Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 484
Hammelburg (Franken)

Das Rathaus in Hammelburg

Das Rathaus ist eigentlich ein Bau der Renaissance aus den Jahren von 1526-1529. Sein Baumeister ist Johannes Schonard, der auch den hübschen, fast heiteren Marktbrunnen 1541 erbaut hat. Leider ist vom alten aussehen des Rathauses nicht viel übrig geblieben, denn der verheerende Stadtbrand von 1854 vernichtete es ebenso wie einen Großteil der Altstadt. In den Jahren 1855-1856 wurde das Rathaus wiederhergestellt, allerdings sehr vereinfachend. Streng genommen sind vom alten Renaissance-Bau nur der seitliche Treppenturm und der Rathauskeller übrig.

An diesem Rathaus befinden sich mehrere Wappensteine: Deren bester ist ein farblich gefaßter Stein mit Wappen des Fürstabtes Johann III. Graf von Henneberg-Schleusingen (1521/29–1541). Es gibt zwar zwei Fürstäbte, die dieses undatierte Wappen hätten führen dürfen, nämlich besagter Fürstabt und einer seiner Vorgänger, Johann II. Graf von Henneberg-Schleusingen (1472–1513); die Zuordnung zu dem späteren erfolgt aufgrund der Bauzeit des Rathauses. Die Erhaltung ist vorzüglich:

Das Wappen ist geviert mit Herzschild und hat weder Helme noch Krummstab oder Schwert, dafür wird es von zwei Renaissance-Putten gehalten und von einem geflügelten Engelskopf überhöht, unten ist ein bemütztes bärtiges Gesicht abgebildet.

Ein weiteres Henneberg-Wappen findet sich in einem vermauerten Fenstersturz. Es ist als Allianzwappen ausgebildet, heraldisch rechts ein ziemlich verwittertes Familienwappen der Grafen von Henneberg, heraldisch links das Fuldaer Kreuz, beide Schilde von einem Engelchen gehalten.

Ebenfalls am Rathaus angebracht ist das moderne Stadtwappen, verliehen 1955, basierend auf einem Stadtsiegel von 1527, das auf die Zugehörigkeit zu Fulda Bezug nimmt: Es ist gespalten, vorn in Silber ein schwarzes, schwebendes, lateinisches Kreuz, hinten in Rot aus grünem Dreiberg wachsend drei silberne Lilien. Der Bezug des Kreuzes zu Fulda liegt nahe, die Lilien stehen für die drei Schutzpatrone der Stadt Fulda (Simplicius, Faustinus und Beatrix) und entsprechen dem Wappen des Fuldaer Domkapitels. Bonifatius brachte einst Reliquien dieser drei Heiligen nach Fulda. Der rote Hintergrund steht für den Märtyrertod, den die drei Schutzpatrone gestorben sind. Der Stein wurde anläßlich der Renovierung 1986 angebracht. Vom Fuldaer Stadtwappen unterscheidet es sich nur dadurch, das das schwarze Kreuz von Hammelburg schwebend ist, bei Fulda aber durchgehend, ferner sind es hier drei einzelne Lilien, bei Fulda ein Lilienstock, der sich oben verzweigt zu drei Blüten.

Ein weiterer Wappenstein wird von zwei verwitterten und akut gefährdeten Löwen als Schildhaltern gerahmt, das Wappen ist geviert und hat drei Helme. Die Felder 1 und 4 zeigen in Silber das schwarze durchgehende Kreuz der Fürstabtei Fulda, die Felder 2 und 3 sind heute auf den ersten Blick blank und ledig, bei näherem Hinsehen erkennt man aber am Rand der stark gewölbten Felder die Spuren des früheren Schildbildes, sie waren einst im doppelten Gegenstufenschnitt von Gold und Rot schrägrechts geteilt, die Trennlinie verläuft aufgrund der starken Wölbung an der Seite. Damit ist es das Wappen des Fürstabtes Placidus von Droste (1678–1700). Die Helme 1 und 2 gehören zur Fürstabtei Fulda und zeigen einerseits auf gekröntem Helm ein stehendes schwarzes Kreuz, Helmdecken schwarz-silbern, und andererseits auf gekröntem Helm eine Bischofsmütze, aus der zwei schräggestellte Fähnchen hervorkommen, Helmdecken schwarz-silbern. Die dritte Helmzier ist stark beschädigt. Eine Rekonstruktion ist aber dennoch möglich, die sichtbaren Teile sind zwei Federn, zwischen denen sich einst ein Schildchen befunden hat, das wie der Schild im doppelten Gegenstufenschnitt von Gold und Rot schrägrechts geteilt war. Die zugehörigen Helmdecken waren rechts schwarz-silbern (Fulda), Mitte schwarz-silbern (Fulda) und links rot-golden (Droste).

