Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 570
Bischofsstadt Eichstätt

Eichstätt: Willibaldsburg, Innerer Hof des Gemmingenbaus

Der Nordflügel des innersten Hofes, also im sog. Gemmingenbau, ist der älteste Teil und stammt noch aus dem Mittelalter, während die anderen Flügel ein Werk der Renaissance darstellen. Er ist unregelmäßig und kleiner durchfenstert, den Fenstern fehlen die für die beiden anderen Seiten typischen abwechselnd geschlossenen und gesprengten Dreiecks-Giebel. Zwischen den Fensten des Obergeschosses befindet sich ein gut erhaltener, plastischer und bemalter Wappenstein des Bischofs Wilhelm von Reichenau (reg. 1464–1496)

Das Wappen von Wilhelm von Reichenau (reg. 1464–1496) ist geviert:

Zwei Helme:

Die von Reichenau sind fränkischer Uradel aus der Ansbacher Gegend. Sie dürfen nicht verwechselt werden mit einer mährischen Familie, deren ansonsten sehr ähnliches Wappen die Farben rot-silber-schwarz-silber hat. Wilhelm von Reichenau hatte von Kaiser Friedrich III im Jahre 1490 das erweiterte Privileg erworben, Schlösser, Städte und Märkte im Hochstift Eichstätt zu befestigen.

Das heutige Aussehen des Hofes entspricht nicht mehr der Gestaltung, wie sie der Renaissance-Architekt Elias Holl 1609 geplant und teilweise ausgeführt hat. Südseite und Westseite waren früher höher, sie hatten ein drittes Stockwerk. Der Hof muß also früher wesentlich höher und enger gewirkt haben. Dieses zweite Obergeschoß wurde im 19. Jh. abgebrochen, wie auch ein Erker, der am mittelalterlichen Flügel rechts im Bild war. Die Renaissance-Flügel des Gemmingen-Baus wurden zwar im wesentlichen unter Bischof von Gemmingen konzipiert und in Angriff genommen, vollendet wurden sie aber erst unter seinem Nachfolger von Westerstetten, dessen Wappen sich in sehr flachem Relief über den Arkaden der Südseite befindet. Er mußte sich bereits bei seiner Wahl verpflichten, die von seinem Vorgänger begonnenen Bauten zu vollenden. Der Plan von Elias Holl wurde aber nicht zur Gänze ausgeführt. Der mittelalterliche Flügel rechts im Bild sollte abgebrochen werden, das an der Rückseite des Hofes sichtbare Portal sollte die Mittelachse der neuen Anlage bilden, dieser Flügel insgesamt fünfachsig werden. Auch der nicht realisierte Nordflügel hätte dann Arkaden wie beim Südflügel bekommen.

Das Wappen von Johann Christoph von Westerstetten (reg. 1612–1636) ist geviert:

Helme:

Bischof von Westerstetten kümmerte sich auch mit besonderem Eifer um die Neuanlage von Bastionen, den militärischen Erkenntnissen seiner Zeit entsprechend.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher, bes. Band Bistümer
Reclams Kunstführer Bayern
Wolfgang Kootz, Willi Sauer: Bischofsstadt Eichstätt im Naturpark Altmühltal, Stadtführer, 2003 Kraichgau-Verlag, ISBN 3-929228-10-6
Amtlicher Führer: Die Willibaldsburg in Eichstätt, bearbeitet von Manfred F. Fischer, 1977, Bayerische Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, München

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