Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 612
Neckarsteinach am Neckar

Die ev. Pfarrkirche in Neckarsteinach:
Doppelgrabmal für Hennel Landschad von Steinach (gest. 1377) und seine Gemahlin Mia von Sickingen

Hennel von Landschad war einer der vier Stadtgründer, die in einer Urkunde von 1377 genannt werden. Es ist das zweitälteste Grabdenkmal, nur 8 Jahre nach dem für Ulrich V, seinen Vater. Beides gotische Grabmäler, beide figürlich, und doch ein großer Unterschied. Betrachten wir die Schrift am Rand: Bei dem 8 Jahre älteren Grabdenkmal für seinen Vater Ulrich V ist die Oberkante der Schrift innen, die Unterkante außen. Die Lesbarkeit ist dann gegeben, wenn die Platte erhöht liegt und man außen dran vorbeigeht - klassisches Tumba-Grab. Hier beim Sohn ist die Unterkante der Schrift innen und die Oberkante außen - so eine Platte ist dafür konzipiert, daß der Betrachter davor steht und die Schrift quasi von der Mitte des Feldes aus liest - das war keine Tumba mehr, sondern ein Wanddenkmal.

Die Inschrift lautet: "Anno dni. mccclxxvii in yd. sept. ob. Hennel lantschad" - Im Jahre des Herrn 1377 am 11. September starb Hennel Landschad". Das Grabmal ist eines der ältesten in der Kirche, genauer das zweitälteste, stilistisch noch ganz der Gotik verhaftet. Beide Ehepartner werden von einem gotischen Kielbogen eingerahmt, der mit Krabben besetzt ist und oben in eine Kreuzblume ausläuft. Der Landschad-Helm ist zwischen der Beiden Wappenschilde und Köpfe platziert, der Sickingen-Helm ist nicht abgebildet. Solche Anordnungen, beide Schilde nur mit dem Kleinod des Mannes, findet man zwar häufiger, dann ist der Helm aber meistens über den einander zugeneigten Schilden platziert. Hier erreicht man durch die Anordnung optimale Raumausnutzung innerhalb der Tafel. Zu beiden Seiten der Anordnung jeweils eine gotische Fiale.

Wappen Landschad: In Gold eine schwarze Harfe. Die Helmzier ist ein gekröntes Männerhaupt mit wild wucherndem Haupt- und Barthaar, auch als Davidshaupt bezeichnet, das Haar die Helmdecke ersetzend.

Wappen Sickingen: In Schwarz 5 (2:1:2) silberne Kugeln. (Die Swicker-Linie hatte noch einen roten Bord.) Helmzier wäre ein silberner (Gruber) oder goldener (Scheiblersches Wappenbuch) Schwanenrumpf, rückwärts mit hahnenfedergezierten roten Kugeln (auch als rote Äpfel mit drei schwarzen Blättern interpretiert) besteckt. Helmdecken rot-silbern (Gruber) oder schwarz-silbern (Wappenbuch der Stadtbibliothek in Zürich) bzw. schwarz-golden oder schwarz-silbern (Rahrbach) oder schwarz-golden (Scheiblersches Wappenbuch). Eine der bedeutsamsten südwestdeutschen Ritterfamilien, der Stammsitz ist Sickingen im Kraichgau. Wichtige Familiensitze waren Landstuhl und Ebernburg. Vermutlich eine Abspaltung der von Flehingen, die ein ähnliches Wappen führen. 1632 Reichsfreiherren, eine Linie 1773 Reichsgrafen, ausgestorben 1835. Der Letzte der von Sickingen starb 1932 in Wien, womit die ganze Familie erlosch.

Literatur und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Anneliese Seeliger-Zeiss, Evangelische Pfarrkirche Neckarsteinach, Schnell Kunstführer Nr. 1401, 1. Auflage 1983, Verlag Schnell & Steiner GmbH, München, Zürich, Regensburg.
Stammbaumtafel und auf vorbildliche Weise erläuternde Hinweisschilder im Innern der evangelischen Pfarrkirche
http://www.neckarsteinach.com/barrierefrei/html_bf/stadt_einrichtungen_evkirche.html
http://www.ekhn.de/

Neckarsteinach: Hinterburg - Besitzstein - Kirchenportal - Ev. Kirche: Epitaph für A. E. v. Helmstatt - Hennel L.v.S. - A. Bock v. Gerstheim - Ulrich V L.v.S - Hans IV L.v.S. - Hans Ulrich I L.v.S. - Hans III L.v.S. - Eberhard II L.v.S. - Hans Philipp L.v.S. - Hans Bleikhard L.v.S - Blicker XIV L.v.S.

Ortsregister Photos von Wappen - Namensregister
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2007
Impressum

Veröffentlichung der Innenaufnahmen mit freundlicher Genehmigung von Frau Pfarrerin Marion Rink, Neckarsteinach, vom 18.7.2007