Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 585
Schloß Westerwinkel (Herbern, Westfalen)

Schloß Westerwinkel im Münsterland

Ein idyllisches Ensemble aus Schloß, Park und Wasser
Schloß Westerwinkel liegt ca. 1 km westlich von Herbern inmitten eines weitläufigen parkartigen Geländes, das heute teilweise von einem Golfplatz eingenommen wird, umgeben von einem mehrfachen Gräftensystem. Das eigentliche Schloß ist eine Vierflügelanlage mit quadratischem Pavillonturm an jeder Ecke, von einfachen Satteldächern über den vier Flügeln und verschieferten achtseitigen steilen Hauben über den Türmen bedeckt, sich direkt aus dem Wasser der Innengräfte erhebend, mit nur einer einzigen Brücke Verbindung zur Vorburg im Norden habend. Diese besteht aus mehreren unregelmäßig angelegten Gebäuden, zur Vierflügelanlage hin offen, im Westen befindet sich ein weiteres Torhaus mit Brücke über die zweite viereckig das Ganze umschließende Gräfte. Damit folgt die Anlage dem so oft in Westfalen zu beobachtenden Bautypus des auf zwei Inseln angelegten Schlosses, eine Insel für die Hauptburg, und eine für die Vorburg, hier auf besondere Weise, da die wallartigen Fortführungen der Insel der Vorburg die innerste Gräfte konzentrisch umschließen. Weitere Wassergräben folgen im Westen und schließen eine viereckige Garteninsel ein, die insgesamt so groß ist wie Hauptschloß und Wirtschaftshof zusammen. Alles zusammen bildet ein System von 200 x 350m. Was an Schloß Westerwinkel vor allem beeindruckt, ist zum einen die große bauliche Geschlossenheit; das Schloß ist wie aus einem Guß erbaut. Dazu trug natürlich im wesentlichen die kurze und ungestörte Bauphase bei. Zum anderen ist es die Weitläufigkeit und Großzügigkeit der Landschaftsplanung rings um das Schloß.

Wappendarstellungen auf Schloß Westerwinkel
Insgesamt gibt es auf Schloß Westerwinkel drei wappengeschmückte Portale: Das erste am Torhaus der Vorburg, das zweite über dem Eingang zur Vierflügelanlage, und das dritte schließlich am repräsentativen Eingang in den Westflügel des Haupthauses. Alle Wappen tragen das zusammengeschobene Wappen von Merveldt / von Westerholt. Hier ist es noch das zusammengeschobene Wappen, drinnen im Schloß finden sich weitere heraldische Dokumente aus späterer Zeit, die eine Weiterentwicklung zeigen: Finden sich außen am Schloß noch die Wappen Merveldt und Westerholt säuberlich in gespaltenem Schild getrennt, verschmelzen sie in späterer Zeit zu einem, und das Merveldt’sche Wappen kommt als Herzschild auf dem Westerholt-Lembeck’schen Hauptschild zu liegen.

Abb.: Blick auf den Eingang zum Hauptschloß in der Nordseite des Vierflügelbaus. Brücke und Torweg sind etwas aus der Mittelachse verschoben. Der Portalrahmen ist von toskanischer Ordnung und wird von einem Sprenggiebel bekrönt. Die Jahreszahl ist mit 1668 angegeben. Insgesamt ist von einer Erbauungszeit 1663-1696 auszugehen.

Merveldt - Westerholt: vielfältige Verbindungen
Die Beziehungen zwischen beiden Häusern sind vielfältig: Die von Merveldt und die von Westerholt sind beide westfälische Uradelsgeschlechter. Die gleichnamige Stammburg der von Westerholt liegt in der Herrschaft Recklinghausen. 1634 wurden sie in den Reichsfreiherrenstand erhoben, die von Merveldt 34 Jahre später. Mehrere Heiraten verbinden beide Familien:

Wappen von Merveldt
Das Stammwappen der von Merveldt zeigt in Blau ein goldenes Gitterwerk aus zwei sich überschneidenden Sparren und zwei Schrägstäben, einer schrägrechts, der andere schräglinks gelegt. Es handelt sich – auch wenn manche fehlerhafte Abbildungen (auch im Siebmacher) das so darstellen – nicht um ein verflochtenes Schräggitter. Dieser Sichtweise widerspricht der Augenschein auf Schloß Westerwinkel, denn über den oben spitz endenden Sparren ist immer ein Leerraum gelassen, ferner finden sich unten, obwohl Platz wäre, keine weiteren Schrägstäbe. Das Kleinod zeigt den Schild verkleinert zwischen zwei blauen und mit schrägen goldenen Stäben belegten Straußenfedern. Helmdecken blau-golden. Es gibt im Siebmacher andere Beschreibungen der Federn, nämlich nur golden, der Augenschein aller Wappen auf Schloß Westerwinkel spricht jedoch für die oben beschriebene Darstellung.

