Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 627
Bernkastel-Kues (Mosel): Kues - im Zeichen des Krebses

Das Geburtshaus des Nicolaus Cusanus

In Kues auf der nördlichen Moselseite am Ortsausgang in Richtung Lieser steht direkt an der Uferstraße das Geburtshaus von Nikolaus von Kues, wo der spätere Theologe, Philosoph, Rechtsgelehrte, Naturwissenschaftler, Bischof von Brixen und Kurienkardinal 1401 als Sohn des Kaufmanns und Schiffers Johann Cryfftz (Krebs) und dessen Frau Katharina, geb. Römer, das Licht der Welt erblickte. Vom Familiennamen sind mehrere Formen überliefert wie Cryfftz, Cryfts, Krieffts oder auch Krevers. Berühmt wurde der Sohn als Nicolaus Cusanus, die latinisierte Variante von Nikolaus von Kues. Zunächst nannte sich Nikolaus noch mit dem latinisierten Familiennamen "Nycolaus Cancer de Coeße", ab 1430 fiel der Familienname weg, und er nannte sich nur noch nach dem Ort, "Nicolaus Treverensis" oder "Nicolaus de Cußa". Ab 1440 ist für ihn der Name "Nicolaus Cusanus" bezeugt, unter dem ihn heute die Geschichte kennt. In diesem Haus hat Nikolaus von Kues sein philosophisches Hauptwerk "De docta ignorantia" am 12. Februar 1440 fertiggeschrieben, ein bedeutendes Werk an der Nahtstelle zwischen Mittelalter und Neuzeit, das mittelalterliche Theologie einerseits und neue Erkenntnisse zum Weltbild andererseits reflektiert. In der Form, in der es Nikolaus von Kues bewohnte, präsentiert sich das Haus heute nicht mehr. Um 1570 wurde es vollständig erneuert.

Heute präsentiert sich das zweistöckige Haupthaus mit großen Kreuzstockfenstern zur Straße hin, einem Zinnenkranz rings um das steile Dach. Rechts oben an der Hauptfassade sitzt exzentrisch der große Wappenstein, stilistisch der Renaissance zuzuordnen. Im Bogen steht die Bauinschrift "Anno Domini MDLXX" - 1570. Die mit zierlichen Rankenornamenten, schräggekreuzten Hellebarden und Fahnen in manieristischem Stil gefüllten schmalrechteckigen Flächen bergen eine zweite Datierung auf kleinen, schräggestellten Kartuschen, 1571 wurden diese Einfassungen vollendet. Unter dem Wappen mit dem roten, pfahlweise gestellten Krebs der Familie Cryfftz (=Krebs) die Inschrift "Insignia reverendissimi Dni Nicolai Cusani Cardinalis et Epi Brixien Affixa Anno Dni 1570" - Das Zeichen des ehrwürdigen Herrn Nicolaus Cusanus, Kardinal und Bischof von Brixen, wurde im Jahre des Herrn 1570 angebracht.

Kurzer Lebensweg des Nikolaus von Kues: 1416 ging er zum Studium nach Heidelberg und immatrikulierte sich für die Freien Künste, 1417-1423 studierte er in Padua beide Rechte und promovierte zum Doctor decretorum. Diese Zeit in Padua brachte ihn mit den italienischen Humanisten in Kontakt. Ab 1425 studierte er Theologie und Philosophie an der Universität Köln. Aufsehen erregte Nikolaus 1433 durch seine Entlarvung der Konstantinischen Schenkung als Fälschung des achten Jahrhunderts. 1432-36 ist seine Teilnahme am Konzil zu Basel bezeugt, wofür er 1433 die grundlegende Schrift "De concordantia catholica" verfaßte. Das Konzil wurde zur Bühne, auf der er sich entfalten konnte und die Aufmerksamkeit erhielt, die den Grundstein für seine weitere Karriere bildete. 1437-38 führte ihn eine Reise nach Konstantinopel, nach seiner Rückkehr verfaßte er 1440 die oben erwähnte grundlegende Schrift "De docta ignorantia", 1442/43 gefolgt von "De coniecturis". 1438-1448 war er Gesandter des Papstes bei den Reichstagen und Fürstentagen in Deutschland. 1448 wurde er in Anerkennung für seinen unermüdlichen Einsatz für das Papsttum zum Kardinal ernannt, seine Titelkirche war San Pietro in Vinculi in Rom. Zwei Jahre später folgte erst die feierliche Amtseinführung als solcher, ebenfalls 1450 wurde er Fürstbischof von Brixen, was ihm eine unruhige Zeit in Gegnerschaft zu Herzog Sigismund von Tirol einbrachte, welcher Nikolaus sogar zeitweise gefangen setzte. 1458 führte er die Stiftung des St.-Nikolaus-Hospitals in Kues durch. 1459 wurde Nikolaus zum Generalvikar des Kirchenstaates ernannt. 1464 stirbt er in Todi (Umbrien).

In der Tat ist es kein zeitgenössisches Wappen der Familie, sondern das Wappen des Kardinals; ein Engel hält einem roten Kardinalshut ohne Fiocchi und Kordeln über den Schild, während selbigen rechts und links zwei grimmig-glubschäugige Löwen halten, der optisch rechte sich schon in freudiger Erwartung die Schnauze leckend. Man achte auf die exquisite plastische Darstellung des Krebses im Schild, der hier silbern tingiert ist, in anderen Beispielen aber golden, was auch eigentlich gemeinhin als Schildfarbe angenommen wird, und so wird der Krebs auch heute in einem Viertel des Bernkasteler Stadtwappens geführt. Der Siebmacher gibt unter "Cusanus" keine Schildfarbe an. Bestes Licht zum Photographieren hat man von Vor- bis Nachmittag; die Fassade ist ziemlich genau nach Süden ausgerichtet.

In den 70er Jahren des 20. Jh. war das Anwesen dem Verfall nahe, konnte aber gerettet werden, wobei man sich bemühte, den Zustand nach dem Umbau 1570 wiederherzustellen. Es gehört der Stadt Bernkastel-Kues und wurde 1980 nach umfangreicher Restaurierung als Museum (Ausstellung "Nikolaus von Kues 1401-1464, Leben und Werk im Bild") eröffnet.

Literatur und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
http://www.bernkastel-kues.de/kultur_kunst/cusanus_geburtshaus/cusanus_geburtshaus.html
http://www.bernkastel.de/bernkastelkues/sehenswertes/nicolauscusanus/
http://www.bautz.de/bbkl/n/nikolaus_v_ku.shtml
http://www.cusanus.de/pdf/lebensdaten.pdf

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