Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 64
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Palais in Würzburg: Marktplatz 36

In der Mitte der "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, symbolisiert das Herzogtum zu Franken, heraldisch links das Wappen derer von Würtzburg, heraldisch rechts Fuchs.

Wappen von Würtzburg: In Gold das Brustbild eines bärtigen Mannes, hier rechtsgewendet, aber auch oft linksgewandt vorkommend, schwarz gewandet mit silbernem Kragenaufschlag, auf dem Kopf eine spitze, nach hinten umgebogene schwarze Mütze mit silbernem Aufschlag, an der Spitze ein roter sechszackiger Stern. Helmzier (fehlt hier) aus einer Krone ein Stoß Pfauenfedern, außen je zwei besonders tingierte umgebogene Hahnenfedern oder Straußenfedern: rechts gold und schwarz, links schwarz und golden. Helmdecken schwarz-golden.

Das Geschlecht derer von Würtzburg ist eines der ältesten in Franken. Bis ins 12. Jh. ist die Tätigkeit im Dienste der Hochstifte von Bamberg und Würzburg urkundlich belegt. Die lückenlose Stammreihe beginnt mit Hans von Würtzburg um 1372. Ihre Besitzungen lagen in den Kantonen Gebirg und Odenwald. Im einzelnen besaßen sie beispielsweise Rothenkirchen, Mitwitz, Burggrub, Haig, Hohlach, Walkershofen, Meckenhausen, Dauenstein, Pressig etc. Die Familie stellte zahllose Persönlichkeiten im Dienste der mainfränkischen Hochstifte, zwischen 1458 und 1808 allein 17 Domkapitulare in Würzburg, Propste, Kustoden, Scholaster, auch einen Domdekan von Würzburg und einen Bamberger Fürstbischof. Im 17. Jh. erhielt diese uradlige und seit dem frühesten Mittelalter turnier- und stiftsfähige Familie das Freiherrrendiplom. Im Königreich Bayern hatten sie die erbliche Reichsratwürde inne. Ausgestorben ist die Familie erst 1922.

Palais in Würzburg: Staatliche Hofkellerei, Palais Rosenbach

Heraldisch rechts das Wappen derer von Rosenbach, es zeigt einen silbern-schwarz geteilten Schild, oben wachsend ein schwarzer Löwe, golden gekrönt und rot gezungt (hier gewendet), Helmzier wäre ein wachsender, doppelt geschweifter gekrönter Löwe zwischen zwei von Silber und Schwarz geteilten Büffelhörnern. Die Helmdecken wären schwarz-silbern.

Die Familie von Rosenbach zählt zum Uradel, obwohl es erst ab dem 14. Jh. gesicherte Nachrichten über sie gibt. Stammsitz der Familie liegt in der Herrschaft Breuberg, später findet man sie in der Grafschaft Erbach. Nach Franken kamen die von Rosenbach erst relativ spät. Sie hatten Stellungen am Hochstift Würzburg inne (Oberamtmänner, Domdechanten, Domkantoren, Landrichter, Custos etc.) und profitierten insbesondere in der Reformationszeit durch sich durch Glaubenswechsel ergebende Vakanzen. Im Domkapitel und in der Verwaltung des Hochstiftes Würzburg findet man Vertreter der Familie. Mit Johann Hartmann von Rosenbach stellten sie einen Würzburger Fürstbischof. Im frühen 17. Jh. finden wir Angehörige der Familie in leitenden Positionen des Johanniterordens (z. B. Weiprecht von Rosenbach, Großprior des Johanniterordens, gest. 1607). 1806 starb die Familie aus.

Heraldisch links das Stammwappen der Grafen von Stadion, es zeigt in schwarz drei goldene gestürzte Wolfsangeln (Wolfsanker) pfahlweise. Die Helmzier wäre ein schwarzes, golden gestreiftes Kissen, darauf eine goldene Wolfsangel (ein goldener Wolfsanker), mit dem Ring aufwärts, in dem ein Pfauenstoß steckt, Decken schwarz-gold. Die Grafen von Stadion sind ein altes graubündnerisches Rittergeschlecht, die später in Schwaben seßhaft geworden sind. Schon 1270 wird ein Walther de Stadegun erwähnt. 1686 wurden sie Freiherren, 1705 Reichsgrafen. Der Ort Oberstadion in Württemberg (Alb-Donau-Kreis) benutzt heute das alte Stadionsche Stammwappen.

