Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 581
Friedberg (Wetterau)

Friedberg: St.-Georgs-Brunnen (2)

Wappen 7: Grafen von Ingelheim
Graf von Ingelheim, geviert: Feld 1 und 4: von Ingelheim (in Schwarz ein rot-golden geschachtes Kreuz. Feld 2 und 3: Echter von Mespelbrunn (in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen. Helm 1 ein wie der Schild bezeichneter offener Flug. Helmdecke rot-golden. Helm 2: Zwei wie der Schild bez. Büffelhörner, Helmdecken blau-silbern.

Die von Ingelheim sind ein uraltes Adelsgeschlecht aus der Rheinpfalz. Sie waren Erbkämmerer von Nassau. Die erste Erwähnung ist 1140, aber die eigentliche Stammreihe kann ab 1192 (Johann von Ingelheim) nachvollzogen werden. Es gab zwei Linien, die eine, die Beusser von Ingelheim, starb 1580 aus. Die andere Linie wurde bedeutsam für Franken. Erst nach der Reformation kam die Familie nach Franken, faßte durch die Heirat mit der Erbtochter der von Echter zu Mespelbrunn Fuß im Maingebiet, stellte dann aber zwischen 1623 und 1784 neun Domherren am St. Kilians-Dom zu Würzburg und einen Fürstbischof. Mit kaiserlicher Erlaubnis durften die von Ingelheim sich ab 1698 namentlich und wappenmäßig mit den Echter von Mespelbrunn vereinen. Der zukünftige Name der Familie lautete "Grafen von Ingelheim genannt Echter von und zu Mespelbrunn". Unter diesem Namen besteht die Familie noch heute. 1703 erfolgte die Erhebung in den Freiherrenstand, 1737 die in den Reichsgrafenstand (mit Franz Adolf Dietrich von Ingelheim).

Wappen 8: Dalberg
Das Wappen ist das der Freiherren von Dalberg, genauer das der Kämmerer von Worms, genannt von Dalberg (Dahlberg). Geviert. Feld 1 und 4: Unter einem mit drei Spitzen abgeteilten goldenen Schildhaupt mit einem schwarzen dreilätzigen Turnierkragen in Blau 6 (3:2:1) silberne Lilien (Kämmerer von Worms). Feld 2 und 3: In Gold ein schwarzes Ankerkreuz (Dalberg). Die dazugehörigen Helmzieren sind: 1/4: Ein wie der Schild bez. Flug. 2/3: Ein goldener Flug, belegt mit jeweils einem schwarzen Ankerkreuz. Die dazugehörigen Helmdecken sind schwarz- gold und blau-gold. Der schwarze Turnierkragen ist sozusagen ganz frisch, er wurde lt. Siebmacher per Gnadenbrief im Jahre 1738 verliehen.

Die Dalbergs stammen aus dem Nahegau und wurden erstmals 1208 nachgewiesen. Der Schwerpunkt der Besitzungen liegt im Rheinland, um Worms und Bad Kreuznach. Dalberg bei Bad Kreuznach war seit 1132 Stammsitz der Familie. Die Familie starb aber schon 1323 im Mannesstamme aus und verschmolz durch Heirat mit den Kämmerer von Worms, welche einst das Amt der Kämmerer des Bischofs von Worms bekleidet hatten und irgendwann ihre Amtsbezeichnung zu ihrem Familiennamen gemacht hatten. Die Kämmerer von Worms lassen sich schon im 10. und 11. Jh. identifizieren. Nach der Heirat zwischen den beiden ohnehin verwandten Familien vereinigte man beider Wappen in einem gevierten Schild und nannte sich "Kämmerer von Worms, genannt Dalberg" oder "Kämmerer von Worms, Freiherr von Dalberg". Die Familie stieg zu einer der wichtigsten und angesehendsten Adelsfamilien des Heiligen Römischen Reiches auf. Die Bekleidung von allerhöchsten Stellungen im Dienste der Kirche und des Reiches, die Funktion als Bischöfe, Erzbischöfe, Äbte, Fürstäbte, Präsidenten des Reichskammergerichts etc. kennzeichnete den Aufstieg der Familie.

