Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 628
Bernkastel-Kues (Mosel): Kues - im Zeichen des Krebses

Das Stift des Nicolaus Cusanus

Das Cusanus-Stift oder St.-Nikolaus-Hospital liegt in Kues auf der Westseite der Mosel. Im Kern handelt es sich um ein spätgotisches Gebäude, das 1458 von dem Theologen, Philosophen, Rechtsgelehrten, Naturwissenschaftler, Bischof von Brixen und Kurienkardinal Nikolaus Cusanus und seinen Geschwistern gestiftet wurde. Es war als Armenhospital gedacht und sollte genau 33 alleinstehenden Personen Obdach geben nach folgendem Verteilungsschlüssel: 6 Adlige, 6 Kleriker, 21 Bürgerliche. Erst war es ein reines Männer-Hospital, seit 1960 ist es gemischt. Auch heute noch dient der Bau seinem ursprünglichen Zweck als Altenheim, und damit ist das Cusanusstift das älteste, kontinuierlich in der ursprünglichen Tradition geführte Altersheim in Deutschland. Nikolaus von Kues stammte zwar aus bürgerlichem, aber aus wohlhabendem Hause. Als Schiffer und Händler gehörte sein Vater der aufstrebenden Schicht des Bürgertums an, die durch eigene Bemühungen ansehnlichen Grundbesitz und Ansehen erworben hatten. Aus diesem reichen Erbe wurde das Stift bedacht, wobei zu den Liegenschaften auch ein Weingut gehörte. Nach eigenen Angaben hatte der Stifter (mit seinen Geschwistern) 10000 Goldgulden für die Stiftung aufgewendet.

Die spätgotische Anlage wurde am Ufer der Mosel errichtet, Einweihung war 1465, ein Jahr nach dem Tod des Stifters. Dabei wurde nicht an bauplastischer Ausschmückung gespart, wie der wunderschöne Kreuzgang mit schönen Schlußsteinen und phantasievollen Konsolfigürchen an den Rippenenden beweist. In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden die Stiftsgebäude dem Zeitgeist entsprechend außen barockisiert. Aus dieser Zeit stammt auch der Moseltrakt und die hofseitige Nordfassade des Vierflügelbaus mit ihrem repräsentativen barocken Wappengiebel. Das Kardinalswappen stammt selbstredend nicht aus der Gründungszeit, denn Nikolaus von Kues ist ein Mann der Spätgotik.

Barockes Wappen im Giebel über der Nordfassade: Bestes Licht ganz früh morgens oder spät abends. In Gold ein senkrecht gestellter roter Krebs, das Wappen der bürgerlichen Familie Cryfftz (Krebs), aus der Nikolaus Cusanus stammte. Ein Engel hält darüber den roten Kardinalshut mit weißen Schnüren und goldenen Fiocchi. Die zwei Schildhalterlöwen halten mit einer Pranke den Schild; mit der anderen Pranke greifen sie nach den Schnüren.

Neuzeitliches Wappen im Bogen des Hauptportals. Bestes Licht nachmittags, Westseite. In Gold ein senkrecht gestellter roter Krebs, das Wappen der bürgerlichen Familie Cryfftz (Krebs), aus der Nikolaus Cusanus stammte, hier von einem roten Kardinalshut mit grüner Kordel und goldenen Fiocchi überhöht.

Detailvergrößerung vom Schlußstein des Torbogens.

Barockes Wappen an einem Bogen der Nebengebäude, Südseite. In Gold ein senkrecht gestellter roter Krebs, das Wappen der bürgerlichen Familie Cryfftz (Krebs), aus der Nikolaus Cusanus stammte.

Nikolaus von Kues starb zwar in Todi (Umbrien), und sein Leib ist in Rom beigesetzt, aber sein Herz fand seine letzte Ruhe in der Hospitalkirche, in seiner eigenen Stiftung. Die Stiftung war der Erbe des Kurienkardinals, und mit dem Tod erbte das Stift auch die umfangreiche Bibliothek des Gelehrten, heute mit 314 teilweise kostbar illuminierten Handschriften aus dem 9.-15. Jahrhundert, alle damaligen Wissensgebiete umfassend, eine Kostbarkeit ersten Ranges, die hier aufbewahrt wird. Ganz komplett ist sie nicht mehr, ca. 60 Bücher wurden früher veräußert und befinden sich heute in anderen Sammlungen.

Blick auf das Cusanus-Stift von Südwesten. Die Gebäude gruppieren sich als Vierflügelanlage um einen Kreuzgang. Man kann eine Seite des Kreuzgangs besichtigen und die Kirche. Gleich linkerhand des Eingangs befindet sich ein exquisiter spätgotischer Türsturz, zwei Engel halten das Krebswappen, darüber ein Kardinalshut mit netzartig verflochtenen Fiocchi. Ein zweites Wappen auf demselben Türsturz zeigt das Wappen des Bistums Brixen, in Rot ein golden nimbiertes, zurückblickendes silbernes Gotteslamm, das mit dem rechten Vorderbein ein silbernes Banner hält, das mit einem rotes durchgehenden Kreuz belegt ist. Zwei Engel halten eine Mitra darüber. Vielfach wird dieses Wappen fälschlicherweise für das Wappen der Abtei Prüm gehalten, das mit den Trierer Kurfürsten assoziiert ist. Das ist es definitiv nicht, denn damals gehörte Prüm noch nicht zu Trier, und das Brixener Bischofswappen hat ein ganz ähnliches Aussehen. Als Nikolaus Cusanus 1458 die Stiftung des St.-Nikolaus-Hospitals in Kues tätigte, war er bereits 8 Jahre lang Fürstbischof von Brixen.

Blick von Süden auf die spätgotische Kirche des Cusanus-Stiftes. Der Raum hat eine interessante Konstruktion mit achteckiger Mittelsäule, die sich nach oben in 12 Rippen auffächert. In der Kirche befindet sich eine Grabplatte der Clara Cryfftz (Criftz), einer Schwester des Nicolaus Cusanus, die mit ihm zusammen die Stiftung tätigte.

Literatur und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
http://www.bernkastel.de/bernkastelkues/sehenswertes/nicolauscusanus/
http://www.bautz.de/bbkl/n/nikolaus_v_ku.shtml
http://www.cusanus.de/

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