Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 688
Katzenstein

Burg Katzenstein

Die Burg im Wechsel der Geschichte
Burg Katzenstein liegt in der Gemeinde Dischingen-Frickingen-Katzenstein im Kreis Aalen in Baden-Württemberg. Die Burg ist vor allem ein Kleinod wegen ihrer herrlichen Lage. Sie ist eine Gründung des 12. Jh., die Herren von Katzenstein (Cazzenstein) sind hier ab 1153 mit Rodegerus von Katzenstein als Besitzer nachgewiesen, und die Burg wurde im Laufe der Jahrhunderte zu einer respektablen Anlage ausgebaut, vom Grundkonzept her oval mit zwei verschiedenen Burghöfen. Die Erwähnung der Katzensteiner geht aber noch viel weiter in die Geschichte zurück: Im Jahre 1099 wird bereits ein Odelrich de Cazzenstein genannt. Auf der höchsten Stelle des Felsens steht der in Buckelquadern erbaute Bergfried (Katzenturm) mit 7m x 7.30 m Grundfläche und 2,50 m Mauerstärke im unteren Bereich. Seine ursprüngliche Höhe betrug ca. 22 m; er wurde später aufgestockt. Der Eingang liegt in 7 m Höhe. Im untersten Raum sind zwei gewaltige Tonnengewölbe. Hier befindet sich auch der in den Felsen gehauene Burgbrunnen von 23 m Tiefe. Dieser Bergfried war die Keimzelle der Burg, die sich um ihn herum entwickelte.

Angriffe hat diese Burg viele abwehren müssen, so wurde sie z. B. 1419 dreimal gegen Herzog Ludwig von Bayern verteidigt. Die Burg übersteht den Bauernkrieg 1525 ohne Schäden, 1546 konnte sie erfolgreich gegen die Truppen des Landgrafen von Hessen im Schmalkaldischen Krieg gehalten werden; sie wurde aber 1648 im letzten Kriegsjahr des 30jährigen Krieges von französischen und schwedischen Truppen unter Feldmarschall Graf Horn mit schwerem Geschütz zur Kapitulation gezwungen und bei dem zweitägigen Beschuß schwer beschädigt, 1649 repariert und 1669 wieder unter dem Konstanzer Kommandanten und Kammerherren Notger Wilhelm von Oettingen aufgebaut, wobei der Schloßbau im Osten entstand. 1702 wurde die Burg erneut von französischen Truppen besetzt, diesmal im Spanischen Erbfolgekrieg. 1796 werden österreichische Truppen kurzfristig Herr der Burg, wurden aber wiederum von französischen Revolutionstruppen vertrieben.

Besitzgeschichte der Burg Katzenstein
Die Herren von Katzenstein sind ab 1153 nachgewiesen, seit 1257 in den Diensten der Grafen von Dillingen. Als diese Linie erlosch, ging die Burg an die Edelherren von Hürnheim (Ries). Die neuen Herren von Katzenstein sind eine Linie der Edelherren von Hürnheim. Die Linie Hürnheim-Rauhaus zu Katzenstein bestand 1261-1428. Rudolf von Katzenstein, der Sohn von Rudolf von Hürnheim, begründet die neue Linie. Herdegen von Katzenstein trennte sich von seiner Burg: 1354 verkauft er die Burg Katzenstein mit allem zugehörigen Besitz an die Grafen von Oettingen, die die Burg an die Helfensteiner verpfänden, 1368 die Pfarrei Pflaumloch (bei Neresheim) an das Nördlinger Spital. Dafür kauft er 1365 die Herrschaft Trugenhofen, verkauft aber schon 1380 das Dorf, behielt aber die Burg, die erst 1428 von Gertrand von Katzenstein wieder veräußert wird. Da Herdegen von Katzenstein aber in engere Beziehungen zum Haus Oettingen trat, er hatte eine von Oettingen zur Frau genommen, bekommt er die Burg Katzenstein als Lehen der Grafen von Oettingen zurück. Mit Georg von Katzenstein stirbt 1428 die Linie aus.

Die neuen Lehnsnehmer des Oettingen'schen Lehens werden die Herren von Westerstetten. Nicht immer war dieses Lehensverhältnis von Frieden geprägt, so passierte es 1562, daß die Herren von Westerstetten im Burghof zwei Brandstifter aufknüpfen ließen, sich im Recht wähnend aufgrund eines kaiserliches Privileges, die Halsgerichtsbarkeit ausüben zu dürfen, was die Grafen von Oettingen als Provokation und Angriff auf ihre Lehensherrschaft ansahen, denn sie waren die eigentlichen Gerichtsherren für Kapitaldelikte: Mit 200 Mann stürmten sie die Burg Katzenstein und rissen den Galgen nieder, um klarzustellen, wer hier welche Kompetenzen besaß. Die Herren von Westerstetten sterben 1572 mit Wolf Dietrich von Westerstetten zu Katzenstein im Mannesstamme aus. Die Erbtochter ist mit Wilhelm Schenk von Stauffenberg verheiratet, der den Anspruch auf das Lehen um 1600 an die Grafen von Oettingen verkauft, welche jetzt selbst die Herrschaft auf der Burg übernehmen.

