Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 398
Rheinfelden (Landkreis Lörrach)

Schloß Beuggen (7): Wappendarstellungen in der Kirche

Eine ganze Gruppe von Wappendarstellungen aus dem späten 18. und frühen 19. Jh. ist noch innerhalb der Schloßkirche zu sehen, an den Tod von Deutschordensmitgliedern erinnernd, künstlerisch zeittypisch jenseits guten heraldischen Geschmacks und dazu farblich und inhaltlich oft falsch. An der Rückwand der Kirche sind insgesamt neun Wappendarstellungen auf einem breit aufgespannten und viermal hochgerafften, außen grün und innen rosa getönten Tuch (freilich aus Gips gefertigt) drapiert, wobei in der Mitte das kaiserliche Wappen mit dem Reichsadler zu sehen ist. Die anderen acht Wappen tragen oben einen Totenschädel und zwei schräggekreuzte Beinknochen als Zeichen des Ablebens. Alle Wappen werden von einer üppigen, weiß gefaßten und golden verzierten Rokokokartusche umrahmt. Dabei wird übersehen, daß eine Kartusche, auch eine im Stil des Rokoko, selbst schon eine Begrenzung des Schildinhaltes darstellt, denn hier wird das komplette Wappen, mit Helm oder mit Helm und Helmzier, in einem Fall sogar mit zwei getrennten Schilden in die Kartusche hineingesetzt. Alle Wappendarstellungen bis auf die beiden äußeren sind plastisch stuckiert; dei äußeren jedoch sind nur gemalt. Über der Schmucktafel befinden sich in der Rückwand drei Fenster einer vom Schloß aus zu betretenden Loge.

Im einzelnen handelt es sich um die Darstellungen der Wappen von:

 

Abb. links: gemaltes Wappen des Landkomturs Beat Conrad Reuttner von Weyl ("1794"), geviert: Feld 1 und 4: in Silber ein schwebendes schwarzes Tatzenkreuz, Feld 2 und 3: in Blau eine goldene, mit den Spitzen nach links gewandte Mondsichel (hier nach oben verdreht), das Ganze von einem Deutschordensschild unterlegt. Die Helmzier ist unvollständig und zeigt nur eine liegende Mondsichel; der Gerüstete fehlt. Abb. rechts: Wappen des Komturs Christian Friedrich Truchsess Freiherr von Rheinfelden ("ANNO 1802 den. 17den Febre STarb der HOchwe Christian Freihe v Truchsehs v. Reinfelten T. O. R Rg u Commandeur zu Beüggen. Begraben Bey St. Michel."), hier in Blau zwei silberne Balken. In der Literatur wird das Wappen wie folgt angegeben: Fünfmal von Silber und Blau geteilt, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein Ballen aus Rosenblüten, fünfmal rot-silbern geschichtet (Wappenbuch der Stadt Basel), bzw. auf dem Helm mit rot-silbernen (Text) bzw. blau-silbernen (lt. Abb.) Decken ein rundes Schirmbrett, in blau-silbernem Eisenhutfeh vier rote Balken (Siebmacher Band: Els Seite: 21 Tafel: 25), oder auch auf dem Helm mit blau-silbernen (lt. Abb.) Decken ein naturfarbener Pfauenfederstoß (Siebmacher Band: Els Seite: 21 Tafel: 25). Hier ist die Kugel oder Scheibe des Kleinods genau wie der Schild bezeichnet. Der Schild ist von einem Deutschordensschild unterlegt.