Übersicht: Die Äbte und Fürstäbte von Fulda
Hervorgehoben sind die Fürstäbte, deren Wappen sich am Rathaus befinden
Konrad III. von Malkes (reg. 1221–1249), Fürstabt: 1220 wurde die Abtei durch Kaiser Friedrich II. zur Fürstabtei erhoben.
Heinrich IV. von Erthal (1249–1261), Fürstabt
Bertho II. von Leibolz (1261–1271), Fürstabt
Bertho III. von Mackenzell (1271–1272), Fürstabt
Bertho IV. von Biembach (1273–1286), Fürstabt
Markward II. von Bickenbach (1286–1288), Fürstabt
Heinrich V. Graf von Weilnau (1288–1313), Fürstabt
Eberhard von Rotenstein (1313–1315), Fürstabt
Heinrich VI. von Hohenberg (1315–1353), Fürstabt
Heinrich VII. von Kranlucken (1353–1372), Fürstabt
Konrad IV. Graf von Hanau (1372–1383), Fürstabt
Friedrich I. von Romrod (1383–1395), Fürstabt
Johann I. von Merlau (1395–1440), Fürstabt
Hermann II. von Buchenau (1440–1449), Fürstabt
Reinhard Graf von Weilnau (1449–1472), Fürstabt
Johann II. Graf von Henneberg-Schleusingen (1472–1513), Fürstabt
Hartmann II. Burggraf von Kirchberg (1513–1521/29), Fürstabt
Johann III. Graf von Henneberg-Schleusingen (1521/29–1541), Fürstabt
Philipp Schenk zu Schweinsberg (1541–1550), Fürstabt
Wolfgang Dietrich von Eusigheim (1550–1558), Fürstabt
Wolfgang Schutzbar (genannt Milchling) (1558–1567), Fürstabt
Philipp Georg Schenk zu Schweinsberg (1567–1568), Fürstabt
Wilhelm Hartmann von Klauer zu Wohra (1568–1570), Fürstabt
Balthasar von Dernbach (genannt Grauel) (1570–1576 und 1602–1606), Fürstabt
Johann Friedrich von Schwalbach (1606–1622), Fürstabt
Johann Bernhard Schenk zu Schweinsberg (1623–1632), Fürstabt
Johann Adolf von Hoheneck (1633–1635), Fürstabt
Hermann Georg von Neuhof (genannt Ley) (1635–1644), Fürstabt
Joachim Graf von Gravenegg (1644–1671), Fürstabt
Kardinal Bernhard Gustav Markgraf von Baden-Durlach (1671–1677), Fürstabt
Placidus von Droste (1678–1700), Fürstabt
Adalbert I. von Schleifras (1700–1714), Fürstabt
Konstantin von Buttlar (1714–1726), Fürstabt
Adolf von Dalberg (1726–1737), Fürstabt
Amand von Buseck, (1737–1756), Fürstabt 1737-1752, Fürstbischof ab 1752, am 5.10.1752 wurde die Fürstabtei durch Papst Benedikt XIV. in den Rang eines Bistums erhoben.
Adalbert II. von Walderdorff (1757–1759), Fürstbischof 
Heinrich VIII. von Bibra, (1759–1788), Fürstbischof 
Adalbert III. von Harstall, (1789–1814), Fürstbischof bis 1802, danach Bischof. Im Jahre 1803 wurde mit dem Reichsdeputationshauptschluß das geistliche Fürstentum mit seinen Klöstern aufgelöst.
Johann Adam Rieger (1829–1831), Bischof 

Literatur und Links:
Alexander von Reitzenstein, Herbert Brunner, Reclams Kunstführer Deutschland I, 2, Bayern Nord, Franken, Oberpfalz, 9. Auflage, Philipp Reclam Verlag Stuttgart, 1956, ISBN 3-15-010318-5, S. 207 ff.
Siebmachers Wappenbuch, Band Bistümer.

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