Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 471
Memmelsdorf bei Bamberg: Schloß Seehof

Schloß Seehof - Teil (1): Hauptschloß, Westseite

Schloß Seehof – Fürstbischöfliche Datsche, ähm - Sommerresidenz. Fernab vom engen und verwinkelten Bamberg, von Amtsgeschäften und Volk liegt bei Memmelsdorf im Osten Bambergs Schloß Seehof. Eine gigantische Anlage, die allein schon aufgrund ihrer Ausdehnung beeindruckt. Innerhalb eines formalen Gartens liegt die fürstbischöfliche Residenz auf einer Anhöhe, umgeben von weitläufigen Gartenparterres, einer Wasserkunst auf der Seite zum See, der dem Landschloß seinen Namen gab. Die Dimensionen des Ensembles sind gewaltig, die Gartenanlagen weitläufig.

Auch wenn im 19. Jh. vieles verlorenging und zerstört wurde, ist Schloß Seehof eines der beeindruckendsten Barockschlösser, vor allem, weil es den Einbezug der Landschaft in das gestalterische Gesamtkonzept nachvollziehen läßt und hier auf beispielhafte Weise umbauter Raum und bebautes Gelände, Landschaft, Garten, Plastik und Baukörper miteinander zu einem Gesamtkunstwerk verschmolzen wurden.

Die Wurzeln des Schlosses reichen ins frühe 15. Jh., wo schon ein „Seehaus“ bei Memmelsdorf erwähnt wird, ein Jagd- und Landhaus. Während des 16. und 17. Jh. entwickelt es sich zu einem repräsentativen Schloß großer baulicher Einheitlichkeit, unter Einbeziehung der umgebenden Landschaft zu einem Gesamtkunstwerk aus Schloß, Landschaft, Park, Skulpturen, Gartenprojekten. Der zweite Name des Schlosses ist „Marquardsburg“, denn es war vornehmlich Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1683-1693), der 1687-1695 das Schloß erbauen ließ. Baumeister ist Antonio Petrini aus Oberitalien.

Das Schloß selbst ist eine kastellartige gelb-weiße Vierflügelanlage, ein Quadrat um einen Hof bildend. Die Flügel sind zweistöckig. Starke Ecktürme überragen die Flügel, gehen oben in ein Oktogon über und werden von mächtigen Kuppeldachhauben gekrönt, oben sich nochmals jeweils zu einer kleinen Zwiebel erweiternd. Dadurch, daß die Flügelbauten durch eine Reihe von Dachgauben auch im dritten Geschoß markant Präsenz zeigen, werden sie optisch den höheren Ecktürmen mit ihren drei Geschossen angeglichen. Das ist ein Bauschema, das uns schon früher bei fürstbischöflichen Schloßanlagen begegnet, nämlich im Konzept von Georg Ridinger für das Aschaffenburger Schloß. Und dieses Schema hat wiederum seine Wurzeln in spätgotischen Wasserburgen. Kontinuität eines Baukonzeptes bis in den Barock jeweils in den Formenkanon der Zeit gekleidet. Die Hoffassaden sind zweigeschossig, unten durch Arkaden aufgelockert, im Norden und Süden durch dreigeschossige Turmvorbauten hervorgehoben. Das Schloß hatte damit zwei Bauherren, die eigentliche Vierflügelanlage geht auf den Fürstbischof Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg zurück, während die vier turmartigen Eckrisalite von Johann Leonhard und Johann Dientzenhofer bei der Erweiterung 1698-1713 unter Lothar Franz von Schönborn errichtet wurden.

Der Park umgibt das Schloß als riesiges Rechteck von ca. 21 Hektar, eingeteilt durch Alleen in sechs Rechtecke; der Vierflügelbau liegt zentral im Schnittpunkt der Achsen. Der Park wurde von Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn (1693-1729) ab 1698 angelegt.

Über dem westlichen und dem östlichen Portal den zentralen Vierflügelschlosses befindet sich jeweils ein Wappenstein identischen Inhalts. Hier der Wappenstein der westlichen Seite: Es ist ein Allianzwappen aus den Wappen beider Bauherren, die dieses Schloß für sich errichten ließen: Optisch zur Rechten ist das Wappen des ersten Bauherren, Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg: Das Wappen ist geviert:

Optisch zu Linken ist das Wappen des späteren Bauherrn, der das Schloß in der heutigen Gestalt mit den markanten Eckrisaliten formte, Lothar Franz von Schönborn: Das Wappen ist geteilt und zweimal gespalten, mit Herzschild:

Die barocken Kartuschen werden jeweils von einem Fürstenhut überhöht, und gemeinsam nutzen sie die obendrüber dargestellte Kaiserkrone, denn das Bistum Bamberg ist ein kaiserliches Hochstift. Alle drei Kronen sind mit Kreuz ausgestattet.

Detailausschnitt mit den Fürstenhüten und der Kaiserkrone

Position des Wappens

Literatur und Links:
Alexander von Reitzenstein, Herbert Brunner, Reclams Kunstführer Deutschland I, 2, Bayern Nord, Franken, Oberpfalz, 9. Auflage, Philipp Reclam Verlag Stuttgart, 1956, ISBN 3-15-010318-5, S. 282 ff.
Bayerische Schlösserverwaltung, Die fürstbischöfliche Sommerresidenz Marquardsburg oder Schloß Seehof, Kurzführer
http://www.portalkunstgeschichte.de/freizeit_reise/reiseberichte/3.php
Klaus Grewe: Die Kaskade von Schloß Seehof in Memmelsdorf und ihre aufwendige Wasserleitung. - In: Wasser im Barock. Mainz 2004. (Geschichte der Wasserversorgung; Bd. 6), S. 133-147.
Michael Petzet, Emil Bauer: Schloß Seehof - Sommerresidenz der Bamberger Fürstbischöfe, Verlag Fränkischer Tag Bamberg 1995, ISBN 3-928648-17-9
http://www.schloss-seehof.de

Memmelsdorf (Franken): Pfarrkirche - Schloß Seehof (1) - Westseite - (2) - Ostseite - (3) - Memmeldorfer Tor - (4) - Gärtnerwohnung - (5) - Haupttor - (6) - Kaskade - (7) - Schweizerei

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Die Entwicklung des Wappens der von Schönborn

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