Residenzgaststätte:

Über dem Portal des heute als Residenzgaststätte genutzten Palais prangt ein Rokoko-Wappen der Grafen von Seinsheim. Ein Seinsheim war einmal Fürstbischof: Adam Friedrich von Seinsheim (1757-1779).

Geviert, Feld 1 und 4: Hier in Blau zwei silberne Pfähle (in anderen Darstellungen 5x silbern-blau gespalten, aber auch als 6x, 7x, 8x, 9x gespalten beschrieben, hier hat man von einer erheblichen Toleranzbreite auszugehen, Stammwappen Seinsheim). Feld 2 und 3: In Gold eine golden gekrönte schwarze springende Wildsau (Wappen von Sünching (ausgestorben)). Zu diesem Wappen würden folgende zwei Helmzieren gehören: 1 und 4: Ein wachsender bärtiger Männerrumpf, rot gewandet mit silbernem Kragen, auf dem Kopf ein roter Spitzhut mit silbernem Stulp und goldener Troddel (Stammhelm Seinsheim). Helmdecke blau-silbern. Feld 2 und 3: Auf dem gekrönten Helm die Wildsau springend, Helmdecken schwarz-golden (Helm von Sünching). Das um das Wappen von Sünching vermehrte Wappen wurde ab dem Freiherrendiplom vom 2.3.1580 geführt.

Die Familie von Seinsheim ist ein fränkisches Ministerialengeschlecht mit zwei Lehnherren, der Bischof von Würzburg und der Abt des Klosters Michelsberg. Die Stammreihe beginnt mit Siegfried von Seinsheim (Sifridus de Sowensheim), 1172-1209 erwähnt. Zu dem ausgedehnten Besitz der Familie in Franken gehörten Erlach, Schwarzenberg, Astheim bei Volkach, Burg Kottenheim, Burg Hohenlandsberg, Seehaus, Hörblach, Wässerndorf etc. Die Familie ist in zwei Linien aufgespalten, von Seinsheim-Seinsheim und von Seinsheim-Schwarzenberg. 1429 erhielt ein Angehöriger der zweiten Linie den Freiherrentitel; der Stamm lebt in den Fürsten von Schwarzenberg fort. Die Linie von Seinsheim-Seinsheim erwarb den Besitz Sünching im Jahre 1572. Das liegt in der Oberpfalz. Anläßlich ihrer Erhebung in den Reichsfreiherrenstand 8 Jahre später vierten sie ihren Schild mit dem Wappen der ausgestorbenen Familie von Sünching, auf deren Gütern sie saßen. So kam die Wildsau ins Wappen. Die Familie von Seinsheim ist heute im Mannesstamm erloschen, der letzte war Maximilian Graf von Seinsheim (1844-1917). Die letzte Seinsheimerin, Gräfin Gabriele von Seinsheim, heiratete Johann Freiherr von Hoenning O'Carroll; ihnen gehört heute noch der Besitz Sünching. In der Fürstenfamilie von Schwarzenberg lebt der andere Zweig jedoch fort.

Landwehrstraße, Außenstelle des Amtsgerichts:

Das Wappen Erthal ist geviert,

Das ist übrigens das Stammwappen, es wurde nicht nachträglich geviert. Die Helmzier auf dem gekrönten Helm wäre ein in den Schildfarben tingiertes Paar Büffelhörner, die Helmdecken wären rot und silbern.

Die Familie von Erthal ist ein äußerst altes fränkisches Adelsgeschlecht mit Stammsitz in einem Nebental der Fränkischen Saale, am Ufer des Baches Er. Die Stammreihe beginnt mit Heinrich von Erthal 1170. 1553 erfolgt Spaltung der Familie in eine fränkische Linie und eine Linie in Fulda. Die fränkische Linie teilt sich weiter auf in die Elfershausener und in die Leuzendorfer Linie. Der Name begegnet uns in Franken häufiger, z. B. in der Geschichte der Würzburger und Bamberger Fürstbischöfe (Franz Ludwig von Erthal (16.09.1730-14.02.1795), Fürstbischof von Würzburg und Bamberg). Bekannt ist ebenso der Würzburger Domherr und Geheimrat Freiherr Karl Friedrich Wilhelm von Erthal (01.07.1717-17.09.1780). Auch Fulda hat einen Fürstabt aus der Familie Erthal: Heinrich von Erthal 1249-1261. Der letzte Kurfürst auf dem Mainzer Erzbischofsstuhl entstammt dieser Familie (Friedrich Karl Joseph von Erthal (1774-1802). Mit Lothar Franz Michael von Erthal, kurmainzischer Geheimrat und erster Staatsminister, Ritter des Johanniter-Ordens, Hofgerichtspräsident, starb die Familie 1805 aus. Die fuldische Linie war schon früher, nämlich 1640, erloschen.

