Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 455
Hollfeld (Oberfranken)

Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Hollfeld

Hollfeld, ganz grob zwischen Kulmbach und Bamberg gelegen, besitzt eine wunderschöne frühklassizistische Pfarrkirche mit einer barocken Innenausstattung. Die Wurzeln der Kirche sind natürlich älter, aber die Kirche wurde mehrfach zerstört und mußte immer wieder neu errichtet werden, zuletzt 1724 nach einem verheerenden Stadtbrand. Das Gebäude war aber mittlerweile so geschädigt, daß man mit einer Reparatur nicht mehr hinkam. Deshalb beschloß man im Jahre 1777, die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt von Grund auf neu zu erbauen, was dann auch unter der Regierungszeit des Bamberger Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthal (1779-1795) in den Jahren 1778-1781 geschah. Der erste Entwurf stammte von Fritz Ignaz Michael Neumann, dem Sohn des berühmteren Vaters Balthasar Neumann, aber die Gemeinde entschied sich nicht für ihn, sondern für einen Entwurf des Bamberger Baumeisters Johann Josef Vogel. Bei einem durch und durch neu gebauten Gebäude erstaunt die barocke Innenausstattung, die stammt aus der säkularisierten Dominikanerkirche in Bamberg. An der Fassade ein großes Wappen des Bauherrn, dessen Einfassung mit den Girlanden und Kränzen ebenfalls in Richtung Frühklassizismus weisen, ebenso die Kartuschenform.

Das Wappen des Bamberger Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthal (16.09.1730-14.02.1795) ist geviert mit wiederum geviertem Herzschild:

Die Helmzier des Stammwappens auf dem gekrönten Helm wäre ein in den Schildfarben tingiertes Paar Büffelhörner, die Helmdecken wären rot und silbern.

Hier auf dem Schild ein Fürstenhut, dahinter ein Vortragekreuz, schräggekreuzt hinter der Kartusche Schwert und Krummstab.

In der Geschichte der Fürstbistümer Würzburg und Bamberg kam es häufiger vor, daß beide einen gemeinsamen Fürstbischof in Personalunion hatten. Das Bistum Würzburg ist von beiden das ältere, es wurde 741 von Bonifatius gegründet, 266 Jahre vor Bamberg. Und das Bistum Bamberg wurde nicht nur "erst" 1007 gegründet, sondern die beiden älteren Bistümer Würzburg und Eichstätt mußten Gebiet dafür zur Verfügung stellen, neben kaiserlichen Schenkungen, die den Grundstock für das wirtschaftliche Überleben des neuen Bistums bildeten. Also sowohl Alter als auch Geschichte müßten Würzburg einen höheren Rang als Bamberg einräumen. Und doch ist es anders:

Wenn in einem Wappen Elemente beider Hochstifte kombiniert werden, finden wir immer und grundsätzlich die Symbole für Bamberg in den höherwertigen, angeseheneren Feldern im Schild, so z. B. Feld 1 und 4 im gevierten Schild, während die Symbole für Würzburg auf die "billigen Plätze" kamen, Feld 2 und 3 in geviertem Schild. Das eigentliche Familienwappen des Bischofs kam dann beispielsweise in einen Herzschild.

Was ist der Grund? Zum einen war Bamberg eine kaiserliche Stiftung, ein kaiserliches Hochstift, weshalb die Bischofswappen auch die Kaiserkrone zeigen. Würzburg war eine Gründung von Bonifatius, seines Zeichens Missionar und Kirchenreformer, nicht Kaiser. Zum anderen war das Bistum Bamberg exemt, also aus der kirchenrechtlichen Zuständigkeitsstruktur ausgegliedert und Rom unmittelbar unterstellt, was ihm eine weitreichende Eigenständigkeit ermöglichte, ohne einem Erzbistum unterstellt zu sein. Diese Exemtion war ein besonderen Privileg, das z. B. auch das Kloster Fulda besaß. Würzburg, obwohl älter und mächtiger, hatte dieses Privileg nicht. Würzburg wurde gegen Ende des 8. Jh. Suffraganbistum des von Karl dem Großen zum Erzbistum erhobenen Bistums Mainz. Auch auf Reichstagen nahm der Bamberger Bischof einen höheren Rang ein als der Kollege aus Würzburg.

von Erthal - eine fränkische Familie
Die Familie von Erthal ist ein äußerst altes fränkisches Adelsgeschlecht mit Stammsitz in einem Nebental der Fränkischen Saale, am Ufer des Baches Er. Die Stammreihe beginnt mit Heinrich von Erthal 1170. 1553 erfolgt Spaltung der Familie in eine fränkische Linie und eine Linie in Fulda. Die fränkische Linie teilt sich weiter auf in die Elfershausener und in die Leuzendorfer Linie. Der Name begegnet uns in Franken häufiger, z. B. in der Geschichte der Würzburger und Bamberger Fürstbischöfe (Franz Ludwig von Erthal (16.09.1730-14.02.1795), Fürstbischof von Würzburg und Bamberg). Bekannt ist ebenso der Würzburger Domherr und Geheimrat Freiherr Karl Friedrich Wilhelm von Erthal (01.07.1717-17.09.1780). Auch Fulda hat einen Fürstabt aus der Familie Erthal: Heinrich von Erthal 1249-1261. In Mainz spielte die Familie ebenfalls eine wichtige Rolle. Mit Lothar Franz Michael von Erthal, kurmainzischer Geheimrat und erster Staatsminister, Ritter des Johanniter-Ordens, Hofgerichtspräsident, starb die Familie 1805 aus. Die fuldische Linie war schon früher, nämlich 1640, erloschen.

Österlicher Schmuck neben der Hollfelder Pfarrkirche

Literatur:
http://www.hollfeld.de/
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.

Die Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Die Wappen der Fürstbischöfe von Bamberg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Der Fränkische Rechen - Das Rennfähnlein - Der Bamberger Löwe

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