Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 543
Bischofsstadt Eichstätt

Eichstätt: Dom, Denkmal von Zehmen

An der südlichen Wand des Willibaldschores ist ein Epitaph für einen der letzten Eichstätter Fürstbischöfe. Es ist in klassizistischem Stil gehalten und wurde von Ignaz Alexander Breitenauer geschaffen. In seinem Stil und seiner Gestaltung weicht es sehr von den theatralischen Inszenierungen seiner Vorgänger ab. In der Tat war Bischof von Zehmen ein Zeitgenosse der Aufklärung, und das drückt das Denkmal aus. Die Inschrift ist nicht in Latein, sondern in Deutsch gehalten. Die Symbolik ist sehr weltlich - oben befindet sich kein Gottvater und keine Auferstehungsszene, sondern der Gott Chronos, der Gott der Zeit mit Sanduhr in der Hand. Rechts und links Feuerschalen wie an einem antiken Altar. Der rechte Putto hielt früher wohl eine erloschene Fackel als Symbol für das beendete Leben. Der Bischof kniet in demütig betender Haltung, doch das Objekt seiner Anbetung ist nicht wie in früheren Grabmälern eine Christusfigur o.ä., sondern transzendent. Girlanden bestimmen die Einfassungen, geraffte und gefaltete Tuchstreifen sind ein wichtiges Gestaltungselement. Auf der linken Seite hält ein Putto in einem ovalen, leicht nach rechts geneigten Schild das Vollwappen des Bischofs Johann Anton III. Freiherr von Zehmen (reg. 1781-1790).

Wappen von Zehmen:

Vier Helme sind auf dem Wappen zu sehen:

Die Familie Zehmen ist ein meißnisches Geschlecht, das auch in Mecklenburg begütert war. Stammsitz war Zehmen bei Zwenkau im Raum Leipzig. Verbreitung in Sachsen und Preußen.

Wappen von Zehmen (ausführlich siehe oben): Schwarz-silbern geschacht mit zwei blauen Balken. In der Ahnenprobe steht der Schild für George Oswald von Zehmen (1618-1654).

Wappen der Waldbott von Bassenheim, zwölffach rot-silbern geständert. Helmzier wäre ein silberner Schwan, dessen erhobene Flügel mit je einem 12fach rot-silbern geständerten Schildchen belegt sind. Helmdecke wäre rot-silbern. In der Ahnenprobe steht der Schild für Johann Philipp Freiherr Waldbott von Bassenheim, Herr zu Olbrück (geb. 1627).

Wappen von Metsch: In Silber ein blauer Sparren bzw. auch eingebogener Sparren. Im Stammwappen wird es als eingebogener Sparren beschrieben, in den vermehrten Wappen ist es eher ein Sparren. Helmzier wären zwei Büffelhörner, übereck von Silber und Blau geteilt. Helmdecken blau-silbern. Vogtländisches und sächsisches Rittergeschlecht. Als die von Metsch in den Reichsfreiherrenstand erhoben wurden, wurde das Wappen geviert mit einer goldenen Krone in Rot. Als Reichsgrafen wurde ein Wappen geführt, dem ein Schild mit dem Reichsadler als Herzschild aufgelegt war. Das Wappen wurde später mit dem der von Khevenhüller vereinigt. In der Ahnenprobe steht der Schild für Rahel (von) Metzsch (Metsch), aus Reichenbach (um 1615-1661). Adlige Namensträger Metzsch (Metsch) erscheinen oft auch ohne das Adelsprädikat "von".

Wappen Knebel von Katzenelnbogen (Katzenellenbogen): In Silber ein rotes Schildchen, im rechten Obereck begleitet von einem schwarzen Ring. Helmzier wäre ein rotes und ein silbernes Eselsohr. Helmdecken wären rot-silbern. Aus dieser Familie entstammt ein weiterer Eichstätter Bischof. In der Ahnenprobe steht der Schild für Johann Philipp Knebel von Katzenelnbogen (5.11.1588 - 1659), Vater eines anderen Eichstätter Bischofs, nämlich Johann Anton I Knebel von Katzenelnbogen, und Großvater der Gründerin und Oberin des Klosters Herz Jesu in Eichstätt, Maria Anna Charlotte Knebel von Katzenelnbogen, und natürlich Urgroßvater des hier zur Debatte stehenden Bischofs von Zehmen.