Abb.: Wappen im Sprenggiebel über der Durchfahrt zum Hauptschloß im Nordflügel mit dem zusammengeschobenen Ehewappen Merveldt/Westerholt. Beider Eheleute Wappen nehmen jeweils eine Spalthälfte ein. Alle drei Helmkleinode werden auf dem kombinierten Schild vereinigt, optisch von links nach rechts Westerholt, Merveldt, Lembeck.

Wappen von Westerholt
Das Wappen derer von Westerholt ist geviert. Feld 1 und 4 zeigen das Stammwappen Westerholt, von Schwarz und Silber gespalten und zweimal geteilt. Helmzier auf schwarz-silbern bewulsteten Helm ein rot-bewehrter silberner Schwan mit offenen Flügeln, Flügel insgesamt in Farben und Teilungen wie der Schild (das Feld). Also der rechte Flügel ist schwarz mit silbernem Balken, der linke Flügel silbern mit schwarzem Balken. Feld 2 und 3 zeigen das Wappen Lembeck, in Rot auf silbern gezacktem Feld drei deichselförmig gestellte, mit den Spitzen auf das Zentrum gerichtete silberne Nägel. Dazu auf gekröntem Helm ein Flug, rechts silbern, links rot.

Im Siebmacher finden sich auch abweichende Angaben, nämlich für Feld 2 und 3 in rot einen silbernen Widderkopf, mit 3 blauen Nägeln besteckt. Dem widerspricht der Augenschein auf Schloß Westerwinkel deutlich. Später machte das Wappen Westerholt Veränderungen durch, das Wappen wurde um die Elemente Gysenberg und Raitz von Frentz erweitert (freiherrliches und gräfliches Wappen von Westerholt). Das neue Wappen trägt nun auf einem von Gysenberg und Raitz von Frentz gevierten Schild einen von Westerholt und Lembeck gevierten Herzschild.

Abb.: Ausschnittsvergrößerung. Das Ehewappen ist gespalten in Merveldt (vorne) und Westerholt (hinten). Helmkleinode optisch von links nach rechts Westerholt, Merveldt, Lembeck.

Die von Merveldt auf Westerwinkel
Die Familie von Merveldt gehört zum westfälischen Uradel und stammt von Burg Merfeld nordwestlich von Dülmen. Dort ist sie seit 1251 urkundlich belegt. Um 1430 wird die Familie mit dem Besitz Westerwinkel belehnt, Vorgänger waren die von Ascheberg. Der neue Besitzer war Hermann von Merveldt (1399-1450), Marschall des Fürstbischofs von Münster und Droste des Amtes Stromberg. Aufgrund finanzieller Engpässe kam der Besitz kurz wieder an die Familie von Ascheberg, worauf Hermanns Neffe ihn 1498 wieder zurückkaufte. Doch der Besitz ging wieder verloren, 1515 mußte er verkauft werden und gelangte an die Raesfeld zu Ostendorf, später an die von Diepenbrock zu Lake. Mit den Merveldts ging es erst wieder finanziell aufwärts, als Dirk von Merveldt eine wichtige Rolle bei der Eroberung Münsters aus den Händen der Wiedertäufer spielte und selbst den Täuferkönig Jan van Leyden gefangennahm. Die Kriegsbeute war reichlich, und mit ihrer Hilfe baute er in Wolbeck mit dem Drostenhof ein Meisterwerk der Renaissance. Als er 1555 Ursula von Diepenbrock zu Westerwinkel (die Erbtochter) ehelichte, war die Familie von Merveldt wieder im Besitz von Westerwinkel. Und diesmal blieb ihnen der Besitz, bis heute.

