Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 65
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Die Neubaukirche in Würzburg

Das Wappen des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn befindet sich heraldisch rechts: Geviert. 1 "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, 2 und 3: Echter von Mespelbrunn, in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen. 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg.

Dank der regen Bautätigkeit und der langen Regierungszeit (44 Jahre) gehört das Echter-Wappen zu den häufigsten in Mainfranken. In der Tat verdankt das Hochstift Würzburg ihm und seiner Regierung sehr viel (Bauwerke, Universität zu Würzburg, Spitäler etc.). Die Familie stammt ursprünglich aus dem Odenwald, wo sie in Diensten der Schenken von Erbach stand. Der Zweig im Spessart ist seit 1334 urkundlich erwähnt. Die dortigen Echter standen als "Wald- und Bachförster" im Dienste von Mainz. Sie hatten im Spessart Besitz an umfangreichen Waldgebieten. Mit dem Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn schaffte die Familie den Sprung nach Würzburg, und in der Folgezeit erwarb die Familie Besitzungen im Steigerwald (Gaibach, Oettershausen, Gochsheim, Schallfeld, Traustadt, Weisbrunn). Weiterhin hatte die Familie Besitzungen im Württembergischen: Neckarsulm, Crailsheim, Künzelsau. Beide Linien starben aber schon bald aus. Der letzte Echter war Johann Philipp Freiherr Echter von Mespelbrunn, der 1665 im 19. Lebensjahr verstarb. Das Erbe ging über Ottilia Echterin von Mespelbrunn, die 1648 Philipp Ludwig von Ingelheim geheiratet hatte, Oberstleutnant und Amtmann zu Miltenberg im Dienste von Mainz, an die von Ingelheim. 1698 vereinigte die Familie mit Genehmigung des Kaisers beide Wappen zu "von Ingelheim genannt Echter von Mespelbrunn" und vierte ihr Wappen aus Ingelheim und Echter von Mespelbrunn. Die Familie lebt heute auf Schloß Mespelbrunn.

Heraldisch links ist das Wappen des Fürstbischofs Philipp Adolf von Ehrenberg (1623-1631). Die Felder 1 und 4 sind identisch mit dem anderen Wappen, die Felder 2 und 3 zeigen in Silber einen roten Adlerflügel, die Saxen nach oben gekehrt, links in einen gold geschnäbelten Vogelkopf endend (selten der Kopf auch rechts), hier belegt mit einem goldenen Mond (kann auch fehlen).

Die zum Ehrenberg gehörige Helmzier wäre ein Schaft, oben mit einem Pfauenstoß besteckt, zwischen zwei abgekehrten goldenen Stiefeln. Die Helmdecken wären rot-silbern. Beides entfällt hier aber. Die Familie des Würzburger Fürstbischofs ist eigentlich keine fränkische, sondern eine rheinische Familie und gehört im Rheinland zum Uradel, die bereits in der Mitte des 12. Jh. nachgewiesen werden kann. Typischerweise besetzten Mitglieder der Familie Stellungen in kirchlichen Diensten der drei mittelrheinischen Hochstifte Mainz, Worms und Speyer sowie in Würzburg. Neben Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg hat die Familie noch mit Gerhard von Ehrenberg einen Bischof von Speyer hervorgebracht (1336-1363). Im Jahre 1316 spaltet sich die Familie Ehrenberg auf, die ältere Linie verbleibt im Rheinland, während die jüngere Linie umzieht und sich mit Burg Ehrenberg am Neckar einen neuen Stammsitz erbaut. Ihre Tätigkeiten richten sich vermehrt nach Franken aus. Die Familie Ehrenberg starb mit Johann Heinrich von Ehrenberg aus (Amtmann in bambergischen Diensten, gest. 1647).

Literatur:
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.

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