Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 487
Regensburg - Ratisbona - Castra Regina

Haidplatz 7: Zum Goldenen Kreuz

Das den Haidplatz dominierende burgähnliche Gebäude ist der ehemalige Gasthof „Zum Goldenen Kreuz“, wohl eines der traditionsreichsten Hotels ganz Deutschlands, bereits seit dem 16. Jh. als solcher genutzt, und vor allem eines derjenigen mit den berühmtesten Gästen im Laufe der Jahrhunderte: König Ferdinand I 1531, Kaiser Karl V 1532, 1541, 1546, Kaiser Franz Josef von Österreich 1863, König Ludwig I von Bayern z. B. 1842 zur Eröffnung der Walhalla etc., König Ludwig II von Bayern 1871 u.v.a.m.

Früher bestand der Gasthof nur aus dem markanten Turm aus frühgotischer Zeit, der in einer Reihe mit den übrigen Patriziertürmen Regensburg zu nennen ist, und dem im Westen (links im Bild) gelegenen Gebäudeteil. Damals war es ein niedrigerer Bau von sechs Fensterachsen Breite mit staffelgiebeligem Erker, es hörte also mit dem heute noch sichtbaren, aber bis zur Dachlinie reichenden Vorsprung auf. Der Teil links davon erhielt sein heutiges Gesicht erst anläßlich eines Umbaus 1862, bei dem die verschiedenen Gebäudeteile ungleicher Höhe (bis auf den Turm) mit einer einheitlich gestalteten Front zusammengefaßt wurden. Dabei wurde auch der Erker seines Giebels beraubt und bis zur Dachkante hochgeführt.

Der älteste Wappenstein befindet sich auf dem älteren Teil rechts des Erkers zwischen erstem und zweitem Stockwerk. Das Wappen ist das des Ratsherrn Hermann Zeller aus der Familie der Zeller von Straubing. Blasonierung des Wappens: Rot-silbern geteilt, unten 3 (2:1) rote Ballen (Kugeln). HZ ein roter Spitzhut, der silberne Aufschlag mit 3 roten Ballen belegt, der Hut oben mit Federn besteckt. Helmdecken rot-silbern. Hermann Zeller hatte die Patrizierburg 1456 von der verwitweten Frau Anna Weltenburger käuflich erworben.

Der prächtigste Wappenstein befindet sich unten am umgebauten Erker: Der Stein ist auf 1527 datiert und zeigt ein Allianzwappen von Hans Thuner und seiner Frau, einer geborenen Fugger vom Reh. Die beiden Wappen passen hervorragend zueinander, der Ehemann hat den Hirsch, die Ehefrau das Reh – darauf nimmt auch die Inschrift humorvoll Bezug, die lautet „hans thuner und ursula sein haustir“ – das kann auch höchst diskriminierend verstanden werden, ist aber einfach nur eine Anspielung auf die sich trefflich ergänzenden Wappen.

Das Wappen Thuner zeigt auf gekröntem Helm einen wachsenden Hirschen, den der mittig angeordnete Gerüstete mit seiner Rechten festhält. Mit seiner Linken greift er das Reh der Helmzier des zweiten Wappens. Blasonierung des Wappens der Grafen Fugger vom Reh: In Blau ein aufspringendes goldenes Reh, dasselbe wachsend auf dem Helm mit blau-goldenen Decken. Es handelt sich um den anderen Zweig des berühmten Augsburger Geschlechtes, dessen bekannterer die Fugger von der Lilie sind.

Im oberen Teil der Tafel befinden sich rechts und links des Datums zwei weitere Wappen, offensichtlich die Eltern des Ehemannes, heraldisch rechts ganz klar die Wiederholung des Hirsches, wie das untere Wappen gewendet, heraldisch links kehrt das Wappen der Zeller von Straubing mit der Teilung und den 3 (2:1) Kugeln in der unteren Hälfte wieder. Das Patriziat der Stadt war verwandt.

Das Allianzwappen Thuner/Fugger findet sich im zweiten Erkergeschoß unter der Fensterbrüstung wieder, links der Hirsch, rechts das Reh.

Berühmt ist der Gasthof vor allem auch dadurch, daß hier die Geschichte von Juan d’Austria ihren Anfang nahm, denn Kaiser Karl V, seit 7 Jahren verwitwet, 46 jährig, verliebte sich anläßlich seines Besuches 1546 in Barbara Blomberg, eine Regensburger Bürgerstochter, und ihrer Liebe entsproß am 24.2.1547 Juan, der zur Erziehung nach Spanien geschickt wurde, und dort statt der vorgesehenen geistlichen Laufbahn die eines Offiziers einschlug. Als Seeheld von Lepanto und Retter des Abendlandes, wie er gefeiert wurde, hat er europäische Geschichte gemacht.

Literatur und Quellen:
Karl Bauer, Regensburg – Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte, Mittelbayerische Druck- und Verlagsanstalt, 5. Auflage 1997, ISBN 3-931904-19-9, S. 273 ff
Baedeker Stadtführer Regensburg, Karl Baedeker Verlag 2002, ISBN 3-87954-026-8
Sigfrid Färber, Regensburg – Ratisbona – das mittelalterliche Wunder Deutschlands, Stadtführer, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1972, ISBN 3-7917-0793-0
Siebmachers Wappenbücher

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