 

Abb. links: Zweiteiliges Wappen des Ritters Paris Rudolph Freiherr Gold von Lampoting ("ANNO MDCLXVII DEN XV IVLLI STHARB DER HOHW. WOHLGEB. PARIS RUDOLPH GOLD FREII HERR VON LAMPODINGEN TE. ORD. RITTE. D. P. A"), hier farblich unrichtig golden-schwarz geteilt mit drei (2:1) Hifthörnern in verwechselten Farben, in der Literatur (Siebmacher Band: Salz Seite: 18 Tafel: 18, Band: BayA2 Seite: 52 Tafel: 34, Rietstap) jedoch anders beschrieben: silbern-rot geteilt mit drei (2:1) Hifthörnern in verwechselten Farben, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken wachsend ein rot mit silbernen Aufschlägen gekleideter Mann, der ein rotes Hifthorn bläst, aus seiner goldenen Krone zwei weitere Hifthörner hervorkommend, eines silbern, das andere rot. Die Familie hatte den Sitz Lampoting bei Laufen inne. Rechts neben dem Familienwappen ist separat das Deutschordenswappen zu sehen. Abb. rechts: Wappen des Hans Bartholomäus von Stadion, Komtur zu Mülhausen ("ANNO MDXXXV DEN XX ARIL STHARB DER HOHW WOHLG. HERR HERR HANS BARTOLAME VON STADION. TE. OR. COMA. ZV MVELHVSEN"), hier farblich unrichtig, denn das Wappen wird in der Literatur (Siebmacher Band: Mä Seite: 145 Tafel: 106, Band: Wü Seite: 4 Tafel: 4, Band: Gf Seite: 51-52 Tafel: 93-94, Aschaffenburger Wappenbuch) wie folgt beschrieben: In Schwarz drei goldene Wolfsangeln (Wolfsanker) übereinander, jeweils mit dem Ring nach unten, auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken auf einem Kissen eine goldene Wolfsangel (Wolfsanker), mit dem Ring nach oben, darin ein Pfauenstoß.

 

Abb. links: Wappen des Beatus Melchior von Reinach ("ANNO M DCLXXXX DEN VII JVLI STHARB DER WOLGE. HERR HERR BEATVS MELCHIOR VON REINACH TE OR COMAN. IN BEVGGEN"). Abb. rechts: Wappen des Franz Melchior von Reinach ("ANNO MDCCXIII DEN XXIX ... STHARB DER WOLGE. HERR HERR FRANZ MELCHIOR V. REINACH COMAND. IN BEÜGGEN"). In beiden Fällen handelt es sich um das gleiche Wappen, geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Gold einwärts ein roter Löwe, doppelschwänzig, eigentlich mit einem blauen Kopf bzw. mit einer blauen Kapuze über dem Kopf, Feld 2 und 3: fünfmal rot-golden schräggeteilt, gekrönter Herzschild: in Silber unter einem silbernen Schildchen mit durchgehendem schwarzen Tatzenkreuz (fehlt in der rechten Abb.) Schwert und Lanze schräggekreuzt, daran hängend Karpfen und Drossel (Siebmacher Band: Bad Seite: 70 Tafel: 42, Band: Bay Seite: 53 Tafel: 55, Band: Els Seite: 18 Tafel: 22, nach Lit. in Feld 2 und 3 in Gold je zwei rote Schrägbalken). Bei beiden Wappen werden Helme dargestellt, aber keine Kleinode, Helmdecken sind nur rudimentär vorhanden. Die Schilde werden unten und an den Seiten von zwei Palmwedeln eingefaßt.

 

Abb. links: Wappen des Johann Franz Karl Fridolin Freiherr von Schönau, Komtur zu Rufach ("JOHANN FRANZ KARL FRIDOL. FREIHERR v. & z. SCHOENAU COMENTUR z. RUFACH"), schwarz-golden geteilt mit drei (2:1) Ringen in verwechselten Farben, auf dem Helm mit schwarz-goldenen oder wie hier rot-silbernen Decken zwei wachsende Schwanenhälse nebeneinander, einer rot, der andere silbern (Siebmacher Band: Bad Seite: 14 Tafel: 10, Band: Els Seite: 20 Tafel: 24). Der Schild wird von einem Deutschordensschild unterlegt. Abb. rechts: gemaltes Wappen des Hans Dietrich von Hohenlandenberg ("HANS DIETRICH v. HOHEN LANDENBERG 1578"). Hier wurde versehentlich das gevierte Wappen des Konstanzer Fürstbischofs Hugo von Hohenlandenberg dargestellt, der rote Kreuze auf silbernem Grund führte. Gemeint ist hier freilich der Deutschordenskomtur, der in den Feldern 1 und 4 ein schwarzes Deutschordenskreuz führte, in Feld 2: in Rot drei (2:1) silberne Ringe (nicht golden wie hier, Landenberg), und Feld 3 schwarz-golden geviert (auch vice versa, Greifensee).

