Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 576
Bischofsstadt Eichstätt

Eichstätt: Willibaldsburg, Nord-Bastion

Nach dem Dreißigjährigen Krieg mit seinen Zerstörungen und Leiden war es vor allem die lange Regierungsperiode von Marquard II. Schenk von Castell (reg. 1636–1685), die dem Wiederaufbau Eichstätts gewidmet war. Für die Burg hieß das auch Verstärkung der Befestigungen und Beseitigung der Schwachstellen, die die zweimalige Eroberung möglich gemacht hatten. So wurden vor allem die beiden Bastionen vor der Elias-Holl-Fassade verstärkt. Alle Basteien wurden mit Kasematten für Geschütze ausgestattet. Die von Nordwesten nach Südosten langgestreckte Anlage der Willibaldsburg wird im Norden und im Westen von je einer Dreiecksschanze gesichert. Zwischen beiden ist noch eine vorgeschobene Lünette. Heute ist der Bereich rings um die Lünette von lichtem Wald bedeckt, und auf ihr wachsen im Frühling wilde Küchenschellen. An der Nordspitze der Nordbastion befindet sich das Wappen des Fürstbischofs, der diese Verstärkungen errichten ließ:

Das Besondere an diesem Wappen ist, daß es in der Mitte geknickt und ums Eck geführt ist. Der Schild folgt der Mauer ums Eck, die Form ordnet sich bis zur "Unbrauchbarmachung" des Schildes der Architektur unter. Wegen dieser Lage fehlt im Schild selbst ein Hinweis auf das Bistum Eichstätt, denn ein Herzschild, wie bei flächigen Darstellungen gewählt, käme genau auf der Kante zu liegen.

Das Wappen von Marquard II. Schenk von Castell (reg. 1636–1685) ist geviert:

Bei diesem Typus würde man einen Herzschild (in Rot ein silberner aufrechter Krummstab, Hochstift Eichstätt) erwarten, doch das fehlt hier.

Vier Helme zieren das Wappen, davon zwei auf jeder Seite des Knicks:

Hinter dem Schild schräggekreuzt Krummstab und Schwert.

Blick aus dem Bastionsgraben auf die Nordbastion, rechts im Bild die Kurtine unterhalb des Hochschlosses, links die Rückseite der vorgeschobenen Lünette. Der Schatten rechts im Bild wird schon von der Westbastion (Hofmühlbastei) geworfen.

Oben: Blick durch das lichte Kiefernwäldchen auf die wappengeschmückte Ecke der Nordbastion, unten Blick über die Spitze der nördlichen Dreiecksbastion auf das sich darüber erhebende Hochschloß. Der Altmühlschleife zugewandt ist die Zweiturmfassade von Elias Holl. Ihr Erscheinungsbild heute entspricht nicht dem ursprünglichen Konzept, das eine starke Ähnlichkeit mit der vom gleichen Baumeister errichteten Fassade des Augsburger Rathauses aufweist. Der Flügel hatte früher drei Geschosse mit gleichartig gereihten Fenstern. Über der Fassade war eine Terrasse mit Balustrade und Ädikula. Die Türme hatten über dem Oktogon ebenfalls ein weiteres Stockwerk und Zwiebelhauben. Der Anblick des Augsburger Rathauses liefert einen guten Vergleich, wie es früher einmal war. Insgesamt war der Eindruck früher höher, schlanker, eleganter als heute.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher, bes. Band Bistümer
Reclams Kunstführer Bayern
Wolfgang Kootz, Willi Sauer: Bischofsstadt Eichstätt im Naturpark Altmühltal, Stadtführer, 2003 Kraichgau-Verlag, ISBN 3-929228-10-6
Amtlicher Führer: Die Willibaldsburg in Eichstätt, bearbeitet von Manfred F. Fischer, 1977, Bayerische Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, München

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