Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 527
Bischofsstadt Eichstätt

Eichstätt: Das Mortuarium - Teil (6): Wappen von Hochstift und Domkapitel

Dieser prächtige Schlußstein zeigt drei Wappenschilde. Das Wappen des Hochstifts ist in Rot ein silberner Krummstab, das des Domkapitels in Rot drei schreitende Löwen (sog. "Leoparden des hl. Willibald") übereinander, und der dritte Schild ist schließlich der des Bischofs zur Erbauungszeit des Gewölbes, der auch in der Inschrift als Bauherr genannt wird: Wilhelm von Reichenau (reg. 1464–1496), dreimal rot-gold-schwarz-gold geteilt. Alle drei Schilde sind dreipaßartig zusammengestellt. Seine Helmzier, die hier nicht abgebildet ist, wäre ein zwischen zwei wie der Schild geteilten Büffelhörnern stehender Vogel.

Zu den sog. "Leoparden des hl. Willibald" - angeblich soll der hl. Willibald, erster Bischof von Eichstätt, der Legende nach ein Prinz von England gewesen sein und dieses Wappen dem Domkapitel verliehen haben - was aber historisch nicht ganz zutrifft, auch heraldisch nicht, denn die englischen sind echte, also hersehende Leoparden, die des Domkapitels sind in den meisten Fällen jedoch schreitende Löwen, also nicht hersehend, wie auch hier am Schlußstein. Aber wir brauchen eigentlich gar nicht diese Feinheiten zu diskutieren: Willibald, Wunibald und Walburga lebten im 8. Jahrhundert - da gab es definitiv weder Wappen noch Heraldik in unserem Sinne. Und damals herrschten im Königreich der Angelsachsen noch keine Plantagenets, und auch gesamt-englische Könige gab es noch nicht, sondern eine Schar von Kleinkönigen. Das wurde alles Willibald & Co. viel später angedichtet, um ihm eine edle Abstammung nachzuweisen. Wie auch immer, das Domkapitel hat über dieses Legenden-Konstrukt in gutem Glauben oder zumindest in guter Absicht damals das Wappen von England angenommen als das des Hl. Willibald, und genauso hat es das Walburga-Kloster angenommen. Die Hl. Walburga ist übrigens die Schwester des Hl. Willibald. Eine dritte Institution, die das gleiche Wappen führt, ist übrigens das von Wunibald gestiftete Kloster in Heidenheim.

Am gotischen Portal befinden sich zwei weitere Wappen (Abb. oben), wie eben das Wappen des Hochstifts einerseits, in Rot ein silberner Krummstab, und das des Domkapitels andererseits, in Rot drei schreitende Löwen übereinander, ausnahmsweise sogar hersehend und damit wirklich den englischen Leoparden entsprechend.

 

Exkurs: Die anthropomorphen Konsolen des Mortuariums

Links: Meisterkonsole, Selbstdarstellung des Steinmetzen und Baumeisters mit Zirkel in der Hand und seinem Steinmetzzeichen auf dem Schild. Es handelt sich um den Dombaumeister Hans Paur. Die Inschrift datiert die Konsole auf 1497.

Literatur und Links:
Siebmachers Wappenbücher, bes. Band Bistümer
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Aschaffenburger Wappenbuch
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Dr. Claudia Grund, Der Dom zu Eichstätt, Hrsg. Domkapitel Eichstätt, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg, 2007, ISBN 978-3-89870-293-5
http://www.bistum-eichstaett.de
http://www.bistum-eichstaett.de/dom/domfuehrung/mortuarium.htm

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Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus dem Mortuarium mit freundlicher Erlaubnis des Herrn Domkapitular Manfred Winter, Summus Custos, als Vertreter des Bischöflichen Ordinariats Eichstätt, vom 07.05.2007, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei.

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