Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 508
Schloß Wernstein bei Mainleus (Oberfranken)

Schloß Wernstein, Teil (1a): Schloß und Geschichte

Schloß Wernstein liegt in der Gemeinde Mainleus im Kreis Kulmbach in Franken. Sie ist aufgeteilt in eine Vorburg und eine Hauptburg. Die Burg Wernstein stammt im Kern (Kernbau des Oberen Schlosses und die Burgkapelle) aus dem 14. Jh., und genausolange ist sie schon Sitz der Freiherren von Künsberg. Fundament der ab ca. 1370 errichteten Burg ist der Basaltkegel des Bärensteins (bzw. Bernsteins). Zu Beginn darf man ein einfaches „festes Haus“ annehmen, das phasenweise ausgebaut und verstärkt wurde. Der Bergfried hat 7 m Seitenlänge und eine Mauerstärke von 1.5 m. Er ist integriert in die sich um einen kleinen Hof gruppierenden Bauten der Kernburg, welche von einem unregelmäßigen, ganz grob quadratischen Mauerquadrat umgeben wird, das an den vier Ecken von je einem kleinen Wehrturm mit Fachwerkaufbau gesichert wird. In diesen Mauerring integriert ist auch ein Torbau mit Zugbrücke. Ein niedriger Zwinger aus dem 15. Jh. zieht sich um die Burg. In den Hussitenkriegen trug die Burg Schäden davon und noch mehr in dem Markgräflerkrieg. 1563 ff wurde die Burg in ein Renaissance-Schloß umgebaut. An die Hauptburg angrenzend liegt im Südosten eine weitläufige und direkt repräsentativ zu nennende Vorburg mit Torgebäude, ausgedehnten Ställen und Wirtschaftsgebäuden. Zur Straße hin ist diese Vorburg mit zwei verzierten Halbrundtürmen geschmückt, im Westen ein weiterer Rundturm neben einer äußersten Tordurchfahrt. Im 30jährigen Krieg wurde das Schloß stark beschädigt. Eine letzte Bauphase erlebte das Schloß 1884, als einige Erneuerungen vorgenommen wurden.

Das Schloß Wernstein ist seit 1376 nachgewiesenermaßen im Besitz der Familie von Künsberg und ist auch heute noch in privater Hand und bewohnt. Die Vorburg ist freundlicherweise frei zugänglich, ab Zugbrücke ist das Gelände privat und kann nicht besichtigt werden. Gleich hinter dem Torturm steht der mächtige polygonal abgeschrägte Bergfried mit später aufgesetzter welscher Haube, hinten überragt vom Treppenturm im inneren Schloßhof.

Der Ort Wernstein, der heute die Burg umgibt, ist relativ jung, Keimzelle des Ortes waren elf zwischen 1764 und 1793 von den Herren von Künsberg für die Angestellten errichtete sogenannte "Tropfhäuser".

Schloß Wernstein, Teil (1b): Tor der Vorburg

In der Renaissance erfolgte der Ausbau der nicht mehr dem gehobenen Lebensstandard einer zeitgemäßen Residenz entsprechenden und vor allem durch den Markgräflerkrieg in Mitleidenschaft gezogenen alten Burg in ein repräsentatives Schloß, vorgenommen ab 1563 erst unter Hans Friedrich von Künsberg, der an der Kernburg umbaute und den inneren Torturm mit Zugbrücke errichten ließ.

Die Vorburg, das untere Schloß stammt ursprünglich aus dem 15. Jh. (nachgewiesen seit 1485), erhielt ihr/sein heutiges Aussehen aber zwischen 1587 und 1593, als es unter Georg von Künsberg komplett neu gebaut wurde. Änderungen erfolgten im 17. Jh., Anbauten kamen hinzu, Fenster wurden verändert. Aber bis auf wenige Ausnahmen stammen die Gebäude aus dem späten 16. Jh.

Zwischen beiden Wappen war einst eine Figur des Drachentöters St. Georg, erhalten ist der sich windende Drachenleib und auf dem der Beine und des Kopfes verlustig gegangenen Pferderumpf Reste des Oberschenkels des Reiters und Kleidungsreste - eine bildliche Darstellung des Bauherrn, mit Namen gleichfalls Georg.

