Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 401
Landeshauptstadt Mainz

Sektkellerei Kupferberg

Die Sektkellerei Kupferberg hat ihr Stammhaus an der Kupferbergterrasse an einem Hang im Westen der Altstadt. Das dreigeschossige Gebäude, Teil eines größeren Ensembles, wird durch zwei besonders hervorgehobene und in den oberen Etagen leicht vorspringende Achsen mit jeweils einem Tor und einer doppelten Fensterstellung im Obergeschoß in drei Teile gegliedert mit je zwei Fensterachsen seitlich und fünf Achsen im Mittelteil.

An der Fassade sind insgesamt acht Hoflieferantenwappen angebracht, vier im Mittelteil und je zwei auf den Außenteilen der Fassade, alle unterhalb der Fenster des ersten Obergeschosses. Das sind Darstellungen der Wappen der von der jeweiligen Firma belieferten Herrschaftshäuser oder hochadeligen Familien, die als Zeichen besonderer Gunst und Wertschätzung mit Erlaubnis des Kunden zu Werbezwecken an der Fassade angebracht werden dürfen, aber insgesamt von einfacherer künstlerischer und materieller Qualität sind, als sie je vom belieferten Haus selbst verwendet werden würden. Dennoch geben diese Hoflieferantenwappen alle Elemente des Vollwappens mit Prunkstücken wieder. Prunkstücke werden dabei aber oft nicht in korrekten Farben wiedergegeben, sondern komplett vergoldet, und sie sind auch nicht in allen Details aufgelöst. Selten sieht man so viele Hoflieferantenwappen auf einmal an einer Fassade wie hier. Die Firma wurde 1850 gegründet, und die Marke "Kupferberg Gold" wurde 1868 bei der Weltausstellung in London prämiert. Als Folge dieser Auszeichnung wurde man zum Hoflieferanten der Herzöge von Urach berufen; auf diese Berufung folgten weitere, wie man sieht.

Das Großherzogtum Hessen führte anstelle der vorher üblichen, vielfeldrigen hessischen Wappen 1806-1866 ein modifiziertes Stammwappen, in Blau ein königlich gekrönter, golden bewehrter, von Silber und Rot neunmal (hier nur achtmal) geteilter Löwe mit Doppelschweif, der in der rechten Pranke ein eigentlich silbernes Schwert schwingt. Auf dem Schild ruht eine Königskrone; als Schildhalter dienen zwei goldene, königlich gekrönte, hersehende, doppelschwänzige Löwen. Die drei herabhängenden Ordensketten sind der Großherzoglich-Hessische Goldene Löwenorden, der Großherzoglich-Hessische Philippsorden und der Ludwigsorden.

Hier das königlich bayerische Wappen, wie es 1835-1919 verwendet wurde. In dieser Form ist es eine Schöpfung von König Ludwig I, gemäß einer Verordnung vom 18.10.1835. Es ist geviert mit Herzschild, Feld 1: in Schwarz ein goldener, rot gekrönter Löwe (Pfalz am Rhein), Feld 2: von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Franken, sog. fränkischer Rechen, Feld 3: von Silber und Rot fünfmal schräglinks geteilt und mit einem goldenen Pfahl belegt, ehemalige Markgrafschaft Burgau, steht für die Gebiete in Schwaben, Feld 4: in Silber ein blauer Löwe, golden bewehrt und golden bekrönt, Grafschaft Veldenz, Herzschild: von Silber und Blau schräg gerautet (Bayern, Haus Wittelsbach). Diese Form des königlich-bayerischen Wappens symbolisierte zum ersten Mal die verschiedenen Stämme und Regionen Bayerns und war zugleich Ausdruck des offiziellen Titels: König von Bayern, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Bayern, Franken und in Schwaben. Doch warum der Veldenzer Löwe? Ist nicht die Pfalz damit doppelt repräsentiert? Er erinnert daran, daß die in Bayern regierende Linie letztendlich die Linie Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld ist, und genau zu deren ehemaligem Herrschaftsgebiet gehörte Veldenz. Der Schild wird von zwei königlich gekrönten, goldenen, widersehenden Löwen mit Doppelschwanz gehalten, und auf dem Schild ruht die bayerische Königskrone, oben mit einem Reichsapfel besetzt. Um den Schild hängen zwei Ordensketten, deren Details hier nicht spezifisch aufgelöst sind.

