Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 589
Friedberg (Wetterau)

Friedberg: Burgtor

An der breitgelagerten Front des stadtseitigen, südlichen, um 1500 entstandenen Tores der Burg Friedberg befindet sich über dem spitzbogigen Tordurchgang das in Sandstein gearbeitete Wappen der Burg Friedberg. Der Stil des Wappens korreliert nicht mit der Bauzeit des Tores. Ein unter dem Wappen vermauerter Gewölbeschlußstein, der hier sekundär eingebaut ist und ursprünglich aus der noch in staufischer Zeit errichteten, aber später mit einem Gewölbe versehenen Burgkapelle stammt, trägt die Jahreszahl 1493; der Wappenstein selbst aber ist ein Werk aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Da besagte Burgkapelle 1684 einstürzte, paßt das zeitlich ganz gut, daß dieser alte Gewölbestein beim Abtragen der Kapellenreste sekundär hier vermauert wurde.

Dem doppelköpfigen Reichsadler mit Schwert und Szepter in den Fängen ist ein Schild aufgelegt; der Adler wird von der Kaiserkröne überhöht. Feld 1: St. Georg zu Pferd, der Schutzheilige der Burg. Feld 2: Ein Löwe, darüber ein Schrägrechtsbalken. Feld 3: Eine zweitürmige Burg mit Torturm. Feld 4: Von Silber und Schwarz gespalten, das Wappen der Stadt Friedberg. Man achte auf die opulente Arbeit aus rotem Sandstein, insbesondere der Adlerschwanz sucht seinesgleichen.

Eine ganz ähnliche Komposition verwendet die mittelrheinische Reichsritterschaft, die auf der Burg Friedberg ihren Sitz hatte, in den Exlibris der Ritterschaftsbibliothek (Warnecke 1315): Das Wappen ist geviert, Feld 1: der schwarze Doppeladler, Feld 2: St. Georg zu Pferd über dem Drachen, Feld 3: Eine zweitürmige Burg mit Torturm, Feld 4: ein Löwe, darüber ein Schrägrechtsbalken. Im Wappen der mittelrheinischen Ritterschaft ist also das Friedberger Wappen nicht enthalten, dafür wurde der Adler nach innen in ein Feld gesetzt.

Blick auf das stadtseitige Tor. Während auf der Nordseite natürliche Hindernisse bestehen wie eine tiefe Schlucht und vorgelagertes sumpfiges Gelände, mußte die der Stadt zugewandte Südseite erheblich stärker künstlich befestigt werden. Ein breit gelagertes Burgtor, eine über einen tiefen künstlichen Graben (Hirschgraben) führende Brücke (früher eine hölzerne Zugbrücke, 1792 durch eine steinerne Brücke ersetzt), Zwinger, links daneben (nicht mehr im Bild) ein wuchtiger Flankierungsturm (Batterieturm von ca. 1500, 18.70 m Durchmesser, ursprünglich 20 m Höhe), und davor ein freies Feld sicherten den Zugang zur Anlage. Die zu verteidigende Seite mißt ca. 200 m. Das Burgtor selbst hat 32 m Breite. Rechterhand ist mit gehörigem Abstand zur Haupttoröffnung noch eine Personenpforte mit eigenem Steg über den tiefen Graben hinweg.

Auf der Seite der Stadt befand sich genau gegenüber das nördliche Stadttor, das aber nicht mehr existiert. Die Anlage vis-à-vis macht aber deutlich, wie separat Burg und Stadt waren, baulich und rechtlich und hinsichtlich ihrer Stellung im Reich. Das Stadttor an dieser Stelle stammte vom Ende des 15. Jh., aber es wurde 1632 durch eine barocke Schanze ersetzt, von der aber auch nichts mehr existiert, denn diese mußte dem Straßenausbau weichen.

Position des oben besprochenen Wappens im schematischen Burggrundriß.

Nordliches Tor und Adolfsturm. Das nördliche Tor besteht aus drei hintereinandergeschalteten Durchgängen, das innerste mit außen angebrachtem Falz für ein Fallgatter und Öffnungen für eine Zugvorrichtung. Im Bild ist der äußerste Riegel, nach einer Wegbiegung jenseits des Hauptgrabens. Der Schlußstein hat ein kleines Wappen mit doppelköpfigem, nimbierten Reichsadler (ohne Detailabbildung).

Geschichte der Burg Friedberg (1): Entstehung der Reichsburg
Die Gründung der Burganlage erfolgte im 12. Jh. Burg und Stadt entstanden planmäßig, um die Reichsgüter in der Wetterau zu sichern und die Durchgangsstraßen zu schützen. Entsprechend bestand die Hauptaufgabe der vom Kaiser eingesetzten Burgmannen zum einen in der Verwaltung der ertragreichen Reichsgüter, zum andern in der Gewährleistung der Sicherheit. Entsprechend wurden Burgmannen aus der Umgebung gewählt, nicht aus dem Hochadel, der zu stark werden konnte und eigene Interessen entwickeln konnte. Als Gegenleistung für die Wahrnehmung der Burghut wurden die Ritter mit Dienstgütern, Burglehen ausgestattet.

