Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 524
Bischofsstadt Eichstätt

Eichstätt: Das Mortuarium - Teil (3): Deckenfelder 12-17

Gewölbefeld 12:

An dieser Wappenkombination paßt einiges nicht ganz, vermutlich ein Restaurierungsfehler: Zum einen taucht zweimal das Ahnenwappen Jahrsdorf auf, zum anderen ist ein Wappen "Seuburg" mit den drei Ringen unbekannt, vermutlich handelt es sich um das Wappen "Neipperg", als "Neyburg" o.ä. geschrieben. So würde es plausibler, denn es gab einen Domherren namens Alexander von Jahrsdorf (19.10.1545-13.2.1604/1606), dessen anderweitig belegte Ahnenprobe auch in Bamberg an einem Domherrenhaus angebracht ist und der im Kapitelhaus Bamberg Grab und Metallplatte besitzt sowie ein Epitaph in Eichstätt. Seine Eltern waren Hans Diepold von Jahrsdorf und Magdalena von Neipperg. Seine Großeltern väterlicherseits waren Theobald von Jahrsdorf und dessen Frau Barbara vom Stain zum Rechtenstein. Für diese Seite stimmt alles mit der Ausmalung des Gewölbefeldes überein, und die Wappenschilde stimmen. Die Großeltern mütterlicherseits waren jedoch Ludwig von Neipperg (in Rot drei (2:1) silberne Ringe) und Katharina von Stockheim (geteilt, oben golden, unten in Schwarz ein goldenes Schräggitter). Diese beiden würde man eigentlich auf der heraldisch linken Seite erwarten. Alexander von Jahrsdorf wurde Domsänger und Domherr zu Augsburg, 1559 Domizellar in Würzburg, 1571 Domkapitular und Domscholaster zu Bamberg, 1573 Kanonikus in Eichstätt, und in dieser Funktion sehen wir sein Wappen und seine Ahnenprobe im Mortuarium Eichstätt. Am 12.4.1580 sehen wir ihn wiederum als Domherrn in Bamberg. Die Familie hatte ihren Stammsitz in Jahrsdorf, heute Ortsteil der Stadt Hilpoltstein, Landkreis Roth in Mittelfranken. In Hilpoltstein existiert noch das Jahrsdorfer Haus als Stadtsitz der Familie. Später saß die Familie auf der Niederungsburg Zell, heute ebenfalls in die Stadt Hilpoltstein eingemeindet. Ab 1588 saß die Familie auch zu Oberstotzingen.

Gewölbefeld 13:

Gewölbefeld 14:

Zu dieser Wappenkombination paßt folgende Genealogie: Wilhelm V. Herzog v. Bayern (29.9.1548 - 1626) hatte Renata v. Lothringen (20.4.1544 - 22.5.1602) geheiratet. Die vier Großeltern sind Albrecht V. Herzog v. Bayern (29.2.1528 - 24.10.1579) und Anna v. Österreich (7.7.1528 - 1590) väterlicherseits sowie Franz I. Herzog v. Lothringen (1517 - 12.6.1545) und Christine von Dänemark (1521 - 1590) mütterlicherseits. Die Söhne von Wilhelm und Renata waren Maximilian I., der spätere Kurfürst v. Bayern (17.4.1573 - 27.9.1651), Philipp Wilhelm, der spätere Kardinal und Bischof von Regensburg (22.9.1576 - 1598), Ferdinand, der spätere Erzbischof von Köln (6.10.1577 - 13.9.1650) und Albrecht VI. v. Bayern Landgraf v. Leuchtenberg (13.4.1584 - 5.7.1666). Von diesen kommt hier nur Ferdinand in Frage, denn er war u. a. 1592-1602 auch in Eichstätt Domherr. Weitere Domherrenpfründen hatte er 1585 in Würzburg, 1585-1638 in Salzburg, 1586-1612 in Köln, 1587 in Trier und 1588-1609 in Passau, schließlich 1609 in Münster. Sein weiterer Aufstieg: 1591 Domthesaurarius zu Köln, 1591-1618 Dompropst zu Straßburg, 1593 päpstlicher Hausprälat, 1594 Fürstpropst von Berchtesgaden, 1595 Koadjutor von Köln, 1596-1612 Propst zu St. Cassius in Bonn, 1598 Dompropst zu Köln, 1601-1604 Kanoniker an St.Lambert in Lüttich, 1602 Koadjutor von Lüttich, 1611 Koadjutor von Münster, 1612 Koadjutor von Paderborn, so daß er in vier Bistümern gleichzeitig in Wartestellung für den Bischofsthron stand, 1612 wurde er nach dem Tod seines Onkels schließlich Erzbischof von Köln, gleichzeitig auch Bischof von Lüttich, Münster und Hildesheim, Abt zu St. Stablo und Malmedy, 1618/1619 wurde er auch noch Bischof von Paderborn und Administrator von Corvey, eine beispiellose Ämterakkumulation in der Kirche. Seine Amtszeit steht für das Aufblühen der Jesuiten und Erstarken der Gegenreformation.