Wappen 9: Breidenbach zu Breidenstein
Das Wappen der Freiherren von Breidenbach zu Breidenstein ist geviert. Feld 1 und 4: In Gold ein schwarzes Mühleisen (Stammwappen, ursprünglich war das noch kein Mühleisen, sondern ein doppeltes Wolfseisen, wie es noch in sehr alten Darstellungen abgebildet wird, z. B. in der Hospitalkirche zu Biedenkopf). Feld 2 und 3: In Gold eine blaue Wolfsangel (Doppelhaken), in Form von Kleeblättern durchbrochen (von Diedenshausen). Helmzier ein sitzender Wolf zwischen einem wie der Schild gevierten offenen Flug. Helmdecken schwarz-golden.

Die von Breidenbach genannt Breitenstein sind hessischer Uradel, der auch in Bayern eingetragen war. Bezüglich der Bezeichnung gibt es einige Verwirrung, weil im Siebmacher das Stammwappen, das hier als Mühleisen dargestellte Objekt, auch als doppeltes Wolfseisen angesprochen wird, die dort angebotenen Abbildungen jedoch auch einem doppelten Maueranker sehr ähnlich sehen. Vom Motiv her zeigt das vorliegende Wappen jedoch eindeutig ein Mühleisen mit der rechteckigen Aussparung zur Einpassung der Antriebswelle und den vier hakenförmig gebogenen Enden, die im Stein in herausgehauenen Nuten zu liegen kamen. Ältere Abbildungen, wie z. B. in der Hospitalkirche zu Biedenkopf, zeigen dagegen abweichend spiralig eingerollte Enden und keine Mittelaussparung, was einem doppelten Wolfseisen näher kommt. Wir haben dort dasselbe Motiv wie bei den von Hatzfeld und das gleiche Bezeichnungsproblem.

Früher war das Mühleisen/das Wolfseisen jedoch rot. Die Hauptlinie änderte es in Schwarz um. Es gibt außerdem noch eine jüngere Seitenlinie, die das Mühleisen (Wolfseisen) in Rot beibehielt und auch rot-goldene Decken hat.

Noch eine Anmerkung zu dem Doppelhaken, der in Form von Kleeblättern durchbrochen ist. Ältere Darstellungen haben diese Kleeblätter nicht. Sie kamen später als Farbsymbole hinzu, wurden dann aber unter Verkennung ihrer ursprünglichen Funktion mißverstanden und als fester Bestandteil des Wappens übernommen.

Nach diesem Wappen wird die Reihe für eine Inschriftenkartusche unterbrochen.

Wappen 10: Stein von Ostheim
Es folgt danach: Freiherr Philipp Ernst von Stein zu Nord- und Ostheim (Rhön), in Silber ein schwarzer Schrägbalken. Helmzier ein beiderseits wie der Schild bez. offener Flug, Schrägbalken sparrenweise gegeneinander geneigt. Helmdecken schwarz-silbern.

Die Stein von Ostheim sind bereits sicher im 13. Jh. nachzuweisen. Die geschlossene Stammreihe beginnt mit Sifrid von Stein 1273 bzw. 1308. Die Herren von Stein waren Lehnsnehmer und Amtsinhaber der Henneberger und des Hochstifts Würzburg. Vor der Reformation finden wir 6 Herren von Stein als Mitglieder des Domkapitels zu Würzburg. Einer der bedeutendsten Herren von Stein war Hertnidt von Stein, gest. 1491, Domdekan in Bamberg und vor allem ein großer Förderer des Humanismus. Ihre Gebiete lagen dicht bei ihrem Stammsitz, was ihnen auch den Namen "Fürsten der Rhön" eintrug. Seit 1669 sind die Stein im Freiherrenstand. Heute bewohnt die Familie das Schloß Völkershausen, das seit 1378 in Familienbesitz ist. Es gab noch eine Thüringer Linie, die aber 1922 im Mannesstamme erloschen ist.

