Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 486
Lierheim bei Nördlingen

Schloß Lierheim

Das Schloß Lierheim (Gemeinde Möttingen), heute in privater Hand und nicht zu besichtigen, dominiert auf einem Hügel den kleinen Ort vor den Toren Nördlingens. Das Schloß ist ein strahlend weiß gestrichener schlichter spätbarocker Bau, der ringsum von einer zierlichen mittelalterlichen Ringmauer mit Schießscharten und neun runden Wacht- und Schalentürmchen umgeben ist. Im 18. Jh. war das Schloß im Eigentum des Deutschen Ordens, wie an dem großen Wappen des fränkischen Landkomturs (Landkomtur der Ballei Franken) zu sehen ist. Das ehemalige Deutschordensschloß präsentiert sich als stattlicher dreigeschossiger Bau mit risalitartigem Ausbau nach Westen, von einem Mansard-Walmdach bedeckt. Es wurde 1579-84 auf den Fundamenten der Vorgängerbauten errichtet und 1758-62 von Matthias Binder überarbeitet und erweitert.

Das Wappen ist das den Landkomturs Friedrich Carl Freiherr von Eyb (reg. 1749-1764). Die von Eyb führen im silbernen Schild drei (2:1) rote Jakobsmuscheln. Die Helmzier ist ein wachsender Pfau mit goldenem Halsband. Der Pfau kann farblich variieren, meistens ist aber der Rumpf grün oder blau bzw. "natürlich", die Flügel aber silbern. Helmdecken rot-silbern. Besonders auffällig ist an diesem Wappen der kriegerische Formenkanon, Kanonenrohre, Fahnen mit Deutschordenskreuz, Säbel - diese martialische Dekoration hinter dem Wappenschild lag zum einen am Stil der Zeit, andererseits verdeutlicht diese Symbolsprache den kriegerischen Auftrag des Deutschen Ordens.

Als Landkomtur hat Friedrich Carl Freiherr von Eyb sein Wappen mit dem Deutschordenskreuz geviert und zusätzlich noch mit einem zweiten Schild mit dem Deutschordenskreuz unterlegt. Hier ist bei der Restaurierung des Wappens ein schwerer Fehler passiert: Der untere Schild ist durchgehend gelb angestrichen worden, dabei hätte er weiß mit schwarzem Deutschordenskreuz sein müssen. Ein weiterer schwerer Fehler ist der Pfau der Helmzier: Auch er ist leider komplett gelb angestrichen worden. Hier muß dringend nachgebessert werden, was für 2012 in Aussicht gestellt ist. Angemessene Tingierung:

Über dem Eingangstor in der äußeren Umfassungsmauer ist eine Gruppe von auf 1606 datierten Wappensteinen. Die einst hier befindliche Öffnung wurde nachträglich mit einem nicht zum Rest passenden Adler-Stein verschlossen. Ganz oben ist das Wappen der Herren von Lierheim abgebildet, welches im Laufe der Zeit verschiedene Formen angenommen hat: Erst waren es zwei querliegende, voneinander abgekehrte Widderhöner. Helmzier ein schwarzes Widderhorn nach dem Grünenberg'schen Wappenbuch bzw. zwei voneinander abgekehrte schwarze Widderhörner auf gekröntem Helm nach dem Cotta'schen Codex. Alternativ wurde das Schildbild modifiziert zu mit Grind verbundenen Hörnern, Änderung der Stellung in eine schrägliegende (wie hier). An der Hassfurter Ritterkapelle sehen wir im Vergleich ein gerade und aufrecht gestelltes schwarzes Widdergehörn mit Grind, der unten mit drei Zaddeln ausgeschnitten ist. Die silberne Tingierung in Haßfurt ist offensichtlich ein Fehler. Im alten Siebmacher (Band II, 32) sind die Farben schwarz-silbern, im neuen Siebmacher schwarz-golden, desgleichen im Stadion'schen Wappenbuch schwarz-golden.

Schon im 14. Jh. verkauften die Grafen von Öttingen dem Deutschen Orden Besitz in Lierheim. Fortan teilten sich der Deutsche Orden und die Grafen die Dorfherrschaft. Die Herren von Lierheim, einst ein wichtiges Geschlecht im Ries, das auch Bischöfe in Augsburg und Konstanz und viele Domherren in den umliegenden Hochstiften stellte, hatten ihre große Zeit im 12.-14. Jh. In der Folgezeit nahm ihr Einfluß beständig ab, und die Güter mußten verkauft werden. Schloß Lierheim wurde von den Herren von Lierheim 1427 an die Grafen von Öttingen, das mächtige Grafengeschlecht im Nördlinger Ries, verkauft. Die Herren von Lierheim starben 1568 mit Sebastian von Lierheim aus. Die Grafen von Öttingen behielten Schloß Lierheim nicht lange, nach wiederholten Weiterverkäufen gelangte das Anwesen ebenfalls an den deutschen Orden, welcher schon Besitz in Lierheim hatte und nun das jetztige Schloß errichten ließ.

Literatur und Quellen:
http://www.moettingen.de/geschichte.lierheim.htm
http://www.moettingen.de/geschichte.htm

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