Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 403
Landeshauptstadt Mainz

Ehemalige Johanniterkommende

Die ehemalige Johanniterkommende Zum Heiligen Grab liegt zurückgesetzt in der Heiliggrabgasse 2 in der Nähe des Bischofsplatzes, umgeben von einem großzügigen, weitgehend unverbauten Gartengelände, das außen von den Bebauungen des Straßenzüge Weihergarten, Weihergartenstraße, Hollagäßchen, Bockshöfchen und Heiliggrabgasse umschlossen wird. Der Hauptbau des streng achsensymmetrischen Ensembles ist ein zweigeschossiger Mansarddachbau mit Mittelrisalit, wobei dieser und jeder der beiden Seitenteile je drei Fensterachsen breit ist. Nach Norden flankieren Nebengebäude einen tiefen Ehrenhof, wobei diese nach ca. der Hälfte des Weges zum Hauptbau beiderseits zurückspringen und dem Hof mehr Breite geben und außerdem das breite Corps de logis besser sichtbar machen. Diese Seitentrakte fangen architektonisch die unregelmäßige Randbebauung des umbauten Geländes ab und versehen die Durchfahrt mit einheitlichen und symmetrischen Flankierungsfassaden.

Bereits 1278 und 1281 wurde in Mainz eine Johanniterniederlassung unter dem Namen "Heilig Grab" erwähnt. Hier befanden sich einst eine romanische Kapelle, die bis ins 19. Jh. noch erhalten war, deren letzte Grundmauern 1960 abgetragen wurden und deren einstiger Grundriß heute nur noch anhand der Pflastereinlagen im Hof nachvollzogen werden kann, und ein Wohntorturm, der den Ordensrittern als Domizil diente, aber beim Neubau der Kommende 1742 abgerissen wurde. Der bis 1748 errichtete barocke Neubau folgt dem Vorbild des nur zwei Jahre früher fertiggestellten Deutschordenssitzes am Rheinufer, freilich erheblich bescheidener, und beide haben ihr Vorbild wiederum im französischen Hôtel particulier. Die Ähnlichkeit ist auch durch den gleichen Baumeister bedingt, denn auch an der Johanniterkommende wirkte der Ordensbaumeister des Deutschen Ritterordens, Johann Kaspar Bagnato (1696-1757).

Die Seitentrakte erwecken den Anschein selbständiger Kavaliersbauten. Dieser Eindruck entsteht durch das Zurückspringen im hinteren Bereich und die Mittelportale im vorderen Bereich. Doch es handelt sich um eine geschickte architektonische Verschleierungstaktik, denn tatsächlich sind die Seitenflügel durch Brückengänge mit dem Corps de logis verbunden. Die Seitentrakte stehen zudem nicht parallel, sondern laufen im hinteren Bereich etwas auseinander. Insgesamt wurde in äußerst beengter Lage eine großartige bauliche Lösung geschaffen, die raffiniert die Einschränkungen des Bauplatzes zum Vorteil einer durch und durch barocken Inszenierung der Architektur nutzt.

Die Ordensritter hatten kaum Gelegenheit, ihren neuen Sitz ausgiebig zu nutzen. Bis 1792 hatte der französische Gesandte hier seinen Dienstsitz. Die Revolutionäre, die Mainz besetzten, zeigten wenig Verständnis für geistliche Ritterorden: 1813-1814 befand sich hier eine französische Artillerieschule, und bis 1918 residierte hier die oberste Direktion der Festung Mainz (Geniedirektion). Ab 1930 wurde die Nutzung wieder friedlich, denn Franziskanerinnen zogen in die Gebäudegruppe ein und blieben bis 1966. Nachdem im Zweiten Weltkrieg die als Bischofspalast genutzte Domkustodie 1942 schwerst beschädigt und schließlich 1962 abgerissen wurde, um an der Stelle ein Parkhaus zu bauen, zog das Bischöfliche Ordinariat 1969 in die nahegelegene ehemalige Johanniterkommende ein. Die Seitenflügel der Johanniterkommende waren ebenfalls im Krieg ausgebrannt. Beim Wiederaufbau 1954 erhielten sie abweichend vom Urzustand ebenfalls Mansarddächer, um mehr Platz für zusätzliche Räume zu gewinnen. Der barocke Entwurf hatte sie mit Walmdächern ausgestattet, um eine Staffelung zum Haupthaus hin zu erzielen. Das Corps de logis hingegen gehört zu den wenigen Mainzer Gebäuden des 18. Jh., die den Weltkrieg unversehrt überstanden haben. In vier Innenräumen haben sich die Stuckdecken erhalten.

Im dreieckigen Giebelfeld des Corps de logis befinden sich zwei asymmetrische Wappenkartuschen, deren Felder einerseits mit dem Johanniterkreuz, silbern und achtspitzig auf rotem Grund, und andererseits mit dem silbernen, sechsspeichigen Rad des Hochstifts und Bistums Mainz auf ebenfalls rotem Grund belegt sind, entsprechend dem alten und dem neuen Hausherrn. Diese Lösung ist neu. Was auch immer vorher da war, die Revolutionäre schlugen zu, und das Giebelfeld blieb danach lange Zeit bis weit ins 20. Jh. frei. Im Treppenhaus befinden sich in der Stuckdecke weitere Wappendarstellungen: Neben der Wiederholung der beiden auch außen zu sehenden Wappen sind dort das Kapitelwappen und das des Fürstbischofs Damian Hartard von der Leyen zu sehen.

Literatur, Links und Quellen:
Werner Schäfke: Der Rhein von Mainz bis Köln, eine Reise durch das romantische Rheintal, DuMont Kunstreiseführer, DuMont Verlag, Köln 2006, ISBN 978-3-7701-4799-1
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Stadt Mainz, Band 2.2: Altstadt, bearb. von Ewald Wegner, hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz 1988, Wernersche Verlagsgesellschaft Worms, 3. Auflage 1997, ISBN 3-88462-139-4, S. 206-208
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