Gewölbefeld 15:

Das Vollwappen in der Mitte und der einzelne Schild links folgen dem gleichen Gestaltungsschema, während der Schild optisch rechts einem abweichenden Farbschema folgt. Die Eltern des Probanden sind Wilhelm II. Graf zu Oettingen-Wallerstein (1544 - 14.10.1602) und Johanna v. Hohenzollern (23.6.1543 - 22.2.1604), die vier Großeltern sind Friedrich V. Graf zu Oettingen-Wallerstein (6.11.1516 - 2.2.1579), Euphemia v. Oettingen zu Flochberg (1523 - 16.3.1560), Karl I. Graf v. Hohenzollern (1516 - 8.3.1576) und Anna v. Baden-Durlach (1512 - 1579). Mit dieser Genealogie gibt es sogar zwei Brüder, die beide Domherr in Eichstätt waren: Wolfgang Graf zu Oettingen-Wallerstein (1573 - 5.9.1598) war 1587-1593 Domherr zu Eichstätt, 1590 Student zu Ingolstadt, 1592 Student zu Freiburg, 1593 Domherr zu Bamberg, danach resignierte er. Und sein Bruder Martin v. Oettingen-Spielberg (7.3.1574 - 14.1.1587) war 1585 Domherr zu Eichstätt.

Gewölbefeld 16:

Gewölbefeld 17:

Literatur und Links:
Siebmachers Wappenbücher, bes. Band Bistümer
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Aschaffenburger Wappenbuch
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Ein herzliches Dankeschön an Frau Siglinde Buchner für wertvolle Hinweise.
Siglinde Buchner, Cronheim und sein gleichnamiger Ortsadel, in: Alt-Gunzenhausen, Beiträge zur Geschichte der Stadt und Umgebung, Heft 58/2003
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Dr. Claudia Grund, Der Dom zu Eichstätt, Hrsg. Domkapitel Eichstätt, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg, 2007, ISBN 978-3-89870-293-5
http://www.bistum-eichstaett.de
http://www.bistum-eichstaett.de/dom/domfuehrung/mortuarium.htm
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise zur Genealogie des Alexander von Jahrsdorf an Frau Irmgard Prommersberger, Landkreisbibliothek, Landratsamt Roth, Hilpoltstein.
Ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise zum Wappen "Ducingen" an Herrn Hans Sattler, Tuttlingen
Genealogie Jahrsdorf: Johann Octavian Salver, Proben des hohen Teütschen Reichs Adels, oder Sammlungen alter Denkmäler, Tabelle XIV

Wenn eine Wappenbeschreibung als "ohne Beleg" bezeichnet ist, ließ sich bis zum gegebenen Zeitpunkt kein Literaturbeleg in den mir zur Verfügung stehenden Quellen finden. Wer hierzu eine Quelle oder einen anderen Nachweis oder sonstige Hinweise hat, schreibe mir bitte.

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Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus dem Mortuarium mit freundlicher Erlaubnis des Herrn Domkapitular Manfred Winter, Summus Custos, als Vertreter des Bischöflichen Ordinariats Eichstätt, vom 07.05.2007, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei.

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