Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 722
Barockstadt Fulda

Fulda - Stadtschloß: Fayence-Tafelaufsatz im Museum

In den historischen Museumsräumen des Stadtschlosses Fulda wird ein 15teiliger Tafelaufsatz aufbewahrt, der auf 1740-1744 datiert wird. Er besteht aus drei quadratischen Mittelplatten, 8 Seitenstücken mit jeweils drei Bögen und vier herzförmigen Eckzwickeln, alles auf kleinen Füßen, Fuldaer Fayence, ohne Marke. Verziert ist der prunkvolle Aufsatz in qualitätvoller Muffelofenmalerei in der Art des Buntmalers Adam Friedrich von Löwenfinck, der 1714 geboren wurde, 1727-1736 an der Porzellanmanufaktur in Meißen lernte und danach als Buntmaler arbeitete, dann über Bayreuth, Frankreich und Ansbach schließlich nach Fulda fand und dort Leiter der Fuldaer Manufaktur wurde und bis Ende 1744 blieb. Weitere Stationen seines künstlerischen Schaffens waren Weisenau, wo er eine Privatfabrik zu gründen versuchte und Höchst, wo er 1746-1749 arbeitete, zuletzt die Hagenauer Manufaktur bis 1754, seinem Sterbejahr.

In elf der 15 Teile befindet sich das Wappen der Familie Fechenbach, genauer das des Johann Philipp Karl Anton von Fechenbach. Das Wappen Fechenbach zeigt in Silber ein schwarzes, mit der Spitze nach oben gerichtetes Steinbockshorn. Die Helmzier ist ein Paar Steinbockshörner, rechts silbern-schwarz, links schwarz-silbern geteilt. Helmdecken schwarz-silbern. Es gibt bei der Helmzier auch noch andere Varianten mit ganz schwarzen oder silbern-schwarz geteilten Steinbockshörnern. Die von Fechenbach sind ein fränkisches Reichsrittergeschlecht, eigentlich aber ein rheinisches Adelsgeschlecht, das im 14. Jh. nach Franken kam. 1214 werden Otto und Brunwardus von Vechinbach erwähnt. 1315 erwarb die Familie den Besitz Laudenbach, welcher zum Stammsitz wurde. Der Ort Fechenbach selber, welcher der Familie den Namen gab, ging 1450 an die Rüdt von Collenberg. Dazu hatten die Fechenbachs einen Anteil an Sommerau, gehörten damit sowohl zum Ritterkanton Odenwald als auch Rhön-Werra. 1522 wurden sie zu Freiherren. Das Domkapitel zu Würzburg wird von der Familie reichlich mit Mitgliedern versorgt. Im 18. Jh. erreicht die Familie hohe kirchliche Würden, deren Krönung schließlich der Würzburger Fürstbischof Georg Karl von Fechenbach wird. Er war der letzte Fürstbischof von Würzburg vor der Säkularisation (1795-1803), danach (1805-1808) auch Bischof von Bamberg.

Der Auftraggeber dieses Tafelaufsatzes, Johann Philipp Karl Anton von Fechenbach, lebte 1708-1779. Er hatte eine geistliche Karriere gewählt. 1738 wurde er Domkapitular in Würzburg und gleichzeitig Kapitular in Wimpfen. 1739 wurde er mit Übernahme des Amtes des zweiten Präsidenten des fürstbischöflichen Hofrates in Würzburg auch politisch aktiv. Ab 1751 finden wir ihn als Gesandten beim Reichstag in Regensburg. Der Bruder des hier Erwähnten, Karl Ludwig von Fechenbach (1699-1773) war übrigens Propst auf dem fuldischen Petersberg und folgte ebenfalls einer geistlichen Karriere.

Die Familie starb 1907 im Mannesstamme aus, der letzte dieses Namens war der als Politiker und Publizist bekannte Karl von Fechenbach zu Laudenbach (1836-1907).

Das Schildbild des schwarzen Steinbockshornes in Silber kommt in Franken gleich bei drei Familien vor: Kottwitz von Aulenbach, von Adelsheim und von Fechenbach.

