Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 477
Memmelsdorf bei Bamberg: Schloß Seehof

Schloß Seehof - Teil (7): Schweizerei

Die Schweizerei stammt von 1782, sie entstand unter Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal (1779-1795) und wurde von Lorenz Fink entworfen. Sie liegt im äußersten Osten des Ensembles, einen strammen Fußmarsch vom Schloß entfernt, als Point de vue fungierend. Ihre Entsprechung hatte das Gebäude einst in der auf der entgegengesetzt vom Schloß gelegenen Fasanerie. Die Schweizerei ist im Mittelteil zweigeschossig, an den Seitenteilen nur eingeschossig gebaut. Durch die hohen Satteldächer reichen sie in der Höhe aber fast an den mit einem Mansarddach bekrönten Mittelbau heran, was dem Bauwerk eine gewisse Spannung verleiht.

Franz Ludwig von Erthal (1779-1795) war ein anderer Mensch als seine Vorgänger. Jene waren noch voll und ganz der barocken Repräsentation verfallen, er war dagegen ein Mensch der Zeit der Aufklärung, ein Menschenfreund mehr als ein Machtfreund, der erste aufgeklärte Fürstbischof Bambergs. Er baute Krankenhäuser, aber keine Schlösser. Entsprechend selten finden wir daher auch Bauwerke, die stolz durch sein Wappen ihn als Bauherrn verherrlichen. In dem Ensemble von Schloß Seehof ist dieses Wappen der einzige Beleg für seine Bautätigkeit.

Das Wappen von Franz Ludwig von Erthal (1779-1795) ist geviert mit wiederum geviertem Herzschild:

Insignien: Krummstab und Schwert, Fürstenhut.

Ansonsten begann die Anlage unter seiner Herrschaft zu verfallen. Insbesondere der verschwenderisch mit Figuren ausgestattete Park wurde vernachlässigt, die Hälfte der Figuren im Park wurde abgebaut und eingelagert. Barockes Theater war nicht mehr gefragt, und der Geist des 19. Jh. war Parkanlagen mehr zugetan als formalen Parterres und barocken Statuen. Die Wasserkunst wird zerstört.

Nach der Säkularisierung 1802 ist Schloß Seehof erst staatlich, 1840 wird es an die Familie von Zandt (Husarenoberst in preußischen Diensten) verkauft. Diese wurden von den immensen Kosten aufgefressen und verwandelten große Teile des Parks in landwirtschaftliche Nutzflächen, was aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein des Unterhalts war. Das Schloß verwahrloste. Die Kaskade wurde mit Dreck verfüllt. Der letzte Freiherr von Zandt ertrank 1951 im eigenen Schloßweiher. Danach wurde zur Finanzierung systematisch das Inventar veräußert. Das geplünderte Schloß wurde 1975 gerettet, als der bayrische Freistaat dank des neuen Denkmalschutzgesetzes das Schloß aus Mitteln des Entschädigungsfonds kaufte. Schloß Seehof ist jetzt zum Teil wiederhergestellt und wird seit 1993 als Museum geführt, in den anderen Räumen befindet sich die Außenstelle des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege.

Position des Wappens

Die Bauherren von Schloß Seehof:
Peter Philipp von Dernbach (1672-1683)
Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1683-1693)
Lothar Franz von Schönborn (1693-1729)
Friedrich Carl von Schönborn (1729-1746)
Johann Philipp Anton Freiherr von Franckenstein (1746-1753)
Franz Konrad Graf von Stadion und Thannhausen (1753-1757)
Adam Friedrich von Seinsheim (1757-1779)
Franz Ludwig von Erthal (1779-1795)

Literatur und Links:
Alexander von Reitzenstein, Herbert Brunner, Reclams Kunstführer Deutschland I, 2, Bayern Nord, Franken, Oberpfalz, 9. Auflage, Philipp Reclam Verlag Stuttgart, 1956, ISBN 3-15-010318-5, S. 282 ff.
Bayerische Schlösserverwaltung, Die fürstbischöfliche Sommerresidenz Marquardsburg oder Schloß Seehof, Kurzführer
http://www.portalkunstgeschichte.de/freizeit_reise/reiseberichte/3.php
Klaus Grewe: Die Kaskade von Schloß Seehof in Memmelsdorf und ihre aufwendige Wasserleitung. - In: Wasser im Barock. Mainz 2004. (Geschichte der Wasserversorgung; Bd. 6), S. 133-147.
Michael Petzet, Emil Bauer: Schloß Seehof - Sommerresidenz der Bamberger Fürstbischöfe, Verlag Fränkischer Tag Bamberg 1995, ISBN 3-928648-17-9
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
http://www.schloss-seehof.de

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