Wappen 11: von Weitolshausen, gt. von Schrautenbach
Christian Ernst von Weitolshausen, genannt Schrautenbach, in Rot auf grünem Dreiberg ein silbernes schreitendes Schaf, Helmzier zwischen zwei blau-silbern geteilten Büffelhörnern ein wachsendes silbernes Schaf, Helmdecken blau-silbern (nach Aschaffenburger Wappenbuch, keine Angaben im Siebmacher). Das Geschlecht (auch Weitoldshausen oder Weitelshausen geschrieben) war in der Wetterau begütert.

Wappen 12: Löw von und zu Steinfurth
Das Wappen der Freiherren Löw von und zu Steinfurth zeigt in Blau einen silbernen Kranich, das Feld mit goldenen Steckkreuzen bestreut, meist sieben an der Zahl. Helmzier ein silberner Kranichrumpf zwischen einem blauen, mit goldenen Steckkreuzen belegten Flug. Helmdecken blau-silbern.

Die Löw von Steinfurt sind hessischer Uradel. Sie stammen aus Steinfurt an der Wetter in Oberhessen. Ein weiteres Wappen der Familie befindet sich an einem Burgmannenhaus innerhalb der Burg (Nordwestecke). Das ist eine der wichtigsten Familien für Burg Friedberg, seit dem 15. Jh. war die Familie 30mal in der Burgmannschaft vertreten.

Wappen 13: von Franckenstein
Freiherr von Frankenstein zu Ockstadt, zweites vermehrtes Wappen ab 1706:

Es handelt sich bei den Feldern 2/5 und 3/4 um eine verändernde Übernahme des Wappens derer von Sachsenhausen, die einen gevierten Schild führten:

Dieses Wappen ist an einem Epitaph in der Kirche St. Kastor zu Koblenz zu sehen (Doppelgrabmal des Friedrich von Sachsenhausen (gest. 1411, Koblenzer Amtmann) und seiner Frau Sophie Schenk von Liebenstein). Die Angabe im Siebmacherschen Wappenwerk "Feld 2, 3, 4 und 5 zu Sachsenhausen, welche jedoch den Schwan ohne Helm und keine Rosen führten" ist damit widerlegt.

Dazu gehören folgende Helme:

Die Herren von Franckenstein gelten als Abkömmlinge der Lützelbach-Breuberg und haben ihren Ursprung im Odenwald, von wo aus sie sich in Rheinhessen ausbreiteten. Die Stammburg der Ritter und Herren von Franckenstein liegt nicht in Franken, sondern in Hessen im Gebiet der Grafen von Katzenelnbogen und wurde später von Hessen-Darmstadt übernommen. Im Rheinland gehören sie zum Uradel, eines der ältesteingesessenen Rittergeschlechter. Später finden wir sie in den Ritterkantonen Rhön-Werra, Steigerwald und Ortenau, sowie Mittelrheinstrom. Mitglieder der Familie sind zahlreich in den rheinischen Stiften Mainz, Worms und Speyer als Domherren vertreten.

Wappen 14: von Bettendorf
Freiherr von Bettendorf. Das Stammwappen derer von Bettendorf ist in Rot ein silberner Ring, hier in den Feldern 1 und 4 des gevierten Wappens. Die zugehörige Helmzier ist auf rot-silbernem Wulst ein silberner Ring, oben besteckt mit einem schwarzen Hahnenfederbusch (Helm 1). Die Helmdecke ist rot und silbern. Feld 2 und 3 zeigen unter einem Schildhaupt 6 (3:2:1) Lilien. Das ist das Wappen der Brömser von Rüdesheim; im Jahre 1694 wurde das Wappen der Bettendorf anläßlich der Erhebung in den Freiherrenstand um dieses Element vermehrt. Die Brömser von Rüdesheim hatten lt. Lit. unter silbernem Schildhaupt in Schwarz 6 (3:2:1) silberne Lilien. Deren Helmzier ist ein schwarzer Hut, in dessen silbernem Aufschlag zwei schwarz-silbern übereck geteilte Federstöße stecken.