Die Zuordnung des Wappens und damit des Tafelaufsatzes zur Person des Johann Philipp Karl Anton von Fechenbach ist deshalb so sicher möglich, weil das Wappen von der Ordenskette des bayrischen St. Michaels-Ordens umgeben ist. Johann Philipp Karl Anton von Fechenbach stand in engen Beziehungen zum kurfürstlich-bayrischen Hof und wurde 1740 in diesen Orden aufgenommen. 1746 wurde er Propst des Landshuter Kollegiatstiftes, und danach stieg er als Großkomtur in den bayrischen St. Georgs-Ritterorden auf. Damit kann der Tafelaufsatz auch datiert werden auf die Zeit nach der Aufnahme in den Orden und vor dem Weggang des Manufakturleiters Adam Friedrich von Löwenfinck aus Fulda.

Der bayerische Orden des Hl. Michael wurde von Herzog Joseph Clemens von Bayern im Jahre 1693 gestiftet. Üblicherweise ist ein Prinz einer Nebenlinie Ordens-Großmeister des Ordens. Die Mitgliedschaft im Orden war ausschließlich Adeligen vorbehalten. Die Zahl der Mitglieder ist auf 18 Kommandeure oder Großkreuze sowie 36 Ritter festgelegt. Eigentlich lautet der vollständige Titel des Ordens "Ritterorden der Beschützer der göttlichen Ehre unter dem Schutze des heiligen Erzengels Michaels". Das Ordenszeichen ist ein goldenes, blau emailliertes Kreuz, auf dessen vier gleichlangen Enden in goldener Schrift die Buchstaben: P. F. P. F. stehen, für die Tugenden Pietas, Fidelitas, Fortitudo und Perseverantia. Zwischen den Kreuzarmen sind strahlenartig goldene Donnerkeile und/oder Flammen angebracht. Auf der goldenen Medaillonfläche des Avers befindet sich eine bildnerische Darstellung des Hl. Michaels, den Drachen mit Füßen tretend, und in der linken Hand einen Schild mit der Inschrift: Quis ut Deus, haltend. Auf dem Revers steht mit goldenen Lettern: Dominus potens in proelio. Die Kette ist eine heraldische, die Glieder sind einerseits Waffentrophäen (Ensemble aus Helm, Harnisch und Fahnen) und andererseits ovale Medaillons mit den bayrischen Rauten, von denen zu beiden Seiten je drei Donnerkeile (Blitze) strahlen. Ordenssitz war in Bonn das 1751-57 eigens von Kurfürst Clemens August hierfür errichtete Koblenzer Tor. Mit der Säkularisation des Kölner Fürsterzbistums ging der Orden im Rheinland unter. In Bayern wurde er 1837 von König Ludwig I. in einen Verdienstorden umgewandelt, der bis zum Untergang der Monarchie 1918 verliehen wurde.

Position des beschriebenen Wappens

Literatur:
Siebmachers Wappenbücher
Hinweisschilder und Erklärungen im Museum der historischen Räume des Stadtschlosses Fulda
Kulturamt der Stadt Fulda: http://www.museum-fulda.de
http://museen-in-hessen.de/museum/?id=63
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
http://www.zeno.org/Pierer-1857/A/Michaelsorden
Oekonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz, 1773 -1858 in 242 Bänden erschienen, eine der wichtigsten deutschsprachigen wissenschaftsgeschichtlichen Quellen: http://www.kruenitz1.uni-trier.de/, http://www.kruenitz1.uni-trier.de/cgi-bin/getKRArticles.tcl?tid=125_445+opt=1-0+len=+nid=+plen=+prev=#125_445
Museumsführer: Stadtschloß - Historische Räume
http://www.tourismus-fulda.de/, www.fulda.de, http://www.tourismus-fulda.de/sehenswertes/sehenswuerdigkeiten/index.php

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Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus dem Stadtschloß Fulda mit freundlicher Erlaubnis vom Magistrat der Stadt Fulda, Pressestelle, Herr Harald Merz, vom 29.10.2007, wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.

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