Das Wappen des Herzogtums Anhalt besitzt einen gespaltenen Herzschild und einen zweimal gespaltenen und dreimal geteilten Hauptschild, Feld 1: Herzogtum Sachsen, von Schwarz und Gold neunmal geteilt, darüber ein grüner schrägrechter Rautenkranz, Feld 2: Pfalzgrafschaft Sachsen, in Blau ein golden gekrönter goldener Adler, Feld 3: Herzogtum Engern, in Silber drei (2:1) dreipaßförmig ausgeschlagene rote Seeblätter, Feld 4: Beringer, in Silber (nicht Gold wie hier) ein einwärts gekehrter, gekrönter schwarzer Bär mit goldenem Halsband, der auf den Zinnen einer schrägen, roten, mit einer geschlossenen goldenen Tür versehenen Mauer emporsteigt, Feld 6: Herrschaft Ballenstedt, von Schwarz und Gold neunmal geteilt, Feld 7: Grafschaft Askanien (Aschersleben), schwarz-silbern mit 12 Feldern geschacht, Feld 8: Grafschaft Waldersee, golden-rot geviert, Feld 9: Gaugrafschaft Warmsdorf, in Blau zwei goldene Schräglinksbalken, Feld 10: Grafschaft Mühlingen, in Blau ein einwärts blickender silberner Adler, golden bewehrt, Feld 11: Regalien, ein lediges rotes Feld, Feld 12: Herrschaft Bernburg, in Silber ein schwarzer Bär mit silbernem Halsband, der auf den Zinnen einer schrägrechten roten, mit einem offenen Tore versehenen Mauer emporsteigt, Herzschild: Anhalt, gespalten, rechts: Markgrafschaft Brandenburg, in Silber ein an die Spaltlinie gestellter halber roter, goldbewehrter Adler, links: Herzogtum Sachsen, von Schwarz und Gold (nicht Silber wie hier) neunmal geteilt, darüber ein grüner schrägrechter Rautenkranz.

Bei dieser Wappendarstellung werden sogar alle sieben Helme gezeigt: Helm 1 (Mitte): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken zwei aus der Helmkrone wachsende, im Ellenbogen gekrümmte und sich an den Unterarmen überkreuzende Arme mit schwarz-golden gevierten Ärmeln, in den Händen Pfauenwedel haltend, Herzogtum Anhalt, Helm 2 (Mitte rechts): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken wachsend ein rotgezungter, golden gekrönter und schwarzer Bär mit goldenem Halsband, Herrschaft Bernburg, Beringersches Geschlecht, Helm 3 (Mitte links): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein gekrönter Spitzhut, von Schwarz und Gold neunmal geteilt, darüber ein grüner schrägrechter Rautenkranz, in der Hutkrone ein natürlicher Pfauenstoß, Herzogtum Sachsen, Helm 4 (rechts innen): auf dem ungekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein roter, hermelingestulpter Turnierhut, in dessen Stulp zwei grüne Pfauenwedel an silbernen Schäften stecken, Herzogtum Engern, Helm 5 (links innen): auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken ein goldener, golden gekrönter Adler, Pfalzgrafschaft Sachsen, Helm 6 (rechts außen): auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken ein silberner, golden bewehrter Adler, Grafschaft Mühlingen, Helm 7 (links außen): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken zwölf aus der Helmkrone sich erhebende, schwarz-silbern geschachte Fähnchen an goldenen Lanzen, Grafschaft Askanien.

Als Schildhalter dienen zwei widersehende, eigentlich rotgezungte, golden gekrönte und eigentlich schwarze Bären mit goldenen Halsbändern. Um den Schild liegt die Kette des Hausordens Albrecht des Bären (gestiftet am 18.11.1836). In korrekter farblicher Wiedergabe wäre das Kleinod ein goldenes Medaillon mit dem Wappen des Beringerschen Geschlechtes, in Silber ein nach links gekehrter, gekrönter schwarzer Bär mit goldenem Halsband, der auf den Zinnen einer schrägen, roten, mit einer geschlossenen goldenen Tür versehenen Mauer emporsteigt, von einem Devisenband mit den Worten "FUERCHTE GOTT UND BEFOLGE SEINE BEFEHLE" umgeben wird.

Dieses Wappen des Königreichs Schweden kommt doppelt vor. Der Hauptschild ist durch ein schmales goldenes Tatzenkreuz geviert, Feld 1 und 4: in Blau drei (2:1) goldene Kronen (Königreich Schweden), Feld 2 und 3: in Blau mit drei silbernen, schräglinken Wellenschrägbalken ein goldgekrönter goldener Löwe (Folkunger-Löwe), Herzschild gespalten, rechts in blau-silbern-rot (hier einmal rot statt blau) zweimal schräggeteiltem Feld eine goldene Getreidegarbe (Wasa-Dynastie, schwed. Garbe = vasa), links in Blau ein goldener, von den sieben goldenen Sterne des Sternbildes des Großen Wagens (geographische Lage) überhöhter Adler (napoleonischer Adler) über einer silbernen Brücke (für das Fürstentum Ponte Corvo in Italien, das Napoleon I. Bernadotte schenkte). Auf dem Schild ruht die schwedische Königskrone; als Schildhalter dienen zwei goldgekrönte, goldene, rotgezungte und rotbewehrte, doppelschwänzige Löwen. Um den Schild hängte der Seraphinenorden.

