Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 464
Aschach (Unterfranken)

Schloß Aschach bei Bad Bocklet in Franken, Teil (3)

Die Wappen des äußeren Tores
Über dem steinernen Torbogen befindet sich ein weiteres Wappen Thüngen, datiert auf 1524, diesmal wieder eine Darstellung mit drei Wellenpfählen:

Eine moderne Zutat aus dem 20. Jh. aber sind die prunkvollen schmiedeeisernen Torflügel, die jeder ein Vollwappen in sich tragen. Zwischen all den floralen Ranken ist jeweils ein Wappen aus Schmiedeeisen eingearbeitet, komplett mit allen dazugehörigen Helmen. Auf dem linken Torflügel ist es das Wappen der Grafen von Luxburg, genauer das den Grafen Friedrich von Luxburg (21.8.1829-23.11.1905) mit zwei Helmen, auf dem rechten Torflügel ist es das seiner Gemahlin Prinzessin Louise von Schönaich-Carolath (4.11.1847-30.9.1929) mit vier Helmen.

Die Grafen von Luxburg sind eine alte, aus der Schweiz stammende Familie, die früher unter dem Namen Girtanner bekannt war. Sie werden im 15. und 16. Jh. als Beisaß des inneren Rates zu St. Gallen genannt (Ulrich Girtanner und Melchior Girtanner). Hieronymus Girtanner war 1563 dort Unterbürgermeister. Von genanntem Melchior Girtanner, gest. 1553, stammt in 7. Generation Johann Girtanner ab, geb. 1705, der am 18.3.1776 in den Ritterstand erhoben wurde unter dem neuen Namen Edler von Luxburg. Der Name leitet sich ab vom Schloß Luxburg bei Egnach am Bodensee. Ihren Reichtum erwarb sich die Familie durch Salzhandel. Das Schloß am Bodensee hatten sie aber nur kurze Zeit in ihrem Besitz. Anders als die meisten adeligen Geschlechter hatten die Grafen von Luxburg keinen eigentlichen Stamm-Grundbesitz. Dessen Sohn Johann Friedrich (geb. 1748) wurde als pfalz-zweibrückischer und fürstlich hessen-darmstädtischer Geheimrat und Oberschenk im Jahre 1779 in den Reichsfreiherrenstand erhoben, 1790 erhielt er die bayrische Grafenwürde für sich und seine Nachkommen.

Graf Friedrich von Luxburg wurde 1829 in Laubegast bei Dresden geboren. Sein Vater war der gleichnamige bayrische Gesandte in Dresden und Berlin, seine Mutter war Maria Anna geb. von Gumppenberg. 1853 wurde Graf Friedrich Reinhard Karl Ludwig von Luxburg königlich bayrischer Kammerjunker, 1856 Landgerichtsassessor in Freising, im selben Jahr Landrichter in Kissingen (einem Landrat heute vergleichbar). Das Jahr 1863 sieht ihn als Regierungsrat in Regensburg, später in München, 1866 ist er Polizeidirektor in München (entspricht einem heutigen Polizeipräsidenten), 1867 tritt er in den bayrischen auswärtigen Dienst ein, 1868 wird er Regierungspräsident von Unterfranken mit Dienstsitz im Würzburger Palais Rosenbach. 1869 lernt er seine spätere Frau, Prinzessin Louise von Schönaich-Carolath, kennen. Noch im selben Jahr wurde geheiratet. 1870-71 ist er Präfekt des Deutschen Reiches in der Provinz Niederrhein in Haguenau und Straßbourg, 1874 kauft er Schloß Aschach als Familiensitz, denn mittlerweile ist er Vater von zwei Söhnen und wünscht sich nichts sehnlicher als ein Familienheim gleich den anderen Adelsfamilien, die im Gegensatz zu ihm über einen Familien-Stammsitz verfügen. 4 weitere Söhne folgen. 1893 ist er Gründer des "Fränkischen Kunst- und Altertums-Vereins". Er starb 1905 in Würzburg.

