Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 517
Feuchtwangen

Der Marktbrunnen in Feuchtwangen - Teil (1)

Das Wappen der Markgrafen von Ansbach
Die Herrlichkeit Feuchtwangens als Reichsstadt (1200 zur solchen erhoben) wurde jäh beendet, als der Bischof von Augsburg im Jahre 1376 die Pflegschaft über das Stift und kurz darauf Kaiser Karl IV die Stadt an den Burggrafen Friedrich V. von Nürnberg verpfändeten. Feuchtwangen gelang es nicht mehr gelang, sich freizukaufen. Ende der Reichsfreiheit, von nun an gehörten die beiden Gemeinwesen (Stift und Stadt) zur Burggrafschaft Nürnberg. Die Oberhoheit der Burggrafen und später der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach dauert bis 1791, als der letzte, kinderlose Markgraf die Stadt an Preußen übergibt. 1806 kommt Feuchtwangen zusammen mit Ansbach an das junge Königreich Bayern. Das Wappen der Markgrafen von Ansbach hat die Form, wie sie in der Zeit von 1704-1742 gebräuchlich war. Das paßt genau zur Bauzeit des Röhrenbrunnens auf dem Markt: Er wurde 1727 errichtet.

Die Details des Wappens der Markgrafen von Ansbach
Das Wappen hat 21 Felder und einen Herzschild, die wie folgt besetzt sind:

Feld 1: Herzogtum Stettin: In Blau ein roter Greif, silbern gekrönt. Belehnung 1465. Man beachte die Besonderheit eines gegen die Farbregel verstoßenden Wappens.
Feld 2: Herzogtum Preußen: In Silber ein schwarzer, goldgekrönter und ebenso bewehrter Adler, die Saxen mit goldenen Kleestengeln belegt.
Feld 3: Herzogtum Magdeburg: rot-silbern geteilt (wie das alte Erzbistum Magdeburg, das 968 gegründet wurde und während der Reformation untergegangen ist)
Feld 4: Herzogtum Pommern: In Silber ein roter, golden bewehrter Greif
Feld 5: Herzogtum Mecklenburg: In Gold ein schwarzer hersehender Stierkopf mit silbernen Hörnern, mit Halsfell, Lilienkrone, silbernen Augen, silbernem Nasenring.
Feld 6: Herzogtum Kassuben (Cassuben, Kaschubei): In Gold ein schwarzer Greif. Es handelt sich um die östlichen Teile Hinterpommerns (Köslin, Lauenburg, Bütow etc.). Kam 1530 ins Pommernsche Wappen.
Feld 7: Herzogtum Wenden: In Silber ein von Rot und Grün sechsmal schräglinksgeteilter Greif. Das Herzogtum Wenden liegt in Pommern links der Peene und an der Tollense, etwa die Gegend um Stralsund (ohne Rügen) und um Demmin. Es handelt sich um einen modifizierten pommernschen Greifen.
Feld 8 Anspruch auf das Herzogtum Schlesien, Herzogtum Crossen (Krossen): In Gold ein schwarzer Adler, goldbewehrt, belegt mit einem silbernen Halbmond, dessen konkave Seite mit einem silbernen Tatzenkreuzchen besteckt ist.
Feld 9: Fürstentum Halberstadt: silbern-rot gespalten (wie das untergegangene und verweltlichte Bistum Halberstadt)
Feld 10: Herzogtum Jägerndorf: In Gold ein schwarzer Adler, auf der Brust belegt mit einem goldenen Hifthorn.
Feld 11: Burggrafen von Nürnberg: Innerhalb eines silbern-rot gestückten Bordes in Gold ein schwarzer doppelschwänziger Löwe, rot gekrönt und bewehrt.
Feld 12: Fürstentum Minden: In Rot zwei schräggekreuzte aufrechte silberne Schlüssel, mit den Bärten nach auswärts gekehrt.
Feld 13: Fürstentum Schwerin: Geteilt. 1: In Blau ein schreitender goldener Greif. 2: Grün innerhalb eines silbernen Bordes.
Feld 14: Fürstentum Camin (Kammin, Kamin): In Rot ein silbernes Ankerkreuz. Das Gebiet des ehemaligen Bistums wurde 1648 säkularisiert und kam als deutsches Reichslehen an Brandenburg. Wurde mit Hinterpommern vereint.
Feld 15: Grafschaft Rostock: In Blau ein goldener Greif
Feld 16: Fürstentum Ratzeburg: In Rot ein silbernes freistehendes Kreuz.
Feld 17: Fürstentum Wenden: In Gold ein schwarzer Stierkopf ohne Halsfell mit silbernen Hörnern, goldener Laubkrone, weißen Zähnen und Augen und roter Zunge
Feld 18: Stammwappen Hohenzollern: silbern-schwarz geviert.
Feld 19: Grafschaft Stargard: In Rot ein silberner rechter Arm, aus einer silbernen Wolke wachsend, mit blauer Oberarmbinde, einen goldenen Ring mit blauem Juwel haltend.
Feld 20: Grafschaft Schwerin: Geteilt rot-gold.
Herzschild: Brandenburg: In Silber ein roter Adler, auf den Saxen belegt mit sog. Kleestengeln
  Schildfuß: Regalien. Ein lediges rotes Feld. Drückt besondere landesherrliche Rechte aus. Davon das wichtigste ist das Recht über Leben und Tod.