Wappen von Franckenstein: Der Schild des ersten vermehrten Wappens ist geviert:

Dazu gehören folgende Helme (hier nicht mit abgebildet):

In der Ahnenprobe steht der Schild für Marie Catharina von Franckenstein.

Wappen von Thumshirn: Das Wappen dieses 1750 mit dem Oberjägermeister Wilhelm Heinrich von Thumshirn erloschenen Geschlechtes, welches früher im Gothaischen und Altenburgischen lebte, ist geviert:

Die zugehörige Helmzier wäre ein wachsender Geharnischter, in der Rechten ein Schwert über sich schwingend, zwischen zwei Adlerflügeln, der rechte silbern und mit drei roten Balken belegt, der linke mit einem Schragen belegt. Helmdecken wären rechts schwarz-gold und links rot-silbern.

In der Ahnenprobe steht der Schild für Wolf Conrad (von) Thumshirn (1604-1667), 1653-1667 Kanzler in Altenburg, 1646-1650 Diplomat bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden. Adlige Namensträger der Familie Thumshirn erscheinen oft auch ohne das Adelsprädikat "von". Die Thumshirn-Stammreihe beginnt mit Hans Thumbshirn um 1480 in Donitz (tschechisch Tuhnice, jetzt Ortsteil von Karlsbad /Karlovy Vary).

Wappen von Anna Maria Sidonia von Groerodt /Graerodt (um 1615-21.9.1697): In Schwarz ein goldener Balken, von drei (2:1) goldenen Ballen (Kugeln) begleitet (von Grärod, Grarath). Als Oberwappen führt die Familie einen gekrönten Helm, darauf nach Siebmacher ein wachsender silbern gewandeter Mann mit schwarzem Gürtel, eine Breithacke auf der Schulter tragend. Gewand im Gruber als schwarz beschrieben. Helmdecken schwarz-golden. Die Knebel von Katzenelnbogen beerbten die von Grärod/Grarath/Graurod und vereinigten die beiden Wappen in einem gevierten Schild.

Wappen von Maria Elisabeth Bertram (1620-26.11.1692), geviert, 1 und 4: in Gold ein Löwe. 2 und 3: 5x geteilt (Farben unbekannt, der Schaffur nach müßte eine Tinktur Schwarz sein, Hinweise willkommen). Maria Elisabeth Bertram ist die Tochter von Dr. Bernhard (Bernd) Bertram, geb. in Quedlinburg am 12.1.1591, 1625-1640 fürstlich sächsischer Kanzler in Altenburg, gest. in Altenburg am 25.2.1640, sowie Maria Timaeus (1597-1652), und entstammt damit einer bürgerlichen Familie, taucht aber hier im Rahmen dieser Ahnenprobe mit dem Adelsprädikat "von" auf.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher, bes. Band Bistümer
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Dr. Claudia Grund, Der Dom zu Eichstätt, Hrsg. Domkapitel Eichstätt, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg, 2007, ISBN 978-3-89870-293-5
Ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise zur Genealogie an Herrn Matthias Horbank, Callenberg
http://www.bistum-eichstaett.de

Dom (1): Seckendorff - Dom (2): Wirsberg - Dom (3): Gottsmann - Dom (4): Rechenberg - Dom (5): Wolfstein - Dom (6): Eyb - Dom (7): Freyberg - Dom (8): Ulm - Dom (9): Zehmen - Dom (10): Leonrod-Totenschild - Dom (11): Speth - Dom (12): Leonrod-Denkmal - Dom (13): Hirnheim - Dom (14): Knebel-Pforte - Dom (15): Pfeffenhausen/Heideck - Dom (16): Freyberg/Westchor - Dom (17): Knebel-Denkmal

Die Walpoden und die Waldbott von Bassenheim

Ortsregister Photos von Wappen - Namensregister
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus dem Dom mit freundlicher Erlaubnis des Herrn Domkapitular Manfred Winter, Summus Custos, als Vertreter des Bischöflichen Ordinariats Eichstätt, vom 07.05.2007, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei.

© Copyright Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2007-2008
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de