Die von Bettendorf stammen ursprünglich aus der Oberpfalz und kamen am Anfang des 15. Jh. mit dem kurpfälzischen Burggrafen zu Stahleck und Amtmann zu Bacharach an den Rhein. Die Familie wird im 15. Jh. als Burggrafen zu Bacharach erwähnt. Sie besaßen Güter im Rheinland, in Baden und in Württemberg. Es gibt verschiedene Linien. Sie stellten Domkapitulare in Mainz, Bamberg, Worms, Würzburg und sogar Augsburg. Bedeutende Vertreter der Familie sind Johann Friedrich von Bettendorf, Fürstbischof zu Worms 1552-1580, und Adolph Johann Carl von Bettendorf, Geheimrat in Kurmainz, Ritterhauptmann am Mittelrhein, gest. 15.12.1705.

Position der besprochenen Wappen im schematischen Burggrundriß.

Würdigung:
Die Burg Friedberg war Sitz einer einzigartigen reichspolitischen Konstellation. Das Bestehen einer reichsunmittelbaren Korporation aus Adels-Familien, die ihren Burggrafen aus ihren eigenen Reihen auf Lebenszeit selbst wählen, ist etwas Einzigartiges. Der Brunnen legt Zeugnis von dieser politischen Struktur ab: Brurggraf, zwei Burgbaumeister, 10 Regimentsburgmannen - die Anordnung der Wappen auf dem Brunnen und ihre Stellung zueinander gibt exakt deren politische Stellung zueinander wieder. Der Brunnen ist nicht nur ein Abbild der politischen Struktur, sondern auch Symbol der Eigenverwaltung einer reichsunmittelbaren exklusien Gemeinschaft.

Der letzte Burggraf verzichtete 1817 auf sein Amt.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Burg Friedberg:
http://www.wissenportal-friedberg.info/index.html - Geschichte: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal18.html - Georgsbrunnen: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal07.html - Rundgang: http://www.wissenportal-friedberg.info/Rundgang_Burg.html - Südseite: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal03.html - Nordseite: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal04.html - Burgkirche: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal08.html - Wache und Kanzlei: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal09.html - Schloß: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wissenportal06.html - Wetterauer Rittergesellschaft: http://www.wissenportal-friedberg.info/Wetterauer_Rittergesellschaft.html
Burgfreunde Friedberg:
http://www.burgfreunde-friedberg.de/index2.html
Wolfhard Vahl: Die Familie von Breidenbach und die Wappenschilde in der Hospitalkirche zu Biedenkopf, http://www.vhghessen.de/inhalt/zhg/ZHG_106/02_Vahl_Breidenbach.pdf
persönliche Mitteilung von Herrn Dr. Wolfgang Gabriel
Michael Keller, Stadtführer Friedberg, hrsg. vom Friedberger Geschichtsverein e.V., ISBN 3-87076-072-9
Michael Keller, Klaus-Dieter Rack, Hans Wolf, Burg Friedberg - Adolfsturm - Römisches Bad, hrsg. vom Friedberger Geschichtsverein e.V.
Friedberger Geschichtsverein:
http://www.friedberger-geschichtsverein.de
Burggymnasium
http://www.burggymnasium-friedberg.de/index.html - http://www.burg100.de/ - Burggeschichte: http://www.burg100.de/burggeschichte/burggeschichte.htm
Hans Wolf, Michael Keller, Dr. Klaus-Dieter Rack, Dr. Vera Rupp: Burg Friedberg:
http://www.fh-friedberg.de/fbhistorisch/Burg_Friedberg.pdf
ein herzliches Dankeschön an Frau Ellengard Jung für wertvolle Hinweise
Kulturdenkmäler in Hessen:
http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?obj=5496&session=913&event=Query.Details (Landesamt für Denkmalpflege Hessen) - http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?obj=5591&session=913&event=Query.Details

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