Eine entscheidende Wende trat rechtlich gesehen 1667 ein: War Westerwinkel bis dahin noch ein Lehensgut, so konnte es nun aus dem Hohenlimburger Lehensverhältnis herausgelöst werden. Westerwinkel wurde persönliches Eigentum der Familie von Merveldt. Nur ein Jahr später (17.2.1668) wurde Theodor Hermann von Merveldt (1624-1688) von Kaiser Leopold I in den erblichen Reichsfreiherrenstand erhoben. Genau dieser war es, der das heute sichtbare Schloß Westerwinkel erbauen ließ. Das Schloß in seiner Großzügigkeit und Weitläufigkeit drückt das gehobene Repräsentationsbedürfnis nach der Standeserhöhung aus. Doch damit war der gesellschaftliche Aufstieg der Familie noch nicht beendet – am 20.12.1726 wurden die Reichsfreiherren von Kaiser Karl VI in den erblichen Reichsgrafenstand erhoben.

Abb.: Blick auf das zweigeschossige Torhaus mit Zugbrücke und den Eckpavillon zur Linken. Früher waren hier Dienerwohnungen und Brauküche untergebracht; der Pavillon diente als Speicher. Die Jahreszahl datiert das Gebäude auf 1663. Über dem Portal mit Zugbrücke das unten abgebildete Ehewappen:

Abb.: Das Wappen am westlichen Torgebäude. Das Wappen ist ein Ehewappen, ein sog. zusammengeschobenes Wappen, und gespalten:

3 Helme hat das Wappen:

Abb.: Rechts: Blick auf die Nordfront des Hauptschlosses. Links: Blick auf den nordwestlichen Eckturm. Das Hauptschloß folgt einem klassischen Typus der Vierflügelanlage mit Eckpavillons. Davon gibt es berühmte Vorbilder und Vergleichsbauten, z. B. Ancy-le-Franc in Burgund, Aschaffenburg, Schloß Sternberg in Franken etc. Im Grunde steckt darin ein Kastelltyp, das als regelmäßige Bauform in der Renaissance wiederentdeckt wurde und hier eine späte Blüte erfährt, angesichts der Bauzeit aber konzeptionell schon etwas altertümlich wirkt. Als Baumeister gilt der fürstbischöfliche Ingenieur Peter Pictorius d. Ä. (1626-1685). Alle Seiten sind gleich gestaltet mit zwei Reihen gleichförmiger Steinkreuzfenster für Erdgeschoß und Obergeschoß, unten kleine Luken der Keller. Die Fenstergestaltung wird auf den Eckpavillons fortgesetzt. Wasserschlaggesimse gliedern die Fassade horizontal. Das Material ist Bruchstein für den Sockel sowie Ziegel für die Mauern, alles verputzt, sichtbarer Sandstein für die Eckquaderung. Im Erdgeschoß liegen alle Repräsentationsräume in einfacher Folge in voller Breite der Flügel hintereinander. Im Südflügel befand sich das Quartier für hochrangige Gäste. Im Obergeschoß ist ein hofseitig umlaufender Flur, von dem die einzelnen Zimmer und Appartements abgehen, ein ganz anderes Anordnungskonzept.

Abb.: Blick auf das barocke Innenhofportal am Westflügel über einer doppelläufigen Freitreppe, reich gegliedert, genau in der Mittelachse befindlich. Die Bauinschrift lautet: DOMINE REFUGIUM FACTUS ES NOBIS A GENEATIONE IN GENERATIONE ANNO MDCLXIII – Herr, du bist für uns von Generation zu Generation Zuflucht, Anno 1663. Trotz dieser Jahreszahl ist das Portal aber erst 1680-1690 eingefügt worden. Beschreibung wie oben.

Die von Merfeldt - eine Familie in hohen Ämtern beim Fürstbischof
Die Grafen von Merveldt bekleideten im Laufe der Geschichte wichtige Ämter im Fürstbistum Münster, z. B.:

Und heute?
Der letzte Graf von Merveldt, Ferdinand, hatte nur eine Tochter. Diese heiratete 1949 Freiherr Johannes von Twickel. Um den Namen fortzuführen, wurde deren Sohn vom Großvater adoptiert. Die Familie lebt nun fort unter dem Namen Reichsgraf von Merveldt, Freiherr zu Lembeck, Freiherr von Twickel.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Karl E. Mummenhoff: Schloß Westerwinkel, Große Baudenkmäler Heft 365, 2. Auflage 1998, Deutscher Kunstverlag, München und Berlin.

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