosses ist reich mit Heraldik ausgestattet. Zum einen wäre zu nennen die komplette Portraitgalerie der Fuldaer Fürstäbte und Fürstbischöfe, die die Wände ziert und auf deren Bilderrahmen die Wappen und 4er Ahnenproben abgebildet sind. Nach diesen trägt der Raum auch den Namen "Fürstensaal". Besonders springt an der Stirnseite über einem großen Spiegel das hervorragend restaurierte Wappen desjenigen Fürstabtes ins Auge, der dem Stadtschloß sein heutiges Gesicht verlieh: Fürstabt Adalbert I. von Schleifras (1700–1714).

Das Wappen des Fuldaer Fürstabtes Adalbert I. von Schleifras (1700–1714) ist geviert und wie folgt tingiert:

Das Oberwappen hat drei Helme, hinter dem Schild Schwert (heraldisch links) und Abts-Pedum (heraldisch rechts):

Der Adler ist der Reichsadler (Reichsunmittelbarkeit), der grüne Lilienstock steht für das Fuldaer Domkapitel und symbolisiert mit seinen drei silbernen Blüten die drei Märtyrer und Schutzpatrone der Stadt Fulda (Simplicius, Faustinus und Beatrix). Bonifatius brachte einst Reliquien dieser drei Heiligen nach Fulda. Der rote Hintergrund steht für den Märtyrertod, den die drei Schutzpatrone gestorben sind.

Rechts und links des Spiegels halten zwei Putten zwei kleinere ovale Wappenschilde, Abb. links gespalten, vorne in Gold ein halber schwarzer Adler am Spalt (Reichsunmittelbarkeit) und hinten in Rot aus einem grünen Dreiberg wachsend ein grüner Lilienstock mit drei silbernen Blüten (Domkapitel), Abb. rechts ein Wappen, das identisch mit dem heutigen Wappen der Stadt Fulda ist, gespalten, vorn in Silber ein schwarzes, durchgehendes Kreuz (Hochstift), hinten in Rot aus grünem Dreiberg wachsend ein grüner Lilienstock mit drei silbernen Blüten (Domkapitel, Bedeutung siehe oben).

Der Fürstensaal hat noch die ursprüngliche Stuckdecke mit mythologischen Malereien (Götter der klassischen Mythologie) des Tiroler Freskomalers Melchior Steidl von 1712. Das Deckengemälde verherrlicht ebenfalls den Fürstabt Adalbert I. von Schleifras (1700–1714), denn beim näheren Hinsehen erkennt man, daß der Schild der zentralen Figur Minerva mit dem Wappen des Fürstabtes bemalt ist. Sein eigenes Wappen einem Gott der antiken Mythologie zu geben gibt einen tiefen Einblick in das Selbstverständnis eines barocken Fürstabtes.

Abb.: Ceres (links) und Minerva (Mitte), letztere mit dem Wappen des Fürstabtes

Übersicht: Die Äbte und Fürstäbte von Fulda
Philipp Georg Schenk zu Schweinsberg (1567–1568), Fürstabt
Wilhelm Hartmann von Klauer zu Wohra (1568–1570), Fürstabt
Balthasar von Dernbach (genannt Grauel) (1570–1576 und 1602–1606), Fürstabt
Johann Friedrich von Schwalbach (1606–1622), Fürstabt
Johann Bernhard Schenk zu Schweinsberg (1623–1632), Fürstabt
Johann Adolf von Hoheneck (1633–1635), Fürstabt
Hermann Georg von Neuhof (genannt Ley) (1635–1644), Fürstabt
Joachim Graf von Gravenegg (1644–1671), Fürstabt
Kardinal Bernhard Gustav Markgraf von Baden-Durlach (1671–1677), Fürstabt
Placidus von Droste (1678–1700), Fürstabt
Adalbert I. von Schleifras (1700–1714), Fürstabt
Konstantin von Buttlar (1714–1726), Fürstabt
Adolf von Dalberg (1726–1737), Fürstabt
Amand von Buseck, (1737–1756), Fürstabt 1737-1752, Fürstbischof ab 1752, am 5.10.1752 wurde die Fürstabtei durch Papst Benedikt XIV. in den Rang eines Bistums erhoben.
Adalbert II. von Walderdorff (1757–1759), Fürstbischof 
Heinrich VIII. von Bibra, (1759–1788), Fürstbischof 
Adalbert III. von Harstall, (1789–1814), Fürstbischof bis 1802, danach Bischof. Im Jahre 1803 wurde mit dem Reichsdeputationshauptschluß das geistliche Fürstentum mit seinen Klöstern aufgelöst.
Johann Adam Rieger (1829–1831), Bischof 

Position der beschriebenen Wappen

Literatur:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer.
Hinweisschilder und Erklärungen im Museum der historischen Räume des Stadtschlosses Fulda
Kulturamt der Stadt Fulda: http://www.museum-fulda.de
http://museen-in-hessen.de/museum/?id=63
Museumsführer: Stadtschloß - Historische Räume
http://www.tourismus-fulda.de/, www.fulda.de, http://www.tourismus-fulda.de/sehenswertes/sehenswuerdigkeiten/index.php

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Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus dem Stadtschloß Fulda mit freundlicher Erlaubnis vom Magistrat der Stadt Fulda, Pressestelle, Herr Harald Merz, vom 29.10.2007, wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.

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