Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 56
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Wappen in der Marienburg zu Würzburg, Teil 2: Bibra-Wappen und Wirsberg-Wappen

Wappen von Bibra

Wappen des Bischofs Lorenz von Bibra (1495-1519) über dem Eingang zum Treppenturm mit der Jahreszahl 1511. Geviert. Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken. Feld 2 und 3: Stammwappen von Bibra, in Gold ein steigender schwarzer Biber mit geschupptem Schwanz. Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg.

In den vier Ecken der Relieftafel befindet sich eine aus vier Schilden bestehende Ahnenprobe. Heraldisch rechts oben befindet sich der einwärts gewendete Schild der von Bibra wie beschrieben. Er steht hier für die väterliche Stammlinie des Fürstbischofs. Sein Vater war Hans von Bibra (-1473), fürstbischöflicher Amtmann, sein Großvater war Georg von Bibra. Gegenüber sehen wir auf der heraldisch linken, oberen Stelle der Ahnenprobe das Wappen der Schenk von Schenkenwald, fünfmal im Zinnenschnitt geteilt, wobei als Tinkturen alternierend einerseits Gold und andererseits eine silbern-rote mehrfache Schrägteilung benutzt werden. Die Mutter des Fürstbischofs war Margaretha Schenk von Schenkenwald (gest. ca. 1481), Tochter des Peter Schenk von Schenkenwald und dessen Frau Agatha Schenk von Schweinsberg. Heraldisch unten rechts ist das Wappen der Voit von Salzburg, in Silber ein schwarzer Zickzackbalken mit 5 Spitzen. Hier steht der Schild für die Großmutter väterlicherseits, Sophia Voit von Salzburg, Tochter des Otto Voit von Salzburg und der Margaretha von der Kere. Als vierten und letzten Schild der Ahnenprobe sehen wir den der Schenk von Schweinsberg, er ist geteilt, oben in Blau ein schreitender goldener Löwe, unten in Silber 4 (3:1) rote Rauten. Hier steht der Schild für die Großmutter mütterlicherseits, Agatha Schenk von Schweinsberg.

Eine identische Ahnenprobe für den Würzburger Fürstbischof Lorenz von Bibra finden wir am Kirchturm der Volkacher Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus, weiterhin an der Zehntscheuer in Haßfurt, im Gewölbe der Wallfahrtskirche Dettelbach und am Alten Schloß in Mellrichstadt. Für seinen Bruder Hans finden wir eine identische Ahnenprobe am Unteren Schloß in Bibra (Grabfeld).

Die fränkischen Bibra standen früher in den Diensten der Henneberger, eventuell waren sie auch Ministerialen der Klöster Hersfeld und Fulda. In Würzburg bekleideten die von Bibra traditionell das Amt des Erb-Untermarschalls, erst im Wechsel mit den von der Kere (Kehr, Keer), später nach deren Erlöschen ab 1654 alleine. Eine zweite Ehrenstellung erlangte die Familie von Bibra ab 1721: Sie hatten dann auch das Amt der Erbtruchsessen im Hochstift Bamberg inne, ein Amt, das früher die Truchseß von Pommersfelden bekleideten, nach deren Aussterben gingen Besitz und Wappen der Truchsessen von Pommersfelden an die Schönborns, das Amt aber an die von Bibra. Vertreter der Familie sind eng mit dem Hochstift Würzburg verbunden und leisteten diesem wichtige Dienste. In kirchlicher oder ritterlich-kirchlicher Hinsicht ist die Familie von Bibra eines der bedeutendsten fränkischen Geschlechter: Zwei Bischöfe von Würzburg (Lorenz und Konrad), ein Fürstbischof von Fulda (Heinrich von Bibra), in Hersfeld Äbte und Pröpste, dsgl. in Veßra und Rohr, sechs Ritter des Deutschen Ordens, zwischen 1394 und 1790 achtzehn Mitglieder des Domkapitels zu Würzburg, in Bamberg vierzehn Domherren - der Name Bibra steht in Franken für beispiellosen Einsatz für kirchliches Geschehen in Franken. Heute existieren von der Familie Bibra aus dem Valentinischen Stamm die Linie Adelsdorf (Euerheim) und Gleicherwiesen, aus dem Bernhardischen Stamm die Linien Brennhausen, von und zu Bibra und Irmelshausen.

Wappen von Wirsberg

Wappen des Bischofs Friedrich von Wirsberg (1558-1573). Geviert. Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken. Feld 2 und 3: Stammwappen von Wirsberg, von Silber und rot im Zinnenschnitt geteilt, unten gemauert. Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg.
Die drei Helmzieren sind von Wirsberg (Mitte, spitzer roter Hut mit silbernem Aufschlag, oben mit einem von Silber und Rot schrägquadrierten Knopf und einem schwarzen Hahnenfederbusch (fehlt hier) besteckt), 2 im Spitzenschnitt rot-silbern geteilte Büffelhörner (gehören zum Fränkischen Rechen) sowie drei Straußenfedern zwischen zwei wie im Schild bez. Standarten (Hochstift Würzburg). Die Wirsberg-Helmdecken sind rot-silbern.

Das Geschlecht derer von Wirsberg ist seit 1231 belegt. Es handelt sich um ein Ministerialengeschlecht der Andechs-Meranier. Die Burg Wirsberg ist ca. um 1200 herum erbaut worden; sie wurde von Anfang an von der Familie verwaltet. Die Hauptsitze der Familie sind Wirsberg, Lanzendorf und Waldthurn, daneben noch Glashütten und Gunzendorf. Die Familie von Wirsberg fällt durch besonders viele geistliche Ämter auf: Domherren, Äbte und Äbtissinnen und ein Fürstbischof, regional Regensburg, Hof, Würzburg, Augsburg, Bamberg, Waldsassen, Eichstätt. Berühmte Familienmitglieder sind Friedrich von Wirsberg, Fürstbischof von Würzburg 1558-1573, Johannes von Wirsberg, Abt im Kloster Waldsassen 1363-1371, noch ein Johannes von Wirsberg, ebenfalls Abt, aber im Kloster Langheim 1366-1376, Albrecht Eitel von Wirsberg 1598 und Hans Adam von Wirsberg 1617 jeweils Ritterhauptmann Gebirg.

Der Innenhof der Festung Marienberg

Blick auf Kapelle und Brunnenhaus im Innenhof

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Würzburger Fürstbischöfe:
(Markiert sind die, deren Wappen sich im innersten Schloßhof der Marienburg befinden)

Gerhard von Schwarzburg 1372-1400
Johann I. von Egloffstein 1400-1411
Johann II. von Brunn 1411-1440
Sigismund von Sachsen 1440-1443
Gottfried IV. Schenk von Limpurg 1443-1455
Johann III. von Grumbach 1455-1466
Rudolf II. von Scherenberg 1466-1495
Lorenz von Bibra 1495-1519
Konrad II. von Thüngen 1519-1540
Konrad III. von Bibra 1540-1544
Melchior Zobel von Giebelstadt 1544-1558
Friedrich von Wirsberg 1558-1573
Julius Echter von Mespelbrunn 1573-1617
Johann Gottfried von Aschhausen 1617-1622
Philipp Adolf von Ehrenberg 1623-1631
Franz von Hatzfeld 1631-1642

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Schlösser und Burgen in Unterfranken, von Anton Rahrbach, Jörg Schöffl, Otto Schramm. Hofmann Verlag Nürnberg 2002, ISBN 3-87191-309-X
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.

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