Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 630
Niederweis (Eifel): Schloß Niederweis

Das Schloß in Niederweis

Niederweis liegt im Landkreis Bitburg-Prüm in der Eifel und beherbergt ein barockes Landschloß der Freiherren von der Heyden. Ursprünglich war es eine Dreiflügelanlage um einen kleinen, sich nach Westen öffenenden Ehrenhof (in der unteren Abbildung der Blick auf die Rückseite mit Gartenparterre) mit Mansarddach. Der Nordflügel überdauerte aber das 19. Jh. schon nicht mehr. Im Süden des Herrenhauses befinden sich Scheune und Pferdeställe, die intakt erhalten sind.

Die Herren von der Heyden-Nechtersheim (nach einem Ort bei Jülich) kamen 1680 an das Schloß zu Niederweis, als Maria Cob von Nüdingen, Erbtochter aus dem vorhergehenden Besitzergeschlecht, Johann Hermann von der Heyden heiratete, den Herrn von Stolzenburg und Niedersgegen. Damit begann eine vier Generationen dauernde Geschichte des Schlosses unter den Herren von der Heyden.

Die nächste Generation wurde durch Franz Eduard Anton von der Heyden bestimmt, 11. Kind, der heißersehnte erste Sohn von Vater Johann Hermann von der Heyden nach 10 Töchtern, der 1693-1755 lebte und mit Maria Wilhelmine von Eltz-Rodendorf verheiratet war. Ihrer beider Wappen sehen wir im Giebelfeld des Schlosses:

Zur heraldisch Rechten ist das Wappen der Freiherren von der Heyden: In Silber ein schwarzer Balken, begleitet von 3 (2:1) roten Löwen. Oberwappen nicht zu ermitteln. Die Freiherren von der Heyden sind rheinländisch-luxemburgischer Uradel.

Das Wappen der Ehefrau ist das der Grafen von Eltz: Rot-silbern geteilt, oben aus der Teilung wachsend ein goldener Löwe, Helmzier wäre ein hermelingestulpter roter Turnierhut, darauf der Löwe wachsend zwischen einem mit silbernen (auch als golden beschrieben) gestürzten Lindenblättern (Herzen) bestreuten roten Flug. Helmdecken wären rot-golden (resp. rot-silbern).

Stammsitz der Familie ist Burg Eltz bei Münstermaifeld. Zuerst erscheint urkundlich ein Rudolfus de Eltz im Jahre 1157. Bereits im 13. Jh. spaltete sich die Familie in zwei Linien, die Linie Eltz-Kempenich und Eltz-Rübenach. Die Linie Eltz-Kempenich (wozu Eltz-Rodendorf gehört) führt den Löwen golden und heißt daher auch Eltz vom goldenen Löwen. Die Linie Eltz-Rübenach führt den Löwen silbern (auch in der Helmzier). Seit 1575 besitzt die Familie das Erbmarschallamt im Bistum Trier. Am 19.6.1646 wurde dem uradeligen Geschlecht der alte Herrenstand vom Kaiser bestätigt. Am 4.11.1733 erhielt die Familie den Reichsgrafenstand. Am 19.12.1738 wurde ihr erlaubt, Namen und Wappen der Faust von Stromberg mit dem ihrigen zu vereinigen. Die anderen Linien erloschen, und es blieb nur die gräfliche Linie Eltz-Kempenich übrig, die sich in die Unterlinien Kempenich und Vukovar scheidet. Von der Linie zu Rübenach blieb nur ein freiherrlicher Zweig auf Schloß Wahn bei Köln.

Statt Oberwappen ist hier eine siebenzinkige Rangkrone über beiden Schildkartuschen abgebildet (Freiherrenkrone). Bestes Licht zum Photographieren ist abends, denn die Fassade ist nach Westen gerichtet, und der Südflügel wirft Schatten.

Franz Eduard Anton von der Heyden wurde 1731 Präsident des Provinzialrates von Luxemburg (sog. Rittergericht). Damit galt er als der höchste Vertreter des Luxemburger Adels. 1751 errichtet er das Schloß in Niederweis von Grund auf neu, er war der Bauherr dessen, was wir heute sehen. Franz Eduard Anton von der Heyden konnte sich aber nicht mehr lange an seinem Schloß erfreuen, denn er starb 1755 in Luxemburg.

Sein Sohn Philipp Karl von der Heyden, gest. 1788, war mit Sophie Antoinette von Hohenfeld verheiratet; er war seit 1760 kurfürstlicher Kämmerer. Deren Sohn Clemens Wenzelslaus von der Heyden wurde 1774 geboren; er starb 1840 ohne Nachkommen und beschloß diese Linie von der Heyden. Seinen Besitz brachte er in eine wohltätige Stiftung zusammen mit Freiherrn von Schütz ein (von der Heyden und von Schütz'sche Stiftung).

Das Schloß ist heute Privatbesitz, wurde 1984 restauriert und kann nicht besichtigt werden.

Literatur und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Prof. Dr. Albert Endres:
Die Niederweiser Schloßherren und ihr Anteil an der Geschichte des Nimstals. Beiträge zur Geschichte des Bitburger Landes, Heft 1/2004, Nr. 54 (2004), 15-27
Prof. Dr. Albert Endres: Das Schloß zu Niederweis in der Dorfchronik. Gester an Hätt, Heimatkundliche Zeitschrift der Verbandsgemeinde Irrel, Heft 26 (2000), 3-9
Webseite des Heimatforschers Prof. Dr. Albert Endres, Sindelfingen:
http://www.aendres.de
Herrn Endres, Niederweis, ein herzliches Dankeschön für Informationen zur Ortsgeschichte
http://www.schloss-niederweis.de/

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