Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 489
Regensburg - Ratisbona - Castra Regina

Watmarkt 9: Adler-Apotheke

Die Adler-Apotheke ist eine der ältesten Apotheken von Regensburg, aber nicht die älteste. Der Name der Adler-Apotheke ist verbunden mit Apotheker Hans Strobelberger, der gleich nebenan in der Kramgasse 10 seine Apotheke eröffnete, die später von Johann Zehentbauer oder Zechbauer übernommen wurde, der die Witwe des Sohnes des Apothekengründers Strobelberger geheiratet hatte. Bis 1644 betrieb Zechbauer die Apotheke in den alten Räumen, verlegte sie aber dann am 10.12.1644 in das hier besprochene Eckhaus gegenüber dem Bischofshof, genannt "auf den Brettern". Das Haus war bischöfliches Lehen, und der jeweilige Apothekeninhaber mußte dem Bischof Zins zahlen. Die Apotheke hatte nacheinander viele Eigentümer, einige der Namen sind Leipold, Daubert, Leixl, Breuninger, Leixl, Hultzsch etc. Die heutige Apothekeneinrichtung ist vom Ende der 1920er Jahre.

Der Wappenstein aus der Renaissance an der Ostseite trägt das Erbauungsdatum 1590 und unter dem Wappen den Namen des Erbauers, Leonhardus Ebner. Der wunderschöne Stein mag so gar nicht zum moosgrün gestrichenen Rest des Hauses passen, der ein Neubau von 1888 ist, der ein älteres Satteldachhaus mit Steilgiebel gegen den Bischofshof ersetzte. Das Wappen (Siebmacher, Bürgerliche 2, Seite 2, Tafel 2) zeigt in Gold einen blauen Schrägbalken, belegt mit drei sechsstrahligen goldenen Sternen. Die Helmzier ist ein wachsender Männerrumpf in golden-blau gespaltener Gewandung mit gespreizten blauen und goldenen Adlerflügeln statt der Arme, Schnurrbart und blau-goldener Stirnbinde bzw. turbanartigem Kopfputz, belegt mit drei goldenen Sternen und versehen mit abflatternden Bändern. Helmdecken blau-golden. Man achte auch darauf, wie asymmetrisch die Helmdecke im oberen Bereich gestaltet ist, wenn man beide Seiten vergleicht. Die senkrechte Linie ist keine Spaltung, sondern kommt durch die Schildform zustande, Widerhall einer in der Mitte gegrateten Tartsche. Auch wenn der Wappenstein gerne anders gelesen wird - Apotheke ist dieses Gebäude erst seit 1644, die Familie Ebner waren die Vorbesitzer.

Der Westteil trägt ein ganz anderes Wappen, datiert von 1593 (Zahlen in den Bogenzwickeln). Ursprünglich bestand das Anwesen am Watmarkt 9 aus zwei separaten Häusern zwischen Watmarkt und Goliathstraße. Beide Häuser wurden später zusammengefaßt zu einem Anwesen. Das erklärt auch die zwei grundverschiedenen Wappensteine. Der westliche Bauteil hat eine barocke Fassade von ca. 1700 zum Watmarkt, die oberen Stockwerke kragen vor auf zwei Stichbogen über drei toskanischen Halbsäulen, die der Wand aufgelegt sind. Über der Mittelsäule befindet sich in einem Kleeblattbogenfeld das Wappen. Das über dem Erdgeschoß vorhandene profilierte Gesims wird auf dem Nachbarhaus fortgeführt. Die Fensterverdachungen sind im 1. OG geschweift, im 2. OG gerade. Bei einem Umbau im 19. Jh. wurde ein viertes Geschoß aufgestockt.

Der Schild ist geteilt, vorne in Gold auf einem grünen Dreiberg ein Patriarchenkreuz mit zwei Querbalken, dessen unterer Balken zu beiden Seiten widergekreuzt ist. Es könnte sich hierbei um die Wiederspiegelung einer alten Hausmarke handeln. Hinten eine abgewandte gesichtete goldene Mondsichel. Die Helmzier auf bewulstetem Stechhelm ist ein wachsender Männerrumpf, von Blau und Gold gespalten, der in der Rechten eine Mondsichel und in der Linken ein dreimal widergekreuztes Kreuz hält, auf dem Kopf ein gestulpter Hut. Helmdecken blau-golden. Im Unterteil ist die Schrift: "Bennedict Köller" - Benedikt Koller. Im Erdgeschoß ist eine weitere Inschrift: MIT ALHIE BENEDICT KOLL(ER), der Rest fehlt wegen Verbauung. Das Wappen ist im Siebmacher unter "Kölle" eingetragen, Bürgerliche 2, Seite 5, Tafel 8.

Literatur und Quellen:
Karl Bauer, Regensburg – Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte, Mittelbayerische Druck- und Verlagsanstalt, 5. Auflage 1997, ISBN 3-931904-19-9, S. 839 ff und S. 84 ff.
Baedeker Stadtführer Regensburg, Karl Baedeker Verlag 2002, ISBN 3-87954-026-8
Sigfrid Färber, Regensburg – Ratisbona – das mittelalterliche Wunder Deutschlands, Stadtführer, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1972, ISBN 3-7917-0793-0
Siebmachers Wappenbücher

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