Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 72
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Dom zu Würzburg, Philipp Adolf von Ehrenberg, Epitaph

In einem Seitenschiff des Würzburger Kiliansdomes befindet sich das Epitaph für Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg (reg. 1623-1631). Auf einem mächtigen Wandsockel erhebt sich das ganz in schwarz-weißem Marmor gehaltene, kontrastreiche Grabdenkmal. Vor einem dunklen Hintergrund mit angedeuteter Muschelnische kniet der Fürstbischof im Profil, dem Hochaltar zugewandt, die Hände betend zusammengelegt, vor einem Kreuz, das im Profil vor der rechten Säule aufgestellt ist, von denen zwei die zentrale Zone flankieren. Über dem Fürstbischof schwebt das von zwei Putten gehaltene Amtswappen. Vier weitere Putten sind an den vier Ecken zu sehen, zwei unten seitlich neben den Säulen und zwei auf dem Gebälk rechts und links der Mittelaufstockung.

 

Sein Wappen ist aus weißem Marmor und wird von zwei Putten begleitet. Der Wappen ist geviert:

Anstelle eines Oberwappens mit Kleinoden wird hier lediglich der Fürstenhut über den Schild gesetzt.

Rechts und links des knienden Fürstbischofs sehen wir in zwei Spalten insgesamt acht Schilde der Ahnenprobe. Zur Übersicht und zum Verständnis derselben die Vorfahren des Fürstbischofs über drei Generationen (nach Biedermann und Humbracht):

Eltern:

Großeltern:

Urgroßeltern:

Die gesamte optisch linke Seite ist den väterlichen Vorfahren gewidmet. Ganz oben befindet sich der Ehrenberg-Schild (1. Abb. v. l., oben), in Silber ein roter Adlerflügel, die Saxen nach oben gekehrt, auf einer Seite in einen golden geschnäbelten Vogelkopf endend, belegt mit einem goldenen Mond (kann auch fehlen). Die zu den von Ehrenberg gehörige Helmzier wäre ein Schaft, oben mit einem Pfauenstoß besteckt, zwischen zwei abgekehrten goldenen Stiefeln. Die Helmdecken wären rot-silbern. Beides entfällt hier aber. Der Schild steht für den Vater, Hans (Hanns) Heinrich von Ehrenberg d. Ä. (1547-84), den Vater des Vaters, Johann-Heinrich von Ehrenberg, und den Großvater väterlicherseits des Vaters, Philipp von Ehrenberg. Darunter folgt der Schild der von Wittstadt (Wittstatt) gen. Hagenbach, in Silber ein grüner Balken (1. Abb. v. l., unten). Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu grün-silbernen Decken ein silbernes Paar Büffelhörner, jedes Horn mit einem grünen Balken belegt. Das Wappen der Familie, die ihren Stammsitz (Ober- und Unterwittstatt) in Hohenlohe bei Krautheim hatte und auch im Raum Mergentheim, Brackenheim und Crailsheim anzutreffen war, wird beschrieben bei Schöler S. 115, T. 2, im Alberti S. 1076, im Siebmacher II, 74, im Siebmacher Band: WüA Seite: 147 Tafel: 80 sowie bei Wolfert Tafel 1, Seite 123. Hier steht das Wappen für des Fürstbischofs Großmutter väterlicherseits, Amalia von Wittstadt gen. Hagenbach, bzw. deren Vater, Hans von Wittstadt gen. Hagenbach. Der dritte Schild ist mehrfach geteilt (2. Abb. v. l., oben). Von den genealogischen Angaben bei Humbracht her müßte dieser Schild für Agnes von Eicholzheim stehen, die dort angegebene Großmutter väterlicherseits von des Fürstbischofs Vater. Ein solches Wappen läßt sich noch nicht für eine solche Familie in der Literatur verifizieren. Octavian Salver hingegen gibt Anna von Seldeneck als Ehefrau an, und die von Seldeneck führen einen dreimal silbern-blau geteilten Schild, was passen könnte. Amalia von Wittstadt gen. Hagenbach war übrigens erst die zweite Frau von Johann von Ehrenberg, in erster Ehe hatte er Barbara von Rosenberg geheiratet, die Witwe von Hans Jörg von Aschhausen. Das letzte, unterste Wappen in dieser Spalte gehört zu den Horneck von Hornberg, es zeigt in Gold über einem roten Dreiberg im Schildfuß ein rotes Hifthorn mit silbernen Beschlägen (2. Abb. v. l., unten). Die hier nicht dargestellte Helmzier wären zwei silbern-schwarz gevierte Büffelhörner, die Helmdecken wären schwarz-silbern. Es steht nach Humbracht für Gertraud Horneckin von Hornberg.

