Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 521
Kulmbach (Oberfranken)

Die Plassenburg in Kulmbach (Teil 2)

Geschichte – Teil 4: Phönix aus der Asche
Das mit der Zerstörung war wohl ein bißchen überreagiert, befand 1558 der Wiener Fürstenbeschluß. Die Zerstörung der Burg wäre nach der Flucht des Albrecht Alcibiades nicht mehr militärisch notwendig gewesen und wäre daher mutwillig zu nennen – und so wurden dem Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach, nun Brandenburg-Kulmbach, für den Wiederaufbau der Plassenburg 175000 Gulden zuerkannt, die die Urheber der Zerstörung, Würzburg, Bamberg und Nürnberg, aufzubringen hatten. Und Kaiser Ferdinand I fügte noch einmal 82000 Gulden hinzu. Welch ein Geldsegen! Damit ließ sich das schönste Renaissanceschloß finanzieren, nicht nur der bloße Wiederaufbau war möglich, sondern auch die Anwerbung von besten Künstlern und Handwerkern zu einer standesgemäßen und repräsentativen Ausschmückung.

Wie Phönix aus der Asche entstand die Plassenburg mit den Mitteln des Gegners neu, schöner, wehrhafter und prächtiger als je zuvor. Die vollkommen unterschiedlichen Bauten der alten Plassenburg und der neuen spiegeln auch die vollkommen unterschiedlichen Markgrafen wider: War Albrecht Alcibiades der Condottiere, so war Georg Friedrich der Humanist auf der Burg. Erst hatte die Bauleitung Georg Beck aus Amberg. Georg Friedrich berief dann den Architekten Caspar Vischer, einen der bedeutendsten Architekten der deutschen Renaissance, und ernennt ihn 1562 zum Baumeister der Plassenburg. Vischers Name begegnet uns nicht nur in Franken, sondern auch in Heidelberg am dortigen Schloß. 1564-1568 wird der Ostflügel verlängert, 1565 ist der Westflügel der Vierflügelanlage vollendet, aber die Arbeiten an dem exquisiten Reliefdekor ziehen sich noch bis 1569 hin. 1563 wird der Steinmetz Daniel Engelhardt hinzugezogen, von seiner Hand stammt der reiche Reliefdekor im Schönen Hof. Später ist Engelhardt Baumeister in Bamberg. 1565 wird auch der Südflügel begonnen – Geld spielte ja keine Rolle.

Geschichte – Teil 5: Der schöne Hof
Um 1570 kann man von einer Vollendung des Schönen Hofes ausgehen. In weniger als einem Jahrzehnt ist einer der größten, repräsentativsten, kostbarsten und schönsten Höfe der Renaissance entstanden, dessen Weitläufigkeit, Regelmäßigkeit, Großartigkeit und Detailreichtum um so stärker seine Wirkung auf den Betrachter entfaltet, als nichts an den nüchternen und glatten Außenfronten darauf vorbereitet. Der Hof ist ein unregelmäßiges Viereck mit Türmen in den Ecken. Er ist an drei Seiten gleichartig gestaltet und von offenen Arkadengängen auf mehreren Ebenen umgeben, nur die Nordseite ist abweichend gestaltet, der östliche Teil derselben hat einen hohen Säulenportikus von 1550, der westliche Teil ist noch Relikt der älteren Burg und stammt aus der Spätgotik. Die drei anderen Flügel aus der Zeit von 1564-1568 dagegen spannen einen Rhythmus aus horizontal und vertikal gereihten Arkaden auf, mit nachgotisch rippengewölbten offenen Gängen dahinter, eingebettet ist einen üppigen Renaissance-Dekor, der wie von einem horror vacui beseelt sämtliche Oberflächen überzieht. Dem südlichen Teil der Arkaden sieht man von innen gar nicht an, daß dahinter kein eigentlicher Schloßbau, sondern eine massive Schildmauer ist, der die Arkadengänge nur innen vorgeblendet sind. Der Hof gehört zu den am stärksten geschmückten Architekturen der deutschen Renaissance. Jede Fläche, jede Brüstung, jeder Pfeiler und Bogen ist mit ornamentalem und figürlichem Relief überzogen.

Geschichte – Teil 6: Verlegung der Residenz
1571 wurden die Arbeiten an der Plassenburg vorübergehend eingestellt. 1572-74 wird noch der Arsenalbau errichtet, 1579 stirbt der Baumeister Caspar Vischer. Ab da werden nur noch Reparaturen durchgeführt, keine Großprojekte mehr, 1604 siedelt der Hof nach Bayreuth über, bei der Plassenburg tritt wieder die militärische Nutzung in den Vordergrund. 1608-1610 wird die Hohe Bastei errichtet. Die Festung ist so stark, daß 1632 Wallenstein zwar die Besatzung der Plassenburg zur Übergabe auffordert, aber dann doch lieber nach wenigen Tagen weiterzieht, als sein Wunsch nicht erfüllt wurde. 1744-45 wird das Kommandantenhaus errichtet, 1782-1784 der Kasernenbau, die Gebäude des unteren Hofes. 1791 erklärt Markgraf Karl Alexander zugunsten Preußens seinen Thronverzicht, und Kulmbach kommt an Preußen, 1810 dann an Bayern.

Das Wappen der Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach über dem Tor zum Hochschloß, Außenseite
Über der Tordurchfahrt zum Hochschloß befindet sich innen wie außen ein exquisites Renaissance-Portal, das jeweils ein zwölffeldriges Wappen mit drei Helmen zeigt. Es handelt sich jeweils um das Wappen der Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach in einer Form, die zwischen der ersten Hälfte des 16. Jh. und dem Ende des Dreißigjährigen Krieges Gültigkeit hatte. Hier sei das Außenwappen abgebildet, das ikonographische Programm ist genau das Gleiche wie bei dem der Innenseite, logisch bei der zeitgleichen Errichtung beider Portalfassungen durch den gleichen Bauherrn.

Drei Helme trägt das Wappen:

Die Beschreibung der einzelnen Felder ist analog zum Innenportal (siehe 1. Teil):

Gesamtansicht des Renaissance-Portals, Außenseite

Literatur und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Eugen Schöler, Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992.
Alexander von Reitzenstein, Herbert Brunner, Reclams Kunstführer Deutschland I, 2, Bayern Nord, Franken, Oberpfalz, 9. Auflage, Philipp Reclam Verlag Stuttgart, 1956, ISBN 3-15-010318-5, S. 260 ff.
Erich Bachmann, Lorenz Seelig, Horst H. Stierhof: Plassenburg ob Kulmbach, amtlicher Führer, 1996, hrsg. von der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, München.

Kulmbach: Plassenburg, Portal innen - Plassenburg, Portal außen

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