Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 499
Schloß Thurnau in Thurnau (Oberfranken)

Schloß Thurnau - Teil (5): Wappenerker am Kemenatengebäude:

Im Jahre 1581 baut Hans Georg von Giech die alten Kemenate um. Er stockt sie auf, er schenkt ihnen einen neuen Südgiebel im Stile der Renaissance und vor allem fügt er diesen reizvollen Gebetserker im Nordosten an. Der Künstler ist der Steinbildhauer Hans Schlachter.

Im Giebel des Gebets-Erkers an den Kemenaten erkennt man die beiden Ehewappen Giech und Förtsch, also dasselbe Bauherrenpaar wie am Torbau: Hans Georg v. Giech (-1613) und Barbara Förtsch v. Thurnau (- 27.3.1558) .

Da der Erker sehr baufällig ist und von einer Holzbalkenkonstruktion gestützt wird, kann man ein liebenswertes Detail nicht gut photographieren: Der Erker wird getragen von einer spitz zulaufenden gekehlten Konsole, unten auf einem bankförmigen Vorsprung die Figur eines Mannes sitzend, gekleidet wie ein trendbewußter Geck des 14. Jahrhunderts, auf dem Kopf eine Narrenkappe mit zwei hochgeschlagenen, schellenbesetzten Zipfeln, mit den Händen einen Schild haltend.

Da der hölzerne Gang nicht öffentlich zugänglich ist und damit kein geeigneter Photo-Standort gefunden werden konnte, wurden die Frontaufnahme oben und die Detailaufnahmen unten aus der allerersten Aufnahme unter "Entzerrung" am PC herausvergrößert. In den beiden Nischen unter den Fenstern die Figuren von Adam und Eva.

Front, links Spalte, obere Hälfte Front, linke Spalte, untere Hälfte Front, rechte Spalte, obere Hälfte Front, rechte Spalte, untere Hälfte
Künsberg, Wolfstein Truchseß von Wetzhausen, Schaumberg Förtsch, Stein vom Altenstein Nothafft, Grumbach

Zu beiden Seiten ist der Erker ebenfalls mit je vier Wappenschilden geschmückt, so daß die Zahl der abgebildeten Wappenschilde auf 16 wächst.

Gesamt-Aufnahme der Seitenfläche linke Seite, obere Hälfte linke Seite, untere Hälfte linke Seitenwand
des baufälligen Erkers Giech, Schaumberg Gottsfeld, Bibra Trompete blasender Engel

Auf der hier nicht abgebildeten rechten Seitenfläche sind die vier Wappenschilde der Familien Vestenberg, Waldenfels, Fuchs und Rotenhan ebenfalls als Reliefplastik abgebildet. Cave: Nothafft und Vestenberg unterscheiden sich ohne Tingierung nur in der Art der Bracke der Helmzier, die hier ohnehin nicht abgebildet ist. Wir können hier Lebschée's Zeichnung nicht folgen, die zweimal Vestenberg angibt, denn einmal muß es Nothafft sein, auch in Übereinstimmung mit der Zuordnung der Wappen in der Schloßkirche.

Im Innern des Erkers sind die gleichen Wappenschilde balkenartig über den Fenstern in zwei Gruppen aufgemalt. Hier sind sogar die Farben erhalten. Dennoch sind mehrere Schilde fehlfarbig. Silberner Balken auf goldenem Grund widerspricht den heraldischen Regeln, das müßte der silberne Balken in Grün für Vestenberg sein. Und Waldenfels hat ebenfalls unkorrekte Farben, bei Gottsfeld sind die Farben invertiert, dazu kommen zwei rote Füchse vor statt einmal Fuchs und einmal Bibra. Es fällt auf, daß die Reihenfolge innen streng alternierend Erkervorderwand/Erkerseitenwand abbildet, die optisch linke Gruppe entspricht der linken 8er-Gruppe außen und umgekehrt.  

Reihenfolge innen optisch links: Giech (außen linke Erkerwand) - Künsberg (Front optisch links) -Schaumberg (außen linke Erkerwand) - Wolfstein  (Front optisch links) - Gottsfeld (außen linke Erkerwand) -Truchsess v. Wetzhausen  (Front optisch links)  - Bibra (außen linke Erkerwand) - Schaumberg  (Front optisch links).  

Reihenfolge innen optisch rechts: Förtsch (Front optisch rechts) - Vestenberg (außen rechte Erkerwand) - Stein v. Altenstein (Front optisch rechts) - Waldenfels (außen rechte Erkerwand) - Nothafft (Front optisch rechts) - Fuchs (außen rechte Erkerwand) - Grumbach (Front optisch rechts) - Rotenhan (außen rechte Erkerwand).

Vergleichen wir diesen Wappenerker mit dem Torbau, der von dem gleichen Ehepaar erbaut wurde, so fällt auf: Dort hat jeder Ehepartner vier Wappen, hier acht. Die Wappen, die am Tor als Ahnenprobe erscheinen, sind jeweils in der oberen Hälfte des Erkers, die in der unteren Hälfte des Erkers sind zusätzliche Ahnenwappen, also weiter in der Genealogie zurückliegend als die jeweils oberen vier Schilde.

Eltern des Hans Georg v. Giech:

Großeltern des Hans Georg v. Giech:

Literatur und Quellen:
Schloßgeschichte: http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Heimatpf/Schloss-Geschichte.htm
Thurnau:
http://www.thurnau.de/
Thurnau:
http://de.wikipedia.org/wiki/Thurnau
Schloß Thurnau:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Thurnau
Lebschée:
http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Heimatpf/Thurnau-Lebschee.htm
FIMT:
http://www.fimt.uni-bayreuth.de/de/about_us/schloss_thurnau/index.html
Giech:
http://de.wikipedia.org/wiki/Giech_(Adelsgeschlecht)
Förtsch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Förtsch_von_Thurnau
Künsberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Künsberg
Uta von Pezold, Die Herrschaft Thurnau im 18. Jahrhundert; Plassenburg, Band 27, Kulmbach 1968
Thurnau 1239-1989, Festschrift, herausgegeben 1989 anläßlich der 850-Jahrfeier des Marktes Thurnau
Uta von Pezold, Thurnau, ein kleiner Führer durch seine Geschichte, Thurnau 1987
Siebmachers Wappenbücher
Genealogien:
http://worldroots.com
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Herrn Norbert Sack und Herrn Harald Stark ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise.

Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Ein herzliches Dankeschön an Frau Uta von Pezold für wertvolle Hinweise

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