Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 595
Friedberg (Wetterau)

Friedberg: Schloß (Burgmannenhaus Kronberg) (6): Zufahrtstor

Der Bereich des ehemaligen Burgmanneshauses Kronberg, der spätere Amtssitz des jeweiligen Burggrafen, ist gegenüber dem Rest der Burg Friedberg mit einem Tor abgegrenzt. Es handelt sich um eine hochgeometrische Konstruktion im Stile der Renaissance. Der Hauptdurchgang ist in ein Rechteck einbeschrieben, das auf halber Höhe mit einem Sims markiert ist, dort setzt auch der Bogen an. Diese Halbteilung gibt das Maß für den Bogenscheitel der Seitendurchgänge. Nimmt man nicht das Hauptgesims, sondern die Kapitelle als Anhaltspunkt, ist der Hauptdurchgang einem Quadrat einbeschrieben. Beide Seitendurchgänge sind mit einem Dreiecksgiebel versehen; der Hauptdurchgang trägt einen Aufsatz, zwischen dessen zwei Teilen es zu einem gewaltigen stilistischen Bruch kommt.

In der Tat wurde dieses Tor in der Renaissance errichtet, aus dieser Zeit stammt der untere Teil des Aufsatzes mit flankierenden Pilastern und Voluten an den Flanken. Das Tor wurde wesentlich später renoviert, aus dieser Zeit stammt der obere Teil des Aufsatzes, stilistisch der Mitte des 18. Jh. zuzuordnen.

Das untere Wappen zeigt zwei Schilde und ist ein Allianzwappen, ein Ehewappen. Heraldisch rechts Kronberg (Flügelstamm), gewendet und geviert: Feld 1 und 4 Rot (gewendet!), Feld 2 und 3 (gewendet!) in Silber vier (2:2) blaue Eisenhütlein (silbern-blauer pfahlförmig angeordneter Eisenhutfeh). Helmzier ein Flug, von Rot und in Silber vier (2:2) blaue Eisenhütlein (silbern-blauer pfahlförmig angeordneter Eisenhutfeh) geviert (hier mit gewendet). Helmdecken rot-silbern.

Heraldisch links das Wappen der Ehefrau, Freiin Anna Riedesel zu Eisenbach, sie führt hier das Stammwappen, in Gold ein schwarzer (natürlicher) Eselskopf mit einem dreiblättrigen Riedgras im Maule. Das Helmkleinod ist ein offener schwarzer Flug, beiderseits mit einem goldenen Schildchen mit dem schwarzen Eselskopf belegt, Decken schwarz-golden. Man beachte, daß hier auf den beiden Flügeln der Eselskopf höhenversetzt dargestellt ist, nicht der Blasonierung und sonstigen Darstellungen entsprechend; man könnte mutmaßen, daß der Künstler eine Art "Partnerlook" anstrebte und es den höhenversetzten Eisenhütlein des Ehemannes gleichtun wollte.

Die darstellerische Qualität ist mit Abstand geringer als am Schloß selber.

Das obere Wappen mit der den Stilwechsel erklärenden Inschrift "REN(OVIERT). 1752" besteht aus drei Wappenschilden, alle ohne Oberwappen, davon der mittlere größer und über den beiden anderen stehend. Es handelt sich hier um die gleiche Kombination von Wappen, wie wir sie auch am viereckigen Sockel des St.-Georg-Brunnens finden: In der Mitte der amtierende Burggraf, flankiert von den niedriger stehenden und entsprechend niedriger angebrachten beiden Burgbaumeistern.

Das Wappen des Burggrafen Freiherr von Breidenbach zu Breidenstein ist geviert. Feld 1 und 4: In Gold ein schwarzes Mühleisen (Stammwappen, auch als doppeltes Wolfseisen bezeichnet). Feld 2 und 3: In Gold eine blaue Wolfsangel (Doppelhaken), oft in Form von Kleeblättern durchbrochen (hier nicht (mehr ?) zu erkennen; Wappen von Diedenshausen). Helmzier wäre ein sitzender Wolf zwischen einem wie der Schild gevierten offenen Flug. Helmdecken wären schwarz-golden.

Die von Breidenbach genannt Breitenstein sind hessischer Uradel, der auch in Bayern eingetragen war. Bezüglich der Bezeichnung gibt es einige Verwirrung, weil im Siebmacher das Stammwappen, das hier als Mühleisen dargestellte Objekt, auch als doppeltes Wolfseisen angesprochen wird, die dort angebotenen Abbildungen jedoch auch einem doppelten Maueranker sehr ähnlich sehen. Vom Motiv her zeigt das vorliegende Wappen jedoch eindeutig ein Mühleisen mit der rechteckigen Aussparung zur Einpassung der Antriebswelle und den vier hakenförmig gebogenen Enden, die im Stein in herausgehauenen Nuten zu liegen kamen. Ältere Abbildungen, wie z. B. in der Hospitalkirche zu Biedenkopf, zeigen dagegen abweichend spiralig eingerollte Enden und keine Mittelaussparung, was einem doppelten Wolfseisen näher kommt. Wir haben dort dasselbe Motiv wie bei den von Hatzfeld und das gleiche Bezeichnungsproblem.