 

Abb. links: kaiserliches Wappen; dem schwarzen, golden nimbierten und ebenso bewehrten sowie rotgezungten Doppeladler des Reichs ist ein ovaler Herzschild aufgelegt, welcher gespalten ist aus dem Feld für das Erzherzogtum Österreich (in Rot ein silberner Balken) und dem Feld für Lothringen (in Gold ein roter, mit drei silbernen Alérions belegter Schrägbalken, die Adler fehlen hier). Zwischen den beiden Adlerköpfen schwebt oben die Kaiserkrone. Abb. rechts: Detailausschnitt.

 

Abb. links: Wappen des Landkomturs Beat Conrad Reuttner von Weyl links des Altarbildes an der Westwand, geviert: Feld 1 und 4: in Silber ein schwebendes schwarzes Tatzenkreuz, Feld 2 und 3: in Blau eine goldene, mit den Spitzen nach links gewandte Mondsichel (hier nach oben verdreht). Abb. rechts: Wappen des Komturs Franz Joseph Freiherr von Lerchenfeld rechts des Altarbildes an der Westwand, geviert mit Herzschild, Feld 1 und 2: in Rot ein silberner Sparren, in dessen Giebel eine flugbereite natürliche Lerche steht (Stammwappen Lerchenfeld), Feld 2 und 3: in Silber drei grüne, aus jedem oben eine goldene Flamme schlagend (Wappen der ausgestorbenen von Brennberg, ein äußerst redendes Wappen, kam 1587 bzw. 1616 an die Familie), Herzschild: rot-silbern gerautet (Alt-Lerchenfeld zu Brennberg, Vermehrung von 1653).

Position der oben beschriebenen Wappendarstellungen im Grundrißplan.

Literatur, Links und Quellen:
Schloßführer: http://www.freunde-schloss-beuggen.de/Dokumente/buch3klein.pdf
Klöster in Baden: Deutschordenskommende Beuggen:
http://www.kloester-bw.de/kloster1.php?nr=497
Schloß Beuggen:
http://www.schloss-beuggen.de/
Rundgang:
http://www.schloss-beuggen.de/rundgang/rundgang.php
Kurze Geschichte von Schloß Beuggen:
http://www.freunde-schloss-beuggen.de/Dokumente/KurzgeschichteBeuggens.pdf
Institutionen in Schloß Beuggen:
http://www.freunde-schloss-beuggen.de/institutionen.html
Geschichte von Schloß Beuggen:
http://www.schloss-beuggen.de/geschichte/geschichte.htm
Kommunität Beuggen:
http://kommunität-beuggen.de/
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 420-421
Freunde Schloß Beuggen e.V.
http://www.freunde-schloss-beuggen.de/
Schloß Beuggen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Beuggen
Deutschordensballei Schwaben-Elsaß-Burgund:
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschordensballei_Schwaben-Elsass-Burgund
Liste der Landkomture:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Landkomture_der_Ballei_Elsass-Burgund
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben

Schloß Beuggen (1): Wappensteine aus dem 15. Jh. - Schloß Beuggen (2): Wappensteine aus dem 16. Jh. - Schloß Beuggen (3): Wappenstele aus dem 16. Jh. - Schloß Beuggen (4): Wappensteine aus dem frühen 17. Jh. - Schloß Beuggen (5): Wappensteine aus dem 17. Jh. - Schloß Beuggen (6): Wappensteine aus dem 18. Jh.

Wappen des Deutschen Ordens

Ortsregister - Namensregister - Regional-Index
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright / Urheberrecht Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2012
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de und www.heraldik-leitfaden.de