Das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach führt einen gevierten Hauptschild mit einem herzoglich gekrönten Herzschild, Feld 1: Landgrafschaft Thüringen, in Blau einwärts ein golden gekrönter und bewehrter Löwe, von Silber und Rot siebenmal geteilt, Feld 2: Markgrafschaft Meißen, in Gold ein schwarzer Löwe, rot bewehrt, doppelschwänzig, Feld 3: gespalten, rechts Gefürstete Grafschaft Henneberg, in Gold auf grünem Dreiberg eine schwarze Henne mit rotem Kamm und ebensolchem Kehllappen, links Herrschaft Neustadt-Arnshaugk, von Silber und Rot gespalten, je ein Schrägrechtsbalken in verwechselter Tinktur, Feld 4: gespalten, rechts Herrschaft Blankenhain, in Silber ein nach links gewandter, rotbewehrter schwarzer Löwe, darüber ein goldener Schrägrechtsbalken, links Herrschaft Tautenburg, von Blau und Silber achtfach schrägrechts gestreift. Herzschild: Herzogtum Sachsen, von Schwarz und Gold neunmal geteilt, darüber ein grüner schrägrechter Rautenkranz.

Dazu werden drei Helme geführt, hier komplett vergoldet, aber in korrekter Farbgebung sähen sie wie folgt aus: Helm 1 (Mitte), gekrönt: Herzogtum Sachsen, ein golden gekrönter Spitzhut, von Schwarz und Gold neunmal geteilt, darüber ein grüner schrägrechter Rautenkranz, in der Hutkrone ein natürlicher Pfauenstoß, Helmdecken schwarz-golden, Helm 2 (rechts), gekrönt: Landgrafschaft Thüringen, zwei silberne Büffelhörner, die mit je fünf (hier vier) grünen Lindenzweigen besteckt sind, der jeweils fünfte in der Hornmündung, Helmdecken rot-silbern, Helm 3 (links): Markgrafschaft Meißen, ein rot-silbern gestreifter Mannesrumpf mit bärtigem Haupte und mit rot-silbern gestreifter Mütze, an der eine natürliche Pfauenquaste hängt, Helmdecken rot-silbern.

Um den Schild liegt der Orden der Wachsamkeit oder Vom Weißen Falken an einem korrekterweise ponceau-roten Bande mit goldener Schrift "VIGILANDO ASCENDIMUS" - Indem wir wachsam sind, steigen wir auf. Dieser Orden wurde am 2.8.1732 von Herzog Ernst August gestiftet. Das Kleinod besteht aus einem achtspitzigen Kreuz, golden bordiert, von einer goldenen Königskrone überhöht, mit einem goldbewehrten silbernen (weißen) Falken belegt. Die Winkelecken sind rot und golden bordiert und an den Spitzen mit Perlen besetzt.

Das Königreich Sachsen führt den Schild von Schwarz und Gold neunmal geteilt, darüber ein grüner schrägrechter Rautenkranz. Die Wiedergabe am Haus ist farblich gänzlich falsch, insbesondere die roten Streifen sind absolut deplaciert. Auf dem Schild ruht die sächsische Königskrone, die von Friedrich August I. König von Sachsen (23.12.1750 - 5.5.1827) gemäß Verordnung vom 29.12.1806 ins Wappen kam. Als Schildhalter dienen zwei goldene, gekrönte, widersehende Löwen, die Johann König von Sachsen (12.12.1801 - 29.10.1873) eingeführt wurden.

Das Großherzogtum Baden gab im Jahre 1830 das komplizierte, vielfeldrige bisherige Wappen auf und kehrte zum einfachen Stammwappen zurück, in Gold ein roter Schrägbalken. Der Schild ist von einer Königskrone gekrönt. Als Schildhalter finden wir zwei widersehende, königlich gekrönte, golden bewehrte, eigentlich silberne Greifen. Vom geschwungenen Postament hängen zwei Ordensketten herab.

Literatur, Links und Quellen:
Werner Schäfke: Der Rhein von Mainz bis Köln, eine Reise durch das romantische Rheintal, DuMont Kunstreiseführer, DuMont Verlag, Köln 2006, ISBN 978-3-7701-4799-1
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Stadt Mainz, Band 2.2: Altstadt, bearb. von Ewald Wegner, hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz 1988, Wernersche Verlagsgesellschaft Worms, 3. Auflage 1997, ISBN 3-88462-139-4, S. 254-255
Sektkellerei Kupferberg:
http://www.henkell-sektkellerei.de/presse/pressemappen/kupferberg-gold und https://de.wikipedia.org/wiki/Kupferberg_(Sekt)
Hugo Gerard Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Reprint von 1897, Komet Verlag Köln, ISBN 3-89836-545-X
Wappen Schwedens:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wappen_Schwedens - https://sv.wikipedia.org/wiki/Sveriges_riksvapen

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