Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 497
Schloß Thurnau in Thurnau (Oberfranken)

Schloß Thurnau - Teil (3): Wappen am Schneckenturm des unteren Schloßhofes:

Im Rahmen der Umbaumaßnahmen an den alten Kemenaten gegen Ende des 16. Jh. unter Hans Georg von Giech wird 1583 auf der Seite des unteren Schloßhofes die sog. hohe Schnecke bzw. hintere Schnecke erbaut. Der zweite Treppenturm, oben beschrieben, außen, auch vordere Schnecke genannt, entsteht wenige Jahre später, nämlich 1591. Im Gegensatz zum oben beschriebenen äußeren Treppenturm am steil aufragenden Kemenatengebäude, der nicht bis ganz hoch reicht, reicht diese "hohe Schnecke" bis ins oberste Stockwerk.

Die Inschrift unter dem Wappen, beginnend mit "Thurnaw bin ich genannt..." nennt das Jahr 1565 als Beginn der gemeinsamen Herrschaft beider Familien, "als man zelt tausendfunfhundert iar im fünfundsechzigsten zwar", der freundschaftlichen gemeinsamen Verwaltung des Besitzes Thurnau von "Hans friederich von kindsberg zu wernstein und seine freunde in gemein zu buchau hans georg von giech". Die Zeile "ums viergelts erkauffet mich / dem stifft bamberg heimgefallen" erinnert an die ziemlich verzwickte rechtliche Situation beim Übergang des Besitzes an die Familien Giech und Künsberg und die Betrachtung als heimgefallenes Lehen. Eine textgleiche Inschrift befindet sich unter Wappen Nr. 7 an der äußeren Zwingermauer.

Das Faszinierende ist, daß wir es hier mit einem dreifachen Allianzwappen zu tun haben, das alle drei relevanten Geschlechter zeigt: Giech, Förtsch, Künsberg. Im Grunde handelt es sich aber um vier Personen, wobei die beiden Frauen durch das eine Wappen ihres gemeinsamen Vaters in der Mitte repräsentiert werden, verheiratet einmal mit Künsberg und einmal mit Giech.

Die Familie Giech und die Entwicklung ihres Wappens wurde in den vorigen Seiten näher beschrieben, bezüglich der Familie Künsberg sei auf die Ausführungen zu Schloß Wernstein verwiesen, zur Entwicklung des Wappens der Künsberg siehe auch die Ausführungen zur Kirche St. Laurentius.

Insgesamt sind hier drei Wappen nebeneinander abgebildet:

Abb.: Unterer Hof, Blick vom Unteren Schloßhof nach Nord-Osten zum hohen Treppenturm (= die hintere Schnecken) am Kemenatenbau.

Condominium der Giech und Künsberg
1564 sterben die Förtsch im Mannesstamme aus, erst Wolff Förtsch von Thurnau 1551, 1564 dann Georg Förtsch zu Peesten, vermutlich in Ungarn. Die Nachfolge auf dem Besitz treten drei Schwiegersöhne des letzten Förtsch zu Thurnau gemeinsam an: Hans Georg von Giech, Hans Friedrich von Künsberg und Siegmund Fuchs von Rügheim waren alle drei mit einer Tochter des letzten Förtsch verheiratet. Hans Georg von Giech hatte beispielsweise Barbara von Förtsch geehelicht. Von den drei Schwagern blieben nur zweie übrig, die Fuchs verkaufen ihren Anteil an die beiden anderen Schwager. Schloß Thurnau und der zugehörige Besitz wird geteiltes Eigentum zwischen den Giech und den Künsberg, das Condominium beginnt mit dem Jahr 1565 und dauert bis 1731, dann wird Thurnau alleiniger Besitz der Reichsgrafen von Giech. Anfangs standen sich die beiden Familien sehr nahe, die ersten Künsberg und Giech auf Thurnau waren Schwager. Aber nach dem Ableben ohne Nachkommen zogen andere Familienmitglieder der Künsberg auf Thurnau ein, mit denen die Giech nicht so gut auskamen. Hans Friedrich von Künsberg starb 1571 ohne Erben. Sein Bruder Adam von Künsberg übernahm seine Rechte, nicht ohne Zahlung einer hohen Ablösesumme, die sein Sohn Georg Siegmund durch Heirat der begünstigten Witwe wieder hereinholte. Ein weiterer Sohn des Adam von Künsberg, Neffe des Hans Georg von Künsberg, Johann Adam oder Hans Adam von Künsberg mit Namen, erbte Thurnau 1602, heiratete Amalie Marschalk von Ebneth und begründete die weitere Thurnauer Linie der Künsbergs und später die Thurnau-Ermreuther Linie. Die Giech und die Künsberg gingen getrennte Wege, jeder hatte einen Hof für sich und einen eigenen Eingang in das Schloß. Die Künsberg wohnten im frühbarocken Künsberg-Flügel im unteren Hof, die Giech bewohnten die Kemenate, das Torwärterhaus, den Hans-Georgen-Bau, das Kutschenhaus und den Karl-Maximilian-Bau, also den gesamten oberen Hof mit angrenzenden Gebäuden. Der untere Schloßhof war zeitweise durch eine Mauer getrennt, um so wenig Reibungspunkte wie möglich zwischen beiden Familien zu geben. Der Anteil der Künsberg an Thurnau gelangte von Johann Adam über Georg Wilhelm (1589-1643) und Valentin Georg (1617-1667) sowie Hans Christoph (1657-1696) schließlich an Euchar Karl Ferdinand, geb. 1695, der seinen Anteil 1731 an die Grafen von Giech verkaufte, die dadurch zum alleinigen Besitzer von Thurnau wurden.

Literatur und Quellen:
Schloßgeschichte: http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Heimatpf/Schloss-Geschichte.htm
Thurnau:
http://www.thurnau.de/
Thurnau:
http://de.wikipedia.org/wiki/Thurnau
Schloß Thurnau:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Thurnau
Lebschée:
http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Heimatpf/Thurnau-Lebschee.htm
FIMT:
http://www.fimt.uni-bayreuth.de/de/about_us/schloss_thurnau/index.html
Giech:
http://de.wikipedia.org/wiki/Giech_(Adelsgeschlecht)
Förtsch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Förtsch_von_Thurnau
Künsberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Künsberg
Uta von Pezold, Die Herrschaft Thurnau im 18. Jahrhundert; Plassenburg, Band 27, Kulmbach 1968
Thurnau 1239-1989, Festschrift, herausgegeben 1989 anläßlich der 850-Jahrfeier des Marktes Thurnau
Uta von Pezold, Thurnau, ein kleiner Führer durch seine Geschichte, Thurnau 1987
Siebmachers Wappenbücher
Genealogien:
http://worldroots.com
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Ein herzliches Dankeschön an Frau Uta von Pezold für wertvolle Hinweise

Thurnau (Oberfranken): Schloß, Teil (1a): Bauzustand und Wappenübersicht - Schloß, Teil (1b): Torhaus - Schloß, Teil (2): Vordere Schnecke - Schloß, Teil (3): Hohe Schnecke - Schloß, Teil (4): Außenmauer - Schloß, Teil (5): Gebetserker - Schloß, Teil (6a): Lapidarium - Schloß, Teil (6b): Lapidarium - Schloß, Teil (7): Zwingermauer - Museum - St. Laurentius, Teil (1): Chorbogen - St. Laurentius, Teil (2): Herrschaftsstand Giech - St. Laurentius, Teil (3): Herrschaftsstand Künsberg - St. Laurentius, Teil (4): Epitaph Giech/Förtsch

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