Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 638
Wappen im Raum Lippe

Lemgo, Alte Abtei (Breite Straße 10)

Annenhof - Alte Abtei - Prinzeßhaus
Ganz in der Nähe des berühmten Hexenbürgermeisterhauses, ihm praktisch schräg gegenüber, steht in Lemgo die sog. Alte Abtei. Vom Typ her ist das Gebäude einer jenen typischen Adelshöfe in Lemgo, ein breit gelagertes Gebäude, traufständig zur Straße stehend, meistens zweistöckig, im Gegensatz zu den giebelständigen Bürgerhäusern mit breiter Diele im vorderen Teil, die das sonstige Stadtbild prägen. Das Gebäude ist im Türsturz auf 1768 datiert. In der Tat ist es aber älter; es wurde 1585 von Heinrich Ker(c)kmann erbaut, der einer alteingesessenen Lemgoer Bürgermeister- und Gelehrtenfamilie entstammte und Kanzler des Grafen Simon VI. zur Lippe war (sein Sohn, ebenfalls Heinrich Ker(c)kmann, wurde bekannt als Hardliner bei den berüchtigten Hexenverfolgungen). Als Baumeister gilt Hermann Wulff. An den Giebelseiten erkennt man noch, daß das Gebäude im Kern aus der Renaissance stammt.

1768 - darauf bezieht sich das Datum im Türsturz - kaufte Graf Ludwig Heinrich Adolph zur Lippe den Adelshof samt Wirtschaftsgebäuden und ließ ihn umbauen. Die Formensprache der Wappenkartusche paßt ebenfalls stilistisch ins Rokoko, desgleichen die Freitreppe zur Straße. Innen sind entsprechende Stuckaturen aus dieser Zeit. Weitere Grundstücke wurden dazugekauft, so daß rückseitig ein großer Garten angelegt werden konnte. Der Hof wurde nun auch "Annenhof" genannt nach seiner Gemahlin Anna Friedrike Wilhelmine Landgräfin von Hessen-Philippsthal. Graf Ludwig zur Lippe vererbte 1797 in seinem Testament das Anwesen den Äbtissinnen bzw. Vorsteherinnen des adelig-freiweltlichen Damenstiftes St. Marien als Residenz. Daher stammt der Name "Alte Abtei". Als 1958 die letzte Äbtissin, Prinzessin Carola zur Lippe, starb, kaufte 1960 die Stadt Lemgo das Anwesen. 1972-1975 wurde das Gebäude umgebaut und renoviert, seitdem ist hier die Volkshochschule von Lemgo untergebracht.

Heraldisch rechts: Wappenschild der Grafen zur Lippe
Dies ist das Wappen der Grafen zur Lippe, wie es ab 1687 und bis zur Erhebung in den Reichsfürstenstand im Jahre 1789 geführt wurde. Es bringt erstmalig die niederländische Erbschaft zum Ausdruck. Graf Simon Heinrich, reg. 1666-1697, war vermählt mit Amalie Gräfin von Dohna, der Tochter einer geborenen Freiin von Brederode, der folgende Teile der Brederodischen Erbschaft zustanden:

Das Wappen ist nun wie folgt aufgebaut:

Anmerkung Vianen: Das ursprüngliche Wappen der Herren von Vianen sind in Silber 3 (2:1) schwarze Mühleisen, und so wurde das Wappen auch 1687-1789 geführt. Erst mit dem fürstlichen Wappen wurde die Anzahl auf fünf erhöht. Die niederländische Stadt Vianen führt auch heute noch nur 3 (2:1) Objekte, die aber als Maueranker angesprochen werden, was wohl auch korrekt sein dürfte.

Hier fehlen Helme, stattdessen wird das Allianzwappen von einer gemeinsamen Rangkrone überhöht.

Heraldisch links: Wappenschild der Landgrafen von Hessen-Philippsthal
Dies ist das Wappen der Landgrafen von Hessen, wie es auch die Linie Hessen-Kassel im Zeitraum 1736-1803 führt. Gegenüber seiner Vorgängerversion enthält es zusätzlich Hanau, Rieneck und Münzenberg als neue Komponenten. Das Wappen ist wie folgt aufgebaut:

Monogramme
Verschlungene Monogramme an der Brüstung der doppelläufigen Freitreppe. Links LHAGzL = Ludwig Heinrich Adolph Graf zur Lippe, rechts AFWLzH = Anna Friederike Wilhelmine Landgräfin zu Hessen.

Literatur und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Hartmut Platte: Schaumburg-Lippe, Geschichte eines Fürstenhauses, Reihe Deutsche Fürstenhäuser, Heft 4, Börde-Verlag Werl 2007, ISBN 978-3-980-6221-9-6
Meiner Mutter Ursula Peter große Anerkennung exquisiter Vorarbeit
Hugo Gerard Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Reprint von 1897, Komet Verlag Köln, ISBN 3-89836-545-X
http://www.lemgo.net/491.html

Die Entwicklung des Hessischen Wappens
Die Entwicklung des Wappens der Herren, Grafen und Fürsten zur Lippe
Das Feld für Münzenberg und seine Verbreitung in deutschen Adelswappen

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