Mit Dimensionen von 200 m Breite und 325 m Länge sowie einer Flächenausdehnung von 39 000 Quadratmetern ist sie eine der größten Burganlagen Deutschlands.

Geschichte der Burg Friedberg (2): Friedberg erhält Selbstbestimmungsrechte
Im Jahre 1216 wird „Wridburc“ erstmalig urkundlich erwähnt. Zwischen 1275 und 1287 entwickelte sich die politische Besonderheit der Burg Friedberg: Sie wurde von Kaiser Rudolf von Habsburg mit dem besonderen Recht ausgestattet, daß es weder ein erbliches Burggrafentum gibt, noch durfte sich jemand das Burggrafenamt per Erbrecht anmaßen. Dies bedeutete eine Stärkung der Burgmannen gegenüber dem König und begründete eine Sonderstellung dieser Burg. Dennoch blieb sie Stützpunkt des Reiches, reichsunmittelbar, also direkt dem Kaiser unterstellt. 1349 wurde dieses Privileg erweitert: Der Burgfrieden Kaiser Karls IV verbrieft das Recht auf freie Wahl des Burggrafen allein durch die Burgmannen. Der Kaiser hatte also kein Recht mehr, in der „eigenen“ Reichsburg zu bestimmen, wer sie führte.

Geschichte der Burg Friedberg (3): Machtzuwachs und territoriale Herrschaft
Einen weiteren Bedeutungs- und Machtzuwachs erfuhr die Burg Friedberg ab 1306, als sie das Recht bekam, sechs Burgmannen, die sog. Adeligen Sechser, in den Rat der angrenzenden Reichsstadt Friedberg entsenden zu dürfen. Ferner hatte der Burggraf das Recht, einen Stadtschultheißen einsetzen zu dürfen. Auf den Höhepunkt der Macht und Bedeutung kam Burg Friedberg 1431, als sie in die Reichsmatrikel eingetragen wurde und Mitglied im Reichstag wurde.

Im 15. Jh. entwickelte sich die Burg Friedberg auch zu einer territorialen Herrschaft. 1455 beginnt die Burg mit dem Ankauf von Pfandschaftsanteilen der Stadt Friedberg, die 1349 von Kaiser Karl IV verpfändet worden war. 1475 wurde die Burggrafschaft Friedberg gegründet: Der Burg wurde die Landesherrschaft im Freigericht Kaichen bestätigt. Damit hatte die Burg territoriale Rechte über 12 Ortschaften in der Wetterau. Weitere territoriale Rechte kamen hinzu. 1542 erhält die Burg von Kaiser Karl V das Recht auf eigene Münzprägung, auch dies ein Unikum.

Die angrenzende Stadt Friedberg, eigentlich selbst eine Reichsstadt, geriet immer mehr unter den Einfluß der Reichsburg. Nicht nur durfte die Burg Ratsmitglieder entsenden und einen Schultheißen einsetzen, nicht nur besaß die Burg Pfandschaftsanteile, ab 1483 mußte die Bürgerschaft jedem neugewählten Burggrafen huldigen.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Burg Friedberg:
http://www.wissenportal-friedberg.info/index.html - Geschichte: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal18.html - Georgsbrunnen: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal07.html - Rundgang: http://www.wissenportal-friedberg.info/Rundgang_Burg.html - Südseite: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal03.html - Nordseite: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal04.html - Burgkirche: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal08.html - Wache und Kanzlei: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal09.html - Schloß: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal06.html - Wetterauer Rittergesellschaft: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wetterauer_Rittergesellschaft.html
Burgfreunde Friedberg:
http://www.burgfreunde-friedberg.de/index2.html
Hermann Roth, Burg und Stadt Friedberg - Ein Wegweiser durch ihre Sehenswürdigkeiten und ihre Geschichte, Druck und Verlag Carl Bindernagel, Friedberg 1959
An den Gebäuden und auf dem Burggelände angebrachte Informationstafeln
Michael Keller, Stadtführer Friedberg, hrsg. vom Friedberger Geschichtsverein e.V., ISBN 3-87076-072-9
Michael Keller, Klaus-Dieter Rack, Hans Wolf, Burg Friedberg - Adolfsturm - Römisches Bad, hrsg. vom Friedberger Geschichtsverein e.V.
Friedberger Geschichtsverein:
http://www.friedberger-geschichtsverein.de
Burggymnasium
http://www.burggymnasium-friedberg.de/index.html - http://www.burg100.de/ - Burggeschichte: http://www.burg100.de/burggeschichte/burggeschichte.htm
Hans Wolf, Michael Keller, Dr. Klaus-Dieter Rack, Dr. Vera Rupp: Burg Friedberg:
http://www.fh-friedberg.de/fbhistorisch/Burg_Friedberg.pdf
Kulturdenkmäler in Hessen:
http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?obj=5496&session=913&event=Query.Details (Landesamt für Denkmalpflege Hessen) - http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?obj=5557&session=913&event=Query.Details
Exlibris der mittelrheinischen Reichsritterschaft:
http://www.antiquariat-rieger.de/B-Nov/41504.jpg

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