Allianzwappen des Georg Siegmund von Künsberg und der Ursula geborene von Förtsch-Thurnau, verwitwete von Künsberg. Die Inschrift unter den beiden Wappen, die sich in zwei Blöcken über die ganze Breite des Erkerfußes erstreckt, lautet: "DEM GESCHLECHT VON KINDTSBERG ZV EHR VND RUM / IST DIESER BAW AVFFM EYGENTHVMB / VON GEORG VON KINDTSBERG MIT NAMEN / AVCH VRSVLA FORTSZIN GSCHLECHT VND STAMMEN // ANGEFANGEN ALS TAVSENT FVNFHVNDERT IHAR / AVCH SIEBEN VND ACHTZIG DIE IARZAL WAR / ALS DEN IM DREY VND NEVNTZIGSTEN VOLLENDT / GOTT GEB DAZU EIN GLVCKSELIGES ENDT"

Das heraldisch rechte Wappen des Georg von Künsberg ist wie folgt zu beschreiben: In Blau eine silberne eingebogene Spitze. Helmzier ein silbern gestulpter flacher roter Hut, aus dem zwei rote Büffelhörner wachsen, an der Spitze meist (wie hier) jeweils mit einer Eichel besteckt. Helmdecken rot-silbern.

An den beiden Säulenvorlagen, die das Gebälk tragen, sind zwei mal vier Wappen der Ahnenprobe angebracht. Im einzelnen sind dies an der optisch linken Halbsäule (von oben nach unten): von Künsberg (in Blau eine silberne eingebogene Spitze), von Schaumberg (geviert, Feld 1 und 4: vermehrtes Wappen von Sonneberg, rechts: In Gold eine schwarze Schafschere, links: In Rot ein silberner Sparren, Feld 2 und 3: Von Silber, Rot und Blau halbgespalten und geteilt, Stammwappen von Schaumberg), von Seckendorff ( In Silber zwei zu einer Acht verschlungene rote Lindenzweige mit nach außen gekehrten Blättern) und von Waldenfels (in Blau ein silbernes Einhorn). An der optisch rechten Halbsäule sind von oben nach unten zu sehen: ein Balken, Zuordnung unsicher, Fuchs (in Gold ein roter oder natürlicher springender Fuchs), von Grumbach (in Gold ein schwarz gewandeter oder je nach Darstellung unbekleideter Mohr, der in seiner ausgestreckten rechten Hand drei rote Blumen hält. Die linke Hand ist in die Hüfte gestützt) und von Rotenhan (In Silber ein roter schrägrechter Wellenbalken, im linken Obereck von einem roten Stern begleitet).

Das heraldisch linke Wappen der Ursula von Förtsch, Ehefrau des Georg von Künsberg, Witwe des Hans Friedrich von Künsberg, ist wie folgt zu beschreiben: Im Kerbschnitt von Rot und Silber schrägrechts geteilt. Die Helmzier sind zwei schwarze aufgereckte Bärentatzen mit zwei goldenen Querbalken, Helmdecken rot-silbern.

An den beiden Säulenvorlagen, die das Gebälk tragen, sind zwei mal vier Wappen der Ahnenprobe angebracht. An der optisch linken Halbsäule erkennen wir ganz oben das Wappen von Lichtenstein (von Rot und Silber im Zackenschnitt quadriert), darunter drei weitere.

Da es sich um eine Schwester der Barbara von Förtsch, Ehefrau des Hans Georg von Giech zu Thurnau, handelt, tauchen hier wie dort am Thurnauer Schloß die gleichen Wappenschilde der Ahnenprobe auf. Im einzelnen sind dies an der optisch rechten Halbsäule (von oben nach unten): Förtsch von Thurnau (im Kerbschnitt von Rot und Silber schrägrechts geteilt), von Vestenberg (in Grün ein silberner Balken), Stein vom Altenstein (in Rot 3 (2:1) goldene Hämmer) und von Waldenfels (in Blau ein silbernes Einhorn). Im direkten Vergleich mit Thurnau drängt sich der Verdacht auf, daß der Ehefrau nicht die beiden rechten Säulen, sondern die jeweils rechten Säulen zuzuordnen sind, was anhand einer mir nicht zur Verfügung stehenden genealogischen Tafel überprüft werden müßte.

Literatur und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Genealogien: http://worldroots.com
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Friedrich-Wilhelm Krahe: Burgen des Deutschen Mittelalters, Grundriß-Lexikon, Bechtermünz Verlag, Lizenz-Ausgabe im Weltbild-Verlag 1996, ISBN 3-86047-219-4
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder, 6. Auflage 1999, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, Originalausgabe Beck'sche Verlagsbuchhandlung München 1988
http://www.mainleus.de
Dr. Albert Elstner, Geschichte der Freiherren von Künsberg: http://www.art-connection.de/Pages/kuensberg.history.1.html, http://www.art-connection.de/Pages/kuensberg.history.2.html, http://www.art-connection.de/Pages/kuensberg.history.3.html

Wernstein (Oberfranken): Schloß, Tor der Vorburg - Inneres Tor - Rundturm

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