Die gesamte optisch rechte Seite ist den väterlichen Vorfahren gewidmet. Ganz oben befindet sich der Schild der Echter von Mespelbrunn, in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen (3. Abb. v. l., oben). Die nicht dargestellte Helmzier wären zwei wie der Schild bez. Büffelhörner zu blau-silbernen Helmdecken. Der Wappenschild steht für die Mutter des Fürstbischofs, Margarete Echter von Mespelbrunn (1549-1611), ihren Vater, Peter Echter von Mespelbrunn (1520-21.1.1576), sowie ihren Großvater väterlicherseits, Philipp Echter von Mespelbrunn jun. (-28.8.1535). Der zweite Schild gehört zu den von Adelsheim (3. Abb. v. l., unten), in Silber ein silbern-schwarz geteiltes, gewundenes Widderhorn (Steinbockshorn). Die hier nicht wiedergegebene Helmzier wäre ein schwarz oder silbern-schwarz geteilt gewandeter Frauenrumpf mit goldenem abstehenden Haarzopf und goldener Krone zwischen zwei silbern-schwarz geteilten wie im Schild bez. Hörnern zu schwarz-silbernen Decken. Hier steht der Schild für Gertrud (Gertraud) von Adelsheim (1525-1583) und ihren Vater, Johann (Hans) von Adelsheim (1487-1551). Der dritte Schild in der Spalte gehört zu den von Habern und zeigt in Silber zwei aufrechte, voneinander abgekehrte rote Äxte (4. Abb. v. l., oben). Die hier fehlende Helmzier würde desgleichen zu rot-silbernen Helmdecken darstellen. Der Schild gehört zu Cordula von Habern (1487-23.2.1523). Der vierte und letzte Schild der optisch rechten Spalte schließlich birgt das Wappen der Rüdt von Collenberg, in Rot Kopf und Hals eines silbernen Rüden mit Stachelhalsband (4. Abb. v. l., unten). Die nicht angegebene Helmzier wäre ein wachsender, wie der Schild bez. Rüdenrumpf zu rot-silbernen Helmdecken. Diese vier Vorfahren, also die Urgroßeltern mütterlicherseits des Fürstbischofs, lassen sich mit ihren Wappen übrigens auch auf dem Epitaph und dem Messingbeschlag für Julius Echter von Mespelbrunn wiederfinden, der sein Onkel war.

Literatur, Links und Quellen:
Bistum Würzburg: http://www.bistum-wuerzburg.de/
Bistum Würzburg bei Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bistum_W%C3%BCrzburg
St. Kilians-Dom:
http://www.dom-wuerzburg.de/index.php?r=t/
Der Dom zu Würzburg, Schnell Kunstführer Nr. 232, 11. Auflage 1997, Verlag Schnell & Steiner GmbH Regensburg, ISBN 3-7954-4194-3.
Hans-Wolfgang Bergerhausen, Philipp Adolf von Ehrenberg, in: Neue Deutsche Biographie, Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 387 f. online: http://www.deutsche-biographie.de/xsfz95670.html
Philipp Adolf von Ehrenberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Adolf_von_Ehrenberg
Genealogie Echter von Mespelbrunn: Biedermann, Geschlechts-Register der Reichs-Frey unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Francken, löblichen Orts Steigerwald
http://books.google.de/books?id=5tJDAAAAcAAJ
Genealogie von Adelsheim, Biedermann, Geschlechts-Register Der Reichs Frey unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Francken Löblichen Orts Ottenwald (Odenwald)
http://books.google.de/books?id=g9JDAAAAcAAJ
Genealogie von Wittstadt: Geschlechtsregister Der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Rhön und Werra
http://books.google.de/books?id=j9JDAAAAcAAJ
Genealogie von Ehrenberg: Humbracht
Wappen Wittstatt:
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Tafel 1, Seite 123
Beschreibung dieses Epitaphs in: Joh. Octavian Salver, Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ S. 563-565

Dom, Konrad von Thüngen - Dom, Konrad von Bibra - Dom, Melchior Zobel von Giebelstadt - Dom, Friedrich von Wirsberg - Dom, Julius Echter von Mespelbrunn - Dom, Joh. Gottfr. von Aschhausen - Dom, Christoph Franz von Hutten - Dom, Franz Ludwig von Erthal - Dom, Karl Georg von Fechenbach

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