Das heraldisch linke Wappen ist das von Hohenfeld, einer aus Österreich (Salzburger und Oberösterreicher Adel, Veste Radeck) stammenden und auch in Bayern und am Rhein vorkommenden, seit 1484 im Herrenstand befindlichen, seit 1652 freiherrlichen, seit 1669 bzw. 1714 gräflichen Familie. Es ist geviert und zeigt in

So ist es auch hier dargestellt, desgleichen andernorts. Korrekter wäre es anders herum, dem Stammwappen den Vorzug gebend: In

Zu diesem Wappen gehören zwei Helme:

Korrekter wäre es anders herum, dem Stammhelm den Vorzug gebend

Man vergleiche die Parallelität des Stammschildes zu dem der fränkischen Familie von Aufseß, die nicht eines Stammes ist. Die Familie von Hohenfeld ist 1822 im Mannesstamm erloschen. Abweichend wird Gold statt Silber in einigen Quellen für das Stammwappen angegeben. Im vorliegenden Beispiel ist Silber verwendet worden.

Es gibt noch eine Weiterentwicklung des gevierten Wappens mit einem Herzschild

Zu diesem Wappen gehören drei Helme:

Palais in Würzburg: Volkshochschule, Münzstraße

Das Stammwappen derer von Guttenberg findet sich in den Feldern 2 und 3. Es zeigt in Blau eine goldene Rose mit doppelter Blattlage und mit goldenem Butzen. Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Fürstbischof Johann von Guttenberg erließ 1689 Weisung über die Errichtung des Seminarium Godefrideum. Antonio Petrini (1625-1701) machte die Pläne. Der Bau wurde 1691 unter Christian Herrmann begonnen. 1697-1704 war hier das Priesterseminar Kilianeum, später die Münze. Heute dient das Gebäude der Volkshochschule als Sitz.

Palais in Würzburg: Haugerkirchgasse

Palais in Würzburg: Augustinerstraße

Das Stammwappen derer von Guttenberg zeigt in Blau eine goldene Rose mit doppelter Blattlage und mit goldenem Butzen.

Würzburg: Alte Mainmühle

Die alte Mainmühle zeigt das Wappen des Fürstbischofs Johann Philipp von Schönborn (1642-1673). Sie wurde 1644 erbaut. Johann Philipp war zugleich Erzbischof von Mainz und führt das Mainzer Rad im Wappen, daher in Rot das silberne Mainzer Rad (Feld 1 und 4), später auch den Wormser Schlüssel, der hier aber noch nicht bei dem relativ früh in seiner Amtszeit entstandenen Wappen auftaucht. Feld 2: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken. Von 1168 bis 1802 trugen die Fürstbischöfe von Würzburg zugleich den Titel des Herzogs von Franken. Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Auch dieses Symbol ist in allen Wappen der Fürstbischöfe zu finden. Diese Standarte darf nicht verwechselt werden mit dem heutigen Stadtwappen der Stadt Würzburg: Es ist zwar das selbe Motiv, besitzt aber andere Farben: Das Stadtwappen von Würzburg zeigt in Schwarz eine schrägrechts gestellte Standarte mit rot-golden geviertem Tuch und silberner Stange. Das Schönbornsche Stammwappen ist im Herzschild zu finden, in Rot auf drei silbernen Spitzen schreitend ein goldener bekrönter Löwe.

Literatur:
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Siebmachers Wappenwerk.
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.

Würzburg: Stift Haug - Hof Neulobdenburg - Hof z. Hl. Gallus - Haus Conti - alte Mainbrücke - Hof Erhard von Liechtenstein - Juliusspital - Festungstore 1 - Festungstore 2 - Festung Marienburg: Scherenberg - Festung Marienburg: Bibra, Wirsberg - Festung Marienburg: Echter von Mespelbrunn 1 - Festung Marienburg: Echter von Mespelbrunn 2 - Alte Universität - Hofgarten - Neumünster - Residenz - Palais 1 - Palais 2 - Neubaukirche - Bürgerspital - Stadtbefestigung - St. Peter - Priesterseminar - Grafeneckart

Die Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Der Fränkische Rechen - Das Rennfähnlein

Die Entwicklung des Wappens der von Schönborn

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