Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 432
Bad Homburg vor der Höhe - Hessische Residenz

Das Schloß in Bad Homburg vor der Höhe
Uhrturmflügel, Haupteingang zur Nordostseite

Drei Frauen
Der Bauherr Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg gen. Prinz von Homburg, geb. am 30.3.1633 in Homburg v. d. Höhe, gest. am 24.1.1708 in Homburg v. d. Höhe, regierte 1680 – 1708. Er hatte drei Ehefrauen:

Hier am unteren Tor sind zwei davon mit Wappen verewigt: In der Mitte das Wappen Friedrichs II., flankiert von denen seiner beiden Gattinnen Gräfin Margarethe Brahe optisch links und Louise Elisabetha von Kurland optisch rechts.

Wappen der Grafen von Brahe
Wappen der Grafen von Brahe, dänisch-schwedisches Adelsgeschlecht. Das Wappen Brahe ist geviert: Feld 1 und 4: In Blau 5 (2:1:2) silberne Lilien, Felder 2 und 3: In Rot ein silberner Ritter mit Lanze zu Pferde. Herzschild ein Flug (Stammwappen Brahe, hier abweichend tingiert), Helm 1: die 5 (2:1:2) Lilien, Helm 2: Der Reiter. Statt eines mittleren, dritten Helmes eine Rangkrone.

Wappen Kurland
Wappen Kurland: Der Kurländer Hauptschild ist geviert, Feld 1 und 4 zeigen den kurländischen Löwen, Feld 2 und 3 zeigen einen Elch (oder Rentier). Der Herzschild (Ketteler) zeigt eine Falle/Kesselhaken mit den ineinander verschlungenen Buchstaben S und A. Kurland liegt im jetzigen Westen und Süden von Lettland und bezeichnet den von Ostsee und Rigaer Bucht umfaßten Landesteil südlich der Düna um die Hafenstädte Ventspils (Windau) und Liepaja (Liba).

Die Farben sind hier abweichend von den echten Tingierungen: Feld 1 und 4: in Silber ein golden gekrönter einwärts blickender roter Löwe. Feld 2 und 3: in Blau ein nach innen schreitender natürlicher Elch (oder Rentier) mit braunem Körper und goldenem Geweih, auf dem Kopf eine Herzogskrone. Herzschild in Rot ein silberner aufgezogener Kesselhaken, die schwarzen Buchstaben SA verschlungen.

Helm 1 (Mitte): silberner Kesselhaken mit den verschlungenen Initialen SA zwischen zwei silbernen Fasanenfedern, Decken rot-silbern
Helm 2 (vorne): wachsender Elch (oder Rentier), Decken blau-silbern
Helm 3 (hinten): wachsender, gekrönter, roter Löwe, Decken rot-silbern

Übrigens ist die Ehe zwischen Friedrich II. Landgraf v. Hessen-Homburg (30.3.1633 - 24.1.1708) und Louise Elisabeth Ketteler Prinzessin v. Kurland (12.8.1646 - 16.1.1690) nicht die einzige Verbindung zwischen beiden Häusern, die gleiche Kombination gibt es zwischen Carl Landgraf v. Hessen-Kassel (3.8.1654 - 23.3.1730) und Maria Amalia Kettler Prinzessin v. Kurland (1653 - 16.6.1711).

Wappen des Landgrafen Friedrich II
Das mittlere Wappen trägt insgesamt fünf Helme, während die beiden äußeren nur drei resp. zwei und eine Krone tragen. Proportional müßten also die fünf Helme des mittleren Wappens kleiner werden. Da es sich hierbei jedoch um den Landgrafen selber handelt, geht das ja garnicht. Also - was tun? Wir sehen hier als Lösung einen stark in die Breite gedehnten Schild, der zwar die heraldischen Idealproportionen verläßt, aber so Platz für fünf Helme adäquater Größe auf seinem oberen Rand bietet.

Im einzelnen ist das Wappen des Landgrafen Friedrich II von Hessen-Homburg aus acht Komponenten zusammengesetzt, Herzschild, Hauptschild gespalten und zweimal geteilt, Feld 5 geteilt:

Dazu gehören folgende 5 Helme:

Nicht als Helmzier vertreten sind die folgenden drei Grafschaften: Grafen von Nidda (Helmzier ein silberner Stern zwischen zwei schwarzen, gold getupften Büffelhörnern. Helmdecken schwarz-golden), Grafen von Dietz (Helmzier: Ein offener schwarzer Flug, beiderseits mit dem Schild belegt. Helmdecken rot-gold), Isenburg-Büdingen (Helmzier ein mit goldenen Lindenblättern bestreuter schwarzer Flug. Helmdecken schwarz-silbern).

Unteres Tor
Unteres Tor, Durchgang durch den Uhrturmflügel in den unteren Schloßhof: Über dem von je zwei pfeilerartigen Wandauflagen getragenen Sims ein komplexes Wappen-Arrangement der Barockzeit im Sandsteingiebel. In der Mitte das Wappen Friedrichs II., flankiert von denen seiner beiden Gattinnen Gräfin Margarethe Brahe optisch links und Louise Elisabetha von Kurland optisch rechts. Oben stehen auf den Ecken des Portals zwei römische Krieger und bilden die architektonische Torwache. Ganz oben auf dem Giebel steht eine Herakles-Statue mit Löwenfell und Keule.

Blick auf den Kirch- und Uhrturmflügel, 1680-86 erbaut. Durch das Hauptportal wird der Flügel zweigeteilt, an den Ecken befinden sich Pavillons. Der mittige Turm besitzt einen Aufsatz nach Entwürfen (1722-24) des Remy de la Fosse, eine der wenigen Dinge, die von seinen Plänen verwirklicht wurden.

Position des beschriebenen Wappens:

Literatur:
Hugo Gerard Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Reprint von 1897, Komet Verlag Köln, ISBN 3-89836-545-X
Olaf Vieweg, Die Entwicklung des hessischen Wappens bis zur französischen Revolution, Karfunkel 40, ISSN 0944-2677, Juni/Juli 2002, S. 61-62
Siebmacher's Wappenbücher, Fürsten M 1.3.1. 1. Band, 3. Abt. Hoher Adel, 1. Reihe, die mediatisierten Fürstengeschlechter in Deutschland
Siebmacher's Wappenbücher, Souveräne 1.1.1. Hessen
Christian Metz: Schloß Homburg vor der Höhe, Staatliche Schlösser und Gärten Hessens, Broschüre 23, 1. Auflage 2006, ISBN 3-7954-1702-3
Hessische Kunstdenkmäler:
http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?gg=167954303&obj=8328&session=913&event=Query.Details

Homburg, Bad Homburg vor der Höhe: Schloß, oberes Tor innen - Schloß, unteres Tor - Oberes Tor außen - Hirschgangflügel, NW-Ecke - Königsflügel, Mitte NW-Seite - Königsflügel, Mitte SO-Seite - Königsflügel, Ecke NW-Seite

Die Entwicklung des Hessischen Wappens

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