Früher war das Mühleisen/das Wolfseisen jedoch rot. Die Hauptlinie änderte es in Schwarz um. Es gibt außerdem noch eine jüngere Seitenlinie, die das Mühleisen (Wolfseisen) in Rot beibehielt und auch rot-goldene Decken hat.

Zur optisch Linken wird der "Chef" unterstützt vom Wappen des Burgbaumeisters Freiherrn Groschlag von Dieburg. In Blau 3 von Rot und Silber in zwei Reihen geschachte Schräglinksbalken (hier Wappenschild aus Courtoisie gewendet), zwischen dem ersten und zweiten Balken schräg eine goldene Krone. Helmzier wäre ein wachsender Männerrumpf in blauem, wie der Schild bez. Gewand. Helmdecken wären rot-silbern.

Zur heraldisch Linken befindet sich das Wappen des damaligen zweiten Burgbaumeisters Hermann Friedrich Freiherr Riedesel von Eisenbach. Das Wappen ist geviert mit Herzschild. Feld 1 und 4: In Gold ein schwarzer (natürlicher) Eselskopf mit einem dreiblättrigen Riedgras im Maule (Stammwappen), Feld 2 und 3: In Rot zwei gekreuzte goldene Lanzen (lt. Korrektur im Siebmacher). Herzschild: In Schwarz drei (2:1) silberne Türme (Alt-Eisenbach, vgl. Korrektur im Siebmacher). Zwei Helme würden zu diesem Wappen gehören, zum einen ein offener schwarzer Flug, beiderseits mit einem goldenen Schildchen mit dem schwarzen Eselskopf belegt (Stammhelm), Decken schwarz-golden, zum anderen die Lanzen wie im Schild, Decken rot-golden (lt. Korrektur im Siebmacher).

Gebäude links des Renaissance-Tores (Kavalierbau)

Position der besprochenen Wappen im schematischen Burggrundriß.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Burg Friedberg:
http://www.wissenportal-friedberg.info/index.html - Geschichte: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal18.html - Georgsbrunnen: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal07.html - Rundgang: http://www.wissenportal-friedberg.info/Rundgang_Burg.html - Südseite: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal03.html - Nordseite: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal04.html - Burgkirche: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal08.html - Wache und Kanzlei: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal09.html - Schloß: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal06.html - Wetterauer Rittergesellschaft: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wetterauer_Rittergesellschaft.html
Burgfreunde Friedberg:
http://www.burgfreunde-friedberg.de/index2.html
Hermann Roth, Burg und Stadt Friedberg - Ein Wegweiser durch ihre Sehenswürdigkeiten und ihre Geschichte, Druck und Verlag Carl Bindernagel, Friedberg 1959
An den Gebäuden und auf dem Burggelände angebrachte Informationstafeln
Wolfhard Vahl: Die Familie von Breidenbach und die Wappenschilde in der Hospitalkirche zu Biedenkopf, http://www.vhghessen.de/inhalt/zhg/ZHG_106/02_Vahl_Breidenbach.pdf
persönliche Mitteilung von Herrn Dr. Wolfgang Gabriel
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
M. Müller-Hillebrand: Cronberg, Geschichte eines Rittergeschlechtes und seiner Burg, Verlag Waldemar Kramer Frankfurt 1950, 3. Auflage 1984, ISBN 3-7829-0084-7
Jutta und Wolfgang Ronner: Die Herren von Kronberg an Nahe, Neckar, Rhein und Main, Selbstverlag Wolfgang Ronner 1980, ISBN 3-9800322-0-5
Wolfgang Ronner, Stammtafel der Ritter, Herren und Grafen von Kronberg, Selbstverlag Wolfgang Ronner 1981, ISBN 3-9800322-1-3
Michael Keller, Stadtführer Friedberg, hrsg. vom Friedberger Geschichtsverein e.V., ISBN 3-87076-072-9
Michael Keller, Klaus-Dieter Rack, Hans Wolf, Burg Friedberg - Adolfsturm - Römisches Bad, hrsg. vom Friedberger Geschichtsverein e.V.
Friedberger Geschichtsverein:
http://www.friedberger-geschichtsverein.de
Burggymnasium
http://www.burggymnasium-friedberg.de/index.html - http://www.burg100.de/ - Burggeschichte: http://www.burg100.de/burggeschichte/burggeschichte.htm
Hans Wolf, Michael Keller, Dr. Klaus-Dieter Rack, Dr. Vera Rupp: Burg Friedberg:
http://www.fh-friedberg.de/fbhistorisch/Burg_Friedberg.pdf
Kulturdenkmäler in Hessen:
http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?obj=5496&session=913&event=Query.Details (Landesamt für Denkmalpflege Hessen)

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