Eine Galerie von 9 Helme auf dem Wappen
Hier haben wir schon neun Helme auf dem Wappen, schon das ist problematisch, denn je kleiner die Darstellung, desto mehr die Fehler. Man betrachte z. B. den hohenzollernschen Brackenrumpf optisch ganz rechts außen: Eigentlich ist er silbern schwarz geviert. Optisch das zweite von rechts ist Halberstadt, aus der Helmkrone ein silberner geharnischter Arm, drei goldene Palmzweige emporhaltend, das vierte von rechts zeigt auf gekröntem Helm einen silberner Pelikan mit Jungen in der üblichen Darstellung, nämlich sich Brustfedern ausreißend. Ganz links (optisch) sehen wir Minden, aus der Helmkrone wachsend ein roter Löwe, zwei silberne Schlüssel in den Pranken haltend, daneben das Burggrafentum Nürnberg, ein niedriger roter Hut mit Hermelinaufschlag, aus dem Hut ein schwarzer rotgekrönter Löwe wachsend oder sitzend, zwischen zwei rot-silbern mehrfach gestückten Hörnern. Gleich daneben, auf der dritten Position von links, der Pfauenspiegel Pommerns. In der Mitte das Kleinod Brandenburgs, ein schwarzer Flug, belegt mit einer halbkreisförmig gebogenen goldenen Kleeblattsichel, mit silbernen Lindenblättchen bestreut. Der preußische schwarze Adler ist hier rot dargestellt. Eine Helmzier ist noch offen, das ist die dritte von rechts, über einem aus fünf palisadenförmigen Stäben in den Farben blau-gold-rot-silbern-schwarz bestehenden Schirmbrett ein rotgekrönter schwarzer Stierkopf wie im zugehörigen Feld schräg auf einen Pfauenstoß gelegt, diese gehört zu Mecklenburg.

Aber das war noch nicht der Endpunkt der Entwicklung: Denn mit der Vereinigung von Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Bayreuth unter Markgraf Karl Alexander (geb. 1736, reg. 1757-1791, gest. 1806), letzter Markgraf von Ansbach, auch Markgraf von Brandenburg-Bayreuth, als 1761 deren Linie ausstarb, erreichte das zusammengesetzte Wappen einen einsamen Höhepunkt der Akkumulierung von Feldern und Helmen - der letzte Markgraf, Alexander, ließ über das vereinigte Staatswappen mit 33 Feldern und Herzschild insgesamt 15 Helme setzen: Homburg, Sayn, Minden, Burggrafen, Kleve, Pommern, Preußen, Brandenburg, Stettin, Mecklenburg, Jülich, Halberstadt, Hohenzollern, Wittgenstein, Limpurg. Gemessen daran ist die hiesige Galerie je fast schon bescheiden zu nennen.