Nun befindet sich die Burg Katzenstein im Besitz der Grafen von Oettingen-Baldern, und Graf Friedrich Wilhelm hält sich hier während des 30jährigen Krieges auf. Mit Graf Franz Wilhelm von Oettingen-Baldern stirbt diese Linie 1798 aus und wird von der Linie Oettingen-Wallerstein beerbt. Die Burg ist längst militärisch uninteressant geworden. Erst unterhalten die Fürsten von Oettingen-Wallerstein hier noch ein Pflegamt bis 1821, dann bis 1834 ein Forstamt, schließlich stand die Burg ungenutzt leer und verfiel, wurde sogar teilweise zum Steinbruch.

Das Wappen eines späteren Burgbesitzers
Das Wappen über dem Haupteingang ist das Wappen Stuber: In Silber ein blauer Balken, der mit zwei gegeneinandergekehrten silbernen Monden belegt ist. Als Helmzier ein natürliches Geweih, dazwischen wachsend ein rot gekleideter Mohr, der mit beiden Händen ein Feldmesserwerkzeug emporhält. Helmdecken blau-silbern. (Vgl. Siebmacher Bürgerliche S. 118, Tafel 145). Die Helmzier spielt darauf an, daß der Vater des Geadelten kurfürstlich-bayrischer Straßen- und Wasserbaumeister in der Oberpfalz war.

Es befindet sich an der Burg Katzenstein, weil diese 1939 von Herbert Wolfgang Stuber, durch Adoption Graf von Caboga-Locatelli, erworben wurde. Er war es, der sie renovieren ließ. Er hatte sie in denkbar schlechtem Zustand mit vermauerten Fenstern übernommen, Teile waren als Steinbruch genutzt worden; die Burg war wegen Einsturzgefahr gesperrt. Hier kam es 1945 noch zu einer Beinahe-Katastrophe, denn die SS erschien auf der Burg und verhaftete den Grafen und seine Familie wegen Verdachts auf Zugehörigkeit zum Kreis vom 20. Juli 1944, dem Grafen und der Familie gelang aber glücklicherweise die Flucht, und kurz darauf herrschte hier sowieso die US-Armee. Erst nach dem Krieg konnte der Offizier Stuber mit Fördermitteln die Burg retten.

Neue Besitzer
1948 wurde Burg Katzenstein an einen Bremer Reeder namens Edler verkauft, hier versteckte er sich schon ein Jahr später vor den Gläubigern seiner in Konkurs gegangenen Firma.

In neuerer Zeit war seit 1967 die Familie Holl Eigentümer der Burg, die 1968 – 1970 umfangreiche Sicherungs- und Renovierungsarbeiten durchführen ließ, 1973 in der Burgkapelle die Fresken freilegen ließ und 1977 den staufischen Palas aus dem 12. Jh. rekonstruierte. Die Burg wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In dieser Zeit wurde in der Burg Vieles gerettet.

Dann folgte ein dunkles Kapitel: 1988 wurde die Burg nach dem Tod des Ehepaares Holl verkauft, in Wohnungen umgewandelt, mit Baustopp belegt, die Burg verwahrloste, brannte 1995, und der Besitzer wurde juristisch belangt..

Frischen Wind sah man erst wieder 2006 auf Burg Katzenstein: Seitdem wird die Burg vom Pächter-Ehepaar Michael und Roswitha Walter liebevoll gepflegt und steht auch wieder für Besichtigungen offen.

Was führten die Katzensteiner für Wappen?
Das Wappen der Herren von Katzenstein hatte zuerst noch nicht die Katze. Die Ritter von Katzenstein waren eine Linie der Edelherren von Hürnheim im Ries, die in den Besitz der Herrschaft Katzenstein gelangten und sich danach nannten. Rudolf von Katzenstein, der Sohn von Rudolf von Hürnheim, der die Katzensteiner begründete, führte 1271 eine Gans. Ulrich und Hermann führten 1291 eine Gans sowohl im Schild als auch als Helmzier. Die späteren Herren von Katzenstein führten nicht mehr die Gans, sondern ein redendes Wappen: Herdegen von Katzenstein führte 1385 eine Katze auf einem Dreiberg. Im Cotta'schen Codex haben wir nach den Siebmacherschen Wappenbüchern in Rot auf einem goldenen Dreiberg eine golden gekrönte, steigende, silberne Katze, in der Mitte des Leibes von einem goldenen Seil umwunden, das bis ins linke obere Schildeck führt und in einem goldenen Ring endet. Auf dem Helm die gekrönte Katze aus einem goldenen Dreiberg wachsend, in der Krone ein schwarzer Hahnenfederbusch. Helmdecken rot-silbern.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher.
Wilfried Sponsel und Hartmut Steger: Vergangene Burgen und Herrensitze. Eine Spurensuche im Blickfeld des Rieses, Augsburg 2004, S. 30 – 33.
Friedrich-Wilhelm Krahe, Burgen des Deutschen Mittelalters, Grundriß-Lexikon, Bechtermünz-Verlag, Lizenzausgabe im Weltbild Verlag 1996, ISBN 3-86047-219-4
Günter Schmitt: Burgenführer Schwäbische Alb, Band 6 Ostalb, Biberach 1995, S. 77 – 88
Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 1. Jg. (1972), Heft 2, S. 31 – 33.
http://www.burgenreich.de/burg%20katzenstein%20geschichte.htm
http://www.burgkatzenstein.de/, http://www.burgkatzenstein.de/
Burgverein Pro Katzenstein
http://www.burg-katzenstein.de/
http://www.burgtour.de/burgen/burg2-katzenstein-bw.html
http://www.zentrum-ostalb.de/schloesser-schloss-katzenstein.html
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 96

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