In dem linken Teil des schmiedeeisernen Tores befindet sich das Wappen des Ehemannes, das der Grafen von Luxburg: Rot und Blau schräg geviert von einem silbernen Schragenkreuz, der schrägrechte Teil des Kreuzes mit 6 rot-befiederten natürlichen Pfeilen mit schwarzer Spitze belegt, die Spitzen aufwärts, der schräglinke Teil mit 6 natürlichen, golden beschlagenen hölzernen Jagdhörnern belegt, die Mundstücke unten, im Zentrum belegt mit einem Herzschild, hier als runde Scheibe dargestellt, darauf in Grün sitzend ein natürlicher Luchs. Das Wappen ist hier gewendet, da es sich um den von außen betrachteten linken Torflügel handelt. Das Wappen zeigt zwei Helme:

Helmdecken rechts blau-silbern, links rot-silbern oder rechts rot-silbern, links blau-silbern, und die Mundstücke der Jagdhörner gibt es auch in nach oben aufgebogener Variante. Als Schildhalter waren zwei widersehende Luchse in Gebrauch. Das Schildbild ist mit seiner Häufung an natürlichen Darstellungen, seiner unglücklichen Dichte von kleinteiligen Objekten auf dem Schragen und seiner bunten Farbwahl ein typisches Produkt seiner Zeit, das die graphische Klarheit früherer Wappenschöpfungen schon weit hinter sich gelassen hat; diese Kritik kann der Schöpfung nicht erspart bleiben.

Die Schönaich-Carolath sind altritterlicher schlesischer Uradel. Den Freiherrenstand hatte Fabian von Schönaich 1591 erhalten; für Georg von Schönaich (auch als Humanist bekannt geworden) gibt es von 1616 eine böhmische Freiherrenstandsbestätigung für das ganze Geschlecht. Er ist übrigens der Stifter des Majorats 1610. 1698 wurde der Besitz Carolath zur Freien Standesherrschaft erhoben. Im Jahre 1700 erfolgte in Wien die Erhebung in den Reichsgrafenstand, 1741 preußischer Fürstenstand mit dem Namen "Fürst von Schönaich-Carolath" mit Vererbung auf den jeweiligen Besitzer der Standesherrschaft Carolath-Beuthen, erworben von König Friedrich II nach der Besetzung des bis dahin österreichischen Schlesiens. 1753 wurde der Fürstenstand auf die gesamte Deszendenz ausgedehnt. Nur ein Zweig verblieb im Grafenstand, erlosch aber 1832 im Mannesstamme. Die Grafenlinie führte drei Helme, die Fürstenlinie vier Helme.

Stammwappen: In Gold ein grüner, viermal mit einem roten abfliegenden Bande umwundener Eichenlaubkranz mit eingeflochtenen goldenen Eicheln. Helmzier ein grüner, viermal mit einem roten, abfliegenden Bande umwundener Eichenlaubkranz, an vier Stellen eine goldene Eichel eingeflochten, oft auch mit abfliegenden Blättern dargestellt. Helmdecken grün-golden.

Freiherrliches Wappen: Geteilt,

Zwei Helme:

Gräfliches Wappen: Es ist geviert mit Herzschild und folgt der Beschreibung des fürstlichen Wappens unten. Es hat aber nur drei Helme, der vierte Helm mit dem schlesischen Adler fehlt.

Fürstliches Wappen: Das Wappen ist geviert mit Herzschild:

Auf dem Schild ruhen vier Helme:

Der Name "Carolath" steht übrigens für die heute polnische Gemeinde Siedlisko, wörtlich übersetzt "Wohnsitz", ein Dorf in der Woiwodschaft Lebus, Kreis Nowa Sól mit ca. 1.600 Einwohnern, das auch unter dem Namen "Karlatt" bekannt war. Zuerst wurde es Nikolaus von Rechenberg zu Lehen gegeben. 1561 kam es an Ritter Fabian von Schönaich, der kräftig zukaufte und sich zu einem der größten Grundbesitzer ganz Schlesiens machte. Das Schloß auf Carolath wurde 1598 begonnen, es war bis 1945 in Familienbesitz, bis es von der Roten Armee angezündet wurde und zur Ruine wurde.

Der zweite Sohn von Graf Friedrich von Luxburg (21.8.1829-23.11.1905) und seiner Gemahlin Prinzessin Louise von Schönaich-Carolath (4.11.1847-30.9.1929), Karl, geb. am 10.5.1872 in Würzburg, schlug eine Laufbahn im diplomatischen Dienst ein. In Argentinien ehelichte er Carola Martinez de Hoz 1922. Graf Karl von Luxburg übernahm den Besitz Aschach. Vor seinem Tod im Jahre 1956 in Argentinien vermachte er sein ererbtes Schloß mit dem Besitz darin dem Bezirk Unterfranken als Museum.

Literatur und Links:
Siebmachers Wappenbücher
Informationstafeln am Schloß Aschach
Regierung von Unterfranken, Veröffentlichungen zur Friedrich Graf von Luxburg-Gedächtnisausstellung
Schlösser und Burgen in Unterfranken, von Anton Rahrbach, Jörg Schöffl, Otto Schramm. Hofmann Verlag Nürnberg 2002, ISBN 3-87191-309-X
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.

Aschach (Unterfranken): Schloß Aschach, Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4) - Kirche

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