Entwicklung des Wappens der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach
Wappen 1: Die fränkische Linie der Hohenzollern führt das Stammwappen der Hohenzollern: einen silbern-schwarz gevierten Schild.
Wappen 2: Später, als sie Burggrafen von Nürnberg wurden, führten sie bis 1415/1417 einen gevierten Schild: Feld 1 und 4: Innerhalb eines silbern-rot gestückten Bordes in Gold ein schwarzer doppelschwänziger Löwe, rot gekrönt (Burggrafen von Nürnberg), Feld 2 und 3: silbern-schwarz geviert (Stammwappen Hohenzollern).
Wappen 3: 1415 (erblicher Besitz) / 1417 (Belehnung durch Kaiser) Belehnung mit der Mark Brandenburg. Übertragung der Kurwürde. Das Wappen wurde um den Brandenburger Adler bereichert.
Wappen 4: 1465 Belehnung mit dem Herzogtum Stettin und dem Herzogtum Pommern. Das Wappen hat vier Felder: Burggrafen, Hohenzollern, Brandenburg, Pommern.
Wappen 5: Das Wappen hat vier Felder: Burggrafen, Hohenzollern, Brandenburg, Pommern. Herzschild mit einem goldenen Zepter in blauem Feld, symbolisiert die Reichserzkämmererwürde.
Wappen 6: 1486 geht die Reichserzkämmererwürde an die Hauptlinie Brandenburg-Preußen. Die Ansbacher Markgrafen gehen dieser Würde verlustig, entsprechend fliegt sie aus dem Schild. Dafür wird jetzt Stettin reingenommen. Das Wappen hat vier Felder: Burggrafen, Hohenzollern, Stettin, Pommern. Brandenburg als Herzschild.
Wappen 7: Der Greif des Herzogtums Wenden findet Eingang in das Wappen. Weiterhin wurde Rügen ins Wappen aufgenommen (getreppte Mauer/Stufengiebel und Löwe).
Wappen 8: In der ersten Hälfte des 16. Jh. kamen gleich drei Adler neu in das zusammengesetzte Wappen, welches immer mehr Felder bekam: Preußen, Schlesien, Jägerndorf. Die meisten Neuerungen sind jetzt Anspruchswappen für Gebiete, die eigentlich von der Hauptlinie regiert werden.
Wappen 9: 1648 mußte nach dem 30jährigen Krieg die Hauptlinie Rügen an Schweden abgeben, entsprechend flog das Anspruchswappen Rügen auch aus dem Wappen der Ansbacher Markgrafen. Dafür werden Zugewinne wie Magdeburg und Halberstadt, ehemalige Bistümer, aufgenommen. Das Fürstentum Camin fand ebenfalls 1654 Eingang in das Wappen, aber erst fehlerhaft, das wurde erst ca. 1703/1704 korrigiert. Man hatte versehentlich das Wappen von Kiew genommen, nicht von Camin.
Wappen 10: 1703/1704 erhält das Wappen die hier zu sehende Form. Wie oben schon erwähnt, wird das Feld für das Fürstentum Camin korrigiert. Die wichtigsten Neuerungen sind, daß Mecklenburger Ansprüche Eingang in das Wappen finden. Das sind sehr alte Ansprüche, denn schon 1442 wurde vereinbart, daß für den Fall des Aussterbens der Mecklenburger die Brandenburger Ansprüche auf die Titel hätten. Neue Elemente sind Meckenburg, Schwerin, Stargard etc. Das ist der Zustand wie hier in Feuchtwangen abgebildet.
Wappen 11: 1742 weiterer Gebietszuwachs: Ergänzung um Sayn-Altenkirchen, Freusburg, Homburg und Schenk von Limpurg
Wappen 12: 1769 Erlöschen der Bayreuther Linie der Markgrafen, entsprechende Erweiterung des Wappens Brandenburg-Ansbach-Kulmbach auf 33 Felder und Herzschild. Beispielsweise tauchen jetzt die gesamten Anspruchswappen Kleve, Jülich, Berg, Mark, Moers, Ravenstein auf.

Literatur und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Eugen Schöler, Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992.
Hugo Gerard Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Reprint von 1897, Komet Verlag Köln, ISBN 3-89836-545-X
http://www.feuchtwangen.de/339.0.html
http://www.geschichte-feuchtwangen.de/hgges.htm

Feuchtwangen: Marktbrunnen (